Teneriffa… und seine urige Natur…

Teneriffa ist eine der kanarischen Inseln auf der wir noch nie waren… also ist das Ziel klar… da müssen wir hin. Nur wohin dort? Der Süden ist sehr touristisch und damit für uns weniger attraktiv, doch der Norden soll sehr schön sein, insbesondere das Anaga-Gebirge… und natürlich der Teide in der Insel-Mitte.

Nachdem es nur wenige gute Ankerplätze gibt und wir dort länger bleiben wollen, waren wir seit Tagen auf der Suche nach einem Liegeplatz in einer Marina…. doch wir bekamen nur Absagen… alles voll… also werden wir es auf gut Glück versuchen und notfalls eben ankern…

21.10.21 kurz vorm Ablegen bekommen wir über Navily völlig überraschend doch noch eine Zusage für einen Liegeplatz ab 22.10.21 in Radazul. Das passt prima und ist eine wundersame Fügung… so soll es also sein und wir nehmen sofort an.

10:45 Ablegen… noch kurz längsseits am Welcome-Steg um Stromadapter und Duschkarte abzugeben, dann raus aus der Marina und vor der Marina noch ein kurzer Badestopp. Der Anker fällt um 11:30  und wir hüpfen ins 24° warme Wasser… herrlich. Bei der Gelegenheit noch das Unterwasserschiff inspizieren und die Logge freimachen …in der haben sich zwei kleine Seepocken eingenistet. Sonst ist das Unterwasserschiff, bis auf ein paar grüne Algenfäden frei von Bewuchs. Das ist super und war uns vom letzten Jahr in der Ostsee ganz anders in Erinnerung. Scheinbar wirkt das neue Antifouling besser…

12:50 Anker auf und Groß ins 2. Reff gesetzt. Bei raumem Wind sollte das i.V.m. der kleinen Genua gut zum angesagten Wind passen. Nach ein paar Minuten schauen wir verdutzt auf den Windanzeiger und den Kompass. Irgendwas läuft hier falsch!!!  Kurs West…. das stimmt… aber Wind aus SW…!? …das passt absolut nicht zu unserem Wetterbericht und so können wir auf direktem Kurs nicht segeln. Also erstmal unter Motor weiter und abwarten was passiert… Es kann ja wohl nicht sein, das sich drei Wetterberichte derart täuschen… grübelgrübel… Wie war das gleich mit den tückischen Windeffekten auf den Kanaren??? Düseneffekte…. ja aber hier und nicht so, das ist was anderes… Windturbulenzen auf der Insel-Leeseite..? vielleicht… also mal sehn wie es wird, wenn wir das Kap im SW der Insel passieren. Das Kap kommt in Sicht und langsam näher… mit gutem Abstand können wir bereits um die Ecke sehen. Ja, da sieht das Wasser anders aus… es ist dunkler und hat teilweise kleine Schaumkronen… da kommt gleich richtig Wind an… wir sind gespannt. Der Windanzeiger wird unruhig… dreht sich zweimal und dann kommen innerhalb 5 Minuten die vollen 20 Knoten aus NE an… genau wie angesagt. Hey super. Raus mit der kleinen Genua und Motor aus… hat da etwa wer gezweifelt…? 😉 Unsere LADY legt sich zur Seite und nimmt kräftig Fahrt auf… yeaah… so läuft‘s teilweise über 8 Knoten Speed… mal sehn wie lange das so anhält.

Es läuft lange gut, doch ab ca. 03:00 raumt der Wind immer mehr und lässt nach… also anluven damit die Genua weiter stehen bleibt. Schade, wir kommen vom Kurs ab… und steuerbord voraus fahren wir genau auf das einzige Segelboot zu, das hier weit und breit rumsegelt. Wie eng es doch manchmal auf dem riesigen Meer sein kann. Dem anderen Schiff geht es allerdings jedoch genauso wie uns und so segeln wir eine Weile mit ca. einer Meile Abstand parallel dahin. Dann dreht der Wind gegen 04:00 wieder auf seine alte Richtung zurück und frischt auf 20-22 Knoten auf. Prima, also nur eine kleine Störung… Zielkurs liegt wieder an und es rauscht weiter schnell dahin… so macht es Spaß.

Der Morgen graut langsam und am Horizont kommen die Lichter von Radazul in Sicht… das war eine schnelle Überfahrt…. 138 Seemeilen in knapp 20 Stunden… Prima gelaufen.

Um 08:40 bergen wir die Segel vor der Hafeneinfahrt und staunen, weil es hier kurz vorm Hafen noch über 100 Meter tief ist. Radazul liegt an einer hohen Steilküste und so setzt sich das auch unter Wasser fort. Ankern wäre hier in diesem Gebiet unmöglich gewesen. Kurz nach der schmalen Hafeneinfahrt machen am Welcome-Ponton fest und checken im Marina-Office ein. Wir bekommen einen schönen Platz am Kopf der zweiten Pier und verholen dahin. Das Personal ist sehr hilfsbereit und freundlich, nimmt die Leinen an und wartet bis wir gut fest sind. Ein toller Service, den wir von vielen Marinas in der Ostsee nicht kennen.

Jetzt erstmal frühstücken und dann unsere Freunde informieren, die hier gerade Urlaub machen. Stefanie, Dirk und Pia sind eine Woche auf der Insel und haben uns ein paar Ersatzteile mitgebracht… wunderbar… vielen Dank ihr Lieben… 🙂 Am späten Nachmittag stehen sie auf dem Steg und wir freuen uns riesig sie begrüßen zu können. Es wird ein langer Abend und ich versacke mit Dirk mal wieder bis tief in die Nacht im Cockpit… wie in alten Zeiten… 🙂

Am nächsten Tag heißt es schon wieder Abschied nehmen… und wir erkunden mal etwas näher unseren Ort. Radazul ist ein sehr kleiner und ruhiger Ort, an einem steilen Berghang. Vor der Marina stehen Hochhäuser, die parallel an der senkrecht hochsteigenden Bergwand genial integriert sind. Vom Dach aus kann man direkt auf die nächste Serpentinenstraße rausgehen kann… allerdings nur für diejenigen die dort wohnen. Uns bleibt nur der Weg über die teilweise sehr steilen Serpentinenstraßen nach oben, wo auch ein großer Supermarkt (SuperDino) ist. Alles ist aber auch gut mit dem Bus erreichbar, der direkt vor dem Hafen hält.

Und einen kleinen Strand zum Schwimmen und Schnorcheln gibt es auch…. 24° und mit glasklarem Wasser… zwei Tauchbasen gibt es auch hier und einen schönen Wanderweg zur Nachbarbucht… Na, da haben wir es doch ganz gut getroffen, zumal der Weg nach Santa Cruz, der Insel-Hauptstadt, mit dem Bus nur ca. 7 Kilometer entfernt ist.

Montag, 25.10.21… um 11:15 nehmen wir den Bus nach Santa Cruz und freuen uns, dort Antje und Ingo von der Amazone wieder zu treffen. Die beiden kennen sich inzwischen in Santa Cruz bestens aus und wir bekommen eine kleine Führung durch die wirklich sehr schöne Stadt… viele Bäume und Parks mit Blumen, Kräutern und diversen kulturellen Denkmälern… schöner als erwartet und absolut zu empfehlen… zumal man hier natürlich auch überall lecker Essen kann… Ein ganz besonderes Highlight mit tollem Ambiente ist hier der Marktplatz „Mercado de Nuestra Senora de Africa“… auch der Name ist interessant und verrät in welche Richtung wir uns bewegen… 🙂

Unsere Versuche einen Mietwagen zu organisieren scheitern diesmal allerdings… es ist alles ausgebucht und selbst unser Reisebüro in Deutschland kann uns nur einen extrem überteuerten Wagen anbieten… 534,- € für drei Tage… völlig verrückt, nein danke… das ist uns entschieden zu viel… also werden wir mal sehn was wir mit dem Bus so alles machen können…

Und auch am Schiff stehen ein paar Arbeiten an, die uns noch ein paar Tage beschäftigen werden… u.a. fordern die zahlreichen Edelstahl-Teile an Bord etwas Pflege. Sie haben an vielen Stellen leichten Flugrost angesetzt… unglaublich wie aggressiv die salzige Seeluft ist. Da ist also Arbeit angesagt, die wir nicht länger schieben wollen. Mit Oxalsäure (2 EL auf 1 Liter Wasser) ätzen wir den Rost weg… danach alles gut abspülen… und am nächsten Tag wird mit Autosol alles aufpoliert. Ganz schön anstrengend bei den warmen Temperaturen… doch das Ergebnis ist fantastisch… es glänzt und blitzt alles wieder wie neu… das soll jetzt aber hoffentlich mindestens wieder ein Jahr halten… wir werden sehen… 🙂 Zum Schluss noch ein Rigg-Check mit herrlichem Blick von oben…

Die Ausflüge mit dem Bus halten sich in Grenzen, obwohl die Verbindungen ganz gut sind. Die Reisezeiten können sich aber über diverse Umwege, Umsteigen und Wartezeiten ganz schön aufsummieren… und es gibt nicht nur Verspätungen, sondern es kann auch passieren, dass die Busse mal deutlich zu früh kommen und dann zu früh weiterfahren. Einen Besuch des eigentlichen Insel-Highlights, dem „Nationalpark El Teide“ mit seinem Gipfel von 3.718 Metern, lassen wir daher vorerst ausfallen… Vulkanlandschaften haben wir auf Lanzarote ja auch schon genug gesehen… Tipp: Für Busfahrten ist die Moovit-App zu empfehlen, mit der wir gut klar kamen.

Die ehemalige Hauptstadt von Teneriffa „La Laguna“  gehört seit 1999 zum UNESCO Weltkulturerbe und ist für uns von Santa Cruz aus gut mit der Straßenbahn erreichbar. Gemeinsam mit Antje und Ingo machen wir dort einen schönen Stadtbummel. Der Ort hat viel Charme und zahlreiche sehr gut erhaltene historische Häuser aus dem 17. Und 18. Jahrhundert prägen das Stadtbild.

Und da wir hier im Norden sind, dann machen wir auch einen Wander-Ausflug ins Anaga-Gebirge. Es ist einer der schönsten Ecken auf Teneriffa und bekannt für seine guten Wanderrouten durch urwaldähnliche Vegetation und mit guten Ausblicken aufs Meer und den Teide. Hier braucht man warme Kleidung und gute Schuhe (in der Höhe ist es deutlich kälter als an der Küste). Wir wählen nur eine der leichten Routen, haben aber leider kein gutes Wetter erwischt. Entgegen den Vorhersagen nieselt es ab und zu leicht, hat nur 13°  und die Aussicht ist teilweise diesig eingeschränkt. Es ist trotzdem sehr schön, auch wenn sich der Teide hinter Wolken versteckt hält. Und immerhin bekommen wir  einen schönen Ausblick auf die Küste und können am Horizont die Rauchsäule des derzeit aktiven Vulkans auf La Palma sehen. Beeindruckend. Der Rückweg dauert etwas länger, da wir 1,5 Stunden auf den Bus warten müssen… doch das überbrücken wir mit leckeren Tapas und mit einer heißen Suppe im Restaurant neben der Bushaltestelle. Das tut gut, da uns inzwischen doch etwas kühl geworden ist…. Und umso mehr genießen wir am Abend wieder die Wärme am Meer… 🙂

Unsere weitere Reiseplanung geht von hier aus über die Kapverden in die Karibik. Dafür heißt es jetzt noch mal richtig bunkern, bevor wir Europa verlassen. Wir werden zwar auch auf den Kapverden noch vieles bekommen, doch manches wohl nicht mehr oder nur deutlich teurer. Mit Trolly, Rucksäcken und Taschen schaffen wir es auch ohne Mietwagen unseren Einkauf für die nächsten Wochen zu besorgen. Es ist hier am Berg zwar schwieriger (der SuperDino ist weit oben), doch mit dem Bus als Unterstützung klappt es ganz gut…

Inzwischen haben wir den 05.11.21 und wollen bald in Richtung Kapverden aufbrechen, da wir dort am 22.11.21 zwei Freunde erwarten, die uns über den Atlantik begleiten werden. Unser Zeitplan ist darauf abgestimmt, nach der ARC+ (startet am 07.11.21) abzulegen, doch nun sehen wir mit etwas Sorge auf die Windprognosen. Es passt nicht so richtig, zumindest nicht durchgängig für 5-7 Tage… das wäre die Zeit die wir für den Weg zu den Kapverden einplanen müssen… Die Windrichtung passt, doch der Wind soll nächste Woche stark nachlassen und dann soll ein großes Flautenloch zwischen den Kanaren und den Kapverden entstehen… hmm, das ist sehr ungünstig und das Beste wäre noch zu warten, denn hier kommt bestimmt bald wieder guter Segelwind, so wie man das um diese Jahreszeit auch erwarten darf…. und so eine langen Strecke sollte primär gesegelt werden. Der eingeplante Puffer von einer Woche könnte jetzt schnell weg sein… hmm, das könnte eng werden… mal sehn wie sich das weiter entwickelt… drückt uns die Daumen für baldigen guten Wind… 😉

9 Gedanken zu „Teneriffa… und seine urige Natur…

  1. Hallo ihr beiden,
    da ist euch ja wieder ein wunderbarer Bericht gelungen! Dafür ganz herzlichen Dank. Auch die schönen Fotos lassen uns an eurer Reise teilhaben. Vor allem aber freuen wir uns, dass ihr gesund und in guter Stimmung seid und eure Lady bisher keine größeren Reparaturen nötig hatte. Nun wünschen wir euch einen passenden Segelwind zu den Kapverden und eine angenehme Überfahrt.
    Herzliche Grüße
    Karin und Wilfried von der La Sürprise
    (Gerade zurück aus Südtirol)

    • Vielen Dank ihr Lieben… es ist immer wieder schön Rückmeldungen zu bekommen. 🙂 Südtirol ist Klasse, da waren wir früher öfter und sehr gern. 🙂
      Heute geht hier auf den Kanaren ein frischer Wind… soll in Böen bis 36 Knoten geben und in den nächsten Tagen Richtung Süden nachlassend bis Flaute… verrückte Windprognosen… wir planen morgen Vormittag auszulaufen… 🙂

      • Wir drücken euch die Daumen, dass ihr ohne Probleme die Kanaren erreicht (und wir freuen und schon auf den nächsten Bericht!)

  2. Liebe Gerti, lieber Horst,
    schön das es Euch gut geht und das Ihr so tolle Freunde habt👍
    Verfolge Euren Blog so oft es geht und es ist, wie schon jemand sagte, einwenig als wäre man
    mit dabei.
    Ich wünsche Euch alles gute und das der Wind Euch hold ist auf der nächsten Etappe zu den
    Kapwerden.
    L. G. Mario

  3. Hallo Gerti, hallo Horst, habt Dank für den wieder spannend und interessant zu lesenden Bericht. Vor allem auch für die tollen Bilder. Super was ihr alles erlebt. Für den bevorstehenden Törn zu den Kapverden wünschen wir euch den richtigen Wind (möglichst ohne längere Flaute)!
    LG Wolfgang & Waltraud

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