Kapverden… da wo die Butter schmilzt…

Bis einen Tag vor der Abfahrt waren wir unsicher welche Windprognose für uns passender ist… haben Ratschläge von Seglern eingeholt, die das Gebiet kennen und nun steht die Entscheidung an. Die ARC+ startet am Sonntag den 08.11. mit einer Starkwindprognose von Böen bis zu 36 Knoten…  das wollen wir nicht… einen Tag später ist zwar immer noch Starkwind angesagt, doch bereits deutlich abnehmend… dafür aber zum Ende der Strecke höchstwahrscheinlich Flaute… Wir entscheiden uns für die 2. Möglichkeit, zumal die weiteren Prognosen auch keine stabilen Windverhältnisse vorhersagen…

 Montag, 09.11.21 / 11:00 Uhr: Motor an, Leinen los… die Wassertanks sind voll und wir verholen noch an den Welcome-Pier um auch den Dieseltank noch voll zu machen. Diesel ist hier mit 1,24 € je Liter günstig und von guter Marinequalität (ohne Biozusatz). Das klappt gut und auch die Benzinkanister für den Außenborder werden gefüllt. Das Marina-Personal ist dabei sehr freundlich und hilfsbereit…

Um 12:00 legen wir endgültig ab… lassen uns vor der Marina noch ca 30 Minuten treiben, um im ruhigen Wasser unsere beiden Spibäume auszubaumen… bei raumen bis achterlichen Winden werden wir sie brauchen. Die Spibäume sind mit Topnant, Vor- und Achterholer so fixiert, dass sie sich auch ohne Segel nicht mehr bewegen können. Das erleichtert das weitere Handling enorm und reduziert die Gefahr von „Unfällen“ bei Starkwind. Wir haben 24-26 Knoten Wind mit einer 2 Meter-Welle vor uns… und Düseneffekte zwischen den Inseln… also wird erstmal nur eine Genua gesetzt und dann schauen wie’s läuft…

Es läuft prima… Radazul verschwindet schnell achteraus… einzelne Böen gehen bis knapp über 30 Knoten, doch überwiegend pendelt der Wind zwischen 24-28 Knoten aus NE. Das lässt sich prima und schnell segeln… vorbei an der schroffen Ost-Küste Teneriffas… mit Blick auf die tolle Berglandschaft…

Um 15:00 passieren wir Punta de los Roquetes und setzen kurz darauf auch die zweite Genua… jetzt rauscht es mit 8-9 Knoten Speed dahin… das ist super, auch wenn es durch die Wellen ziemlich geigt…

Und dann sehen wir ihn doch noch…. den Teide… der mit seinen 3.718 Metern Höhe den höchsten Gipfel Spaniens hat. Ein toller Anblick und auch ein schöner Abschied von Teneriffa.

Unser Kurs geht weiter mit 220 Grad… in die Richtung wo einem Sprichwort nach die Butter schmilzt… Der Wind bleibt stark und pendelt jetzt zwischen 26 und 30 Knoten… etwas mehr wie angesagt… Wellen bis ca. 3 Meter… doch es läuft sehr gut und in Spitzen erreichen wir eine Geschwindigkeit von über 10 Knoten… das ist für unsere schwere Lady sensationell und mehr sollte jetzt aber auch nicht mehr werden, denn das ist bereits deutlich über der Rumpfgeschwindigkeit. Zum Glück gibt’s hier auf See keine Blitzer und Strafzettel für zu schnelles fahren… 😉

Mit rauschender Fahrt geht es nach dem Abendessen in die erste Nacht. Gerti übernimmt die erste Wache und dann kehrt Ruhe ein auf der Lady… nur noch der Wind und das Rauschen der Wellen ist zu hören… und natürlich die typischen Schiffsgeräusche die dazugehören… irgendwas knackt, knarzt und klackt immer leise vor sich hin… normale und vertraute Geräusche die die Musik zum Einschlafen sind…

10.11.21/00:30… die ersten 12 Stunden sind rum und wir haben sagenhafte 97 Seemeilen im Kielwasser… das ist unglaublich und unser bisheriger Rekord auf der Lady… Der Wind hat inzwischen so wie vorhergesagt nachgelassen und auch die See ist etwas ruhiger geworden… die Tendenz stimmt. Besonders gut schlafen können wir in der ersten Nacht allerdings nicht… die Schiffsbewegungen geigen doch ganz ordentlich und wir müssen uns nach den ruhigen Marinawochen erst wieder daran gewöhnen.

06:00 morgens… der Wind hat deutlich nachgelassen… nur noch 15-20 Knoten… damit lässt sich prima und ruhig segeln… so kann’s gerne weiter gehen… Nach 24 Stunden steht ein Etmal von rund 180 Seemeilen, soviel wie noch nie… wir sind begeistert. 🙂

Das Bordleben pendelt sich langsam ein… wechselnde Wachen, Wetterberichte, Segeltrimm, lesen, kochen, essen, usw… Gerti hat toll vorgekocht, so dass wir das Essen überwiegend nur aufwärmen brauchen. Das vereinfacht gerade an den ersten Tagen das Bordleben deutlich. 🙂

Mittwoch 06:00: Wir haben mit 289 Seemeilen ca. 1/3 der Strecke geschafft… das fühlt sich schon ganz gut an. Der Wind lässt weiter nach… jetzt nur 11-15 Knoten… läuft aber immer noch ganz gut, nur die Etmale sinken natürlich deutlich. Die Wellen sind jetzt unter 2 Meter und die Bewegungen werden angenehm bis entspannt. Die Blicke gehen über die weite See… reichen bis zum ringsum freien Horizont… und es gibt nur Wasser und teils bizarre Wolkenbilder… kein Schiff weit und breit, auch nicht auf dem AIS oder dem Radar… wir sind quasi allein auf See… herrlich… 🙂 Nachts leuchten die Sterne und der zunehmende Halbmond wirft sein silbrig glitzerndes Licht aufs Wasser… fast gespenstisch aber schön und friedlich… 🙂

Ganz allein sind wir aber doch nicht… denn da ist was an Bord geflogen… Gerti deutet aufs Achterschiff und dann sehe ich ihn auch… der erste fliegende Fisch muss hier nachts unbemerkt gelandet sein… und liegt nun verendet seitlich auf dem Achterdeck… dumm gelaufen für den Kleinen…

Donnerstag 06:25: HALBZEIT !!! 430 Seemeilen liegen im Kielwasser und das fühlt sich richtig gut an. Der Wind lässt allerdings im Laufe des Tages weiter nach und wir werden immer langsamer… 9-14 Knoten Wind und die Geschwindigkeit sinkt unter 5 Knoten… Für die kommende Nacht soll es noch deutlich weniger werden und motoren wollen wir noch nicht… also darf uns unser Parasail wieder helfen. Am Nachmittag holen wir die beiden Genuas und die Bäume ein und setzen das Parasail. Sofort geht die Speed wieder auf über 6 Knoten hoch und die Bewegungen des Schiffes werden dabei auch noch deutlich ruhiger. Wir scheinen übers Wasser zu schweben. Einzig schade ist, dass unser Windpilot nicht die Kraft hat unser Parasail auszusteuern… was völlig klar ist, da der scheinbare Wind teilweise unter 5 Knoten sinkt. Also muss der Autopilot wieder übernehmen, was allerdings den Stromverbrauch deutlich erhöht. Das können wir mit Solar auf Dauer nicht ausgleichen und die Windmühlen bringen bei achterlichem Wind nichts… doch noch haben wir genügend Power in den Batterien… also weiter so…

Samstag 00:00/Mitternacht: Der Wind sinkt auf 5-7 Knoten und dreht so ungünstig, das wir das Parasail bergen müssen. Wir haben es nur mit 2 Leinen und Tacker gefahren und so können wir es nicht schiften… schade, doch was soll’s… der Wind ist ohnehin fast weg und nachts wollen wir keine unnötigen Segelmanöver machen. Schnell gleitet der Bergeschlauch übers Segel und schnell ist es so fixiert, das wir mit Motor weiterfahren können…den Batterien tut‘s auch gut. Wir haben jetzt 669 Seemeilen gesegelt und lt. Plotter noch 205 zum Ziel. Das ist mit Blick auf die angesagte Flaute schon ganz gut…. doch laut neuestem Wetterbericht soll der Wind bald wieder etwas zunehmen…

Nach dem Frühstück haben wir wieder 8-10 Knoten Wind, genau von achtern. Prima… also wieder hoch mit dem Parasail und Motor aus. Jetzt fahren wir es frei fliegend an 4 Leinen… dabei tanzt es leider etwas unruhig hin und her, doch das bekommen wir nach eine Weile probieren gut in den Griff, indem wir die beiden achteren Leinen über zwei Snatch-Blöcke mittschiffs umleiten…  Ja, so passt es… jetzt steht es prima und das Ergebnis ist Klasse… bei 8-9 Knoten wahrem Wind, noch 5-6 Knoten Speed… wow… und vielleicht schaffen wir den Rest ja tatsächlich auch noch unter Segeln… das wäre super.

Sonntag, 14.11.21: Der Wind pendelt zwischen 6-10 Knoten… und so können wir tatsächlich auch die letzte Nacht vor Ankunft noch durchsegeln. Es läuft prima und dann sehen wir es im Morgenlicht… LAND… der alte Ruf ertönt… „Land in Sicht“ …es ist 09:30 und ein herrliches Gefühl diese für uns bis jetzt längste Strecke fast geschafft zu haben. Wir freuen uns und wissen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass uns die härteste Prüfung noch bevorsteht.

Vor uns tauchen die ersten ARC-Schiffe auf, die alle auch das gleiche Ziel haben und die wir scheinbar eingeholt haben oder die vielleicht auch einen Tag später losgefahren sind. Egal… wir sind fast da und das Land kommt immer näher. Bizarre Bergrücken… Sao Vicente auf der linken Seite und Santo Antao auf der rechten Seite. Da gibt es bestimmt wieder Düseneffekte und Gerti hat Sorge, dass es zu viel werden könnte. Wir haben aber weiter nur 8-10 Knoten Wind und selbst wenn der sich in der Düse verdoppelt, sollte es kein Problem sein das Parasail zu bergen. Bei 20 Knoten haben wir es schon eingeholt und das ging gut… also warum jetzt nicht auch… ein Fehler, wie sich noch zeigen wird…

Die Düse zwischen den Inseln setzt langsam ein… 12-16 Knoten Wind… in Böen bis 20 Knoten… wir rauschen mit über 8 Speed dem Ziel entgegen und bereiten uns aufs Bergen vor. Bergeleine bereit machen und klar absprechen, welche Schot schnell gefiert werden muss, damit der Druck zum Bergen weg ist. Zur Sicherheit setzten wir auch unsere Headsets auf, um eine bessere Verständigung vom Bug ins Cockpit zu haben. Also dann…

Gerti wirft die Leeschot los, der Druck im Segel lässt nach und ich ziehe an der Bergeleine. Der Druck lässt spürbar nach und der Trichter vom Bergeschlauch rutscht problemlos bis zum Schirm… dieser ist schon halb im Sack… und dann ist plötzlich Ende… es geht nichts mehr weiter… der Bergeschlauch lässt sich nicht weiter nach unten ziehen… ufff… ich schaue verdutzt nach oben überlege kurz, ob ich an der richtigen Leine ziehe…. aber ja, sonst wäre das Segel ja nicht schon zu einem Drittel im Sack… aber warum geht es nicht weiter? Ich ziehe wie verrückt an der Bergeleine… nichts!!! Ist der Druck etwa noch zu hoch… ??? Ich öffne die zweite Leeschot auf dem Vorschiff… doch im Ergebnis das Gleiche… es geht nichts! Noch ein Blick nach oben… woran zum Teufel kann das liegen…. und dann sehe ich es… die dünne Bergeleine, die im Bergeschlauch zur Umlenkrolle in einer Segelkausch wieder nach oben geht hat sich an der obersten Saling an einem kleinen Haken verfangen, der dort angebracht ist, um Fallen bei Nichtgebrauch vom Klappern am Mast abzuhalten. Eigentlich eine gute Sache, doch wer hat dabei schon daran gedacht, dass sich ein Bergeschlauch durch eine Schwingung ausgerechnet an der Stelle einfädelt, wo die Bergeleine durchgeht… die Wahrscheinlichkeit dafür ist sehr gering und kommt wahrscheinlich in 1000 Manövern max. 1x vor. Egal… jetzt ist es passiert und verflixt ich habe keine Ahnung, wie ich die Leine da oben unter diesem Druck wieder frei bekommen soll. Nun rächt sich auch das späte bergen, denn bei weniger Wind wäre das vielleicht noch machbar gewesen… jetzt wird’s schwierig. Inzwischen sind wir in der Bucht vor Mindelo angekommen… ankernde Schiffe und dahinter Strand und Felsenküste… Wir treiben mit hoher Geschwindigkeit in diese Richtung und bekommen den verflixten Bergeschlauch nicht runter… mir wird ganz heiß. Zum Glück können wir uns über unser Headset verständigen und bleiben ruhig… auch wenn zur Panik nicht mehr viel fehlt. Wir öffnen das Spifall, damit alles im Wasser landen soll… nur weg mit dem verdammten Druck… das Spifall ist lose, doch es ändert nichts, da die dünne Bergeleine oben festhängt und dagegen zieht… Wir zerren gemeinsam am Segel und merken wie uns die Kräfte ausgehen… haben keine Chance das Segel so runter zu bekommen… Der Lärm des schlagenden Segels schmerzt in der Seele, die Schiffe und die Küste kommen immer näher und es wird flacher… es ist zum Verrückt werden. Ein letzter Versuch mit einer neuen Idee… wir müssen das Schiff mit Motor drehen, um das Segel ins Rigg fliegen lassen… so beiliegen und dann irgendwie runterreißen… Leinen im Wasser… ja auch noch… mit viel Mühe und mit Glück vom schlagenden Segel nicht über Bord gerissen zu werden gelingt es mir, die Leinen aus dem Wasser zu ziehen… Gerti gibt auf Kommando Gas und die Lady dreht sich… wir gewinnen wieder etwas Raum… das Segel hängt im Rigg… ein Schothorn noch freiknüpfen und dann ziehen wir mit letzten Kräften… es reißt!!!… endlich geht der Druck weg und es gelingt uns den unteren Teil des Segels über die Mitschiffsluke unter Deck zu ziehen… der obere Teil flattert noch im Rigg, doch dann hat sich die Bergeleine am „Killerhaken“ endlich durchgescheuert und reißt ab…. der ganze Rest kommt jetzt schlagartig nach unten und wir packen schnell alles weg. Eine Stunde Kampf liegt hinter uns und wir sind fix und fertig, doch wir haben uns wie durch ein Wunder nicht ernsthaft verletzt. Sehr viel Glück gehabt… bei dem Wuhling hätte einer von uns auch über Bord gehen können… gar nicht auszudenken was dann gewesen wäre… Das war bis jetzt unsere härteste Prüfung… und mit Abstand die gefährlichste…

Völlig zerknirscht fahren wir zum Ankerplatz… nur Wenige haben dieses Spektakel mitbekommen… drehen eine Runde durch das relativ dichte Ankerfeld und bekommen von der hier vor Anker liegenden „Enfant Terrible“ einen guten Tipp wo wir gut ankern können und wo besser nicht. Gerne nehmen wir den Tipp an und der Anker fällt hinter einem halb versunkenen Frachter… gräbt sich sofort ein und hält. Wir sind erleichtert und halten uns erst mal ein paar Minuten in den Armen. Dann ein kühles Bier, um wieder richtig zu uns zu kommen… ahh das tut gut. Sowas Verrücktes haben wir noch nicht erlebt und wer hätte damit gerechnet. Die Haken an den Salingen müssen unbedingt weg und künftig verspreche ich, bereits bei weniger Wind zu bergen.

Wir packen das Segel unter Deck in den Sack und sehen die diversen Risse… es ist sehr fraglich ob das hier ein Segelmacher wieder hinbekommt… wir werden sehen. Erst mal sind wir da, hatten eine tolle und schnelle Überfahrt (874 Seemeilen in rund 6Tagen), sind bis auf ein paar Schrammen und schmerzende Muskeln unverletzt… also nur Sachschaden… egal wie ärgerlich… wird schon wieder gut werden…

Die ARC+Flotte liegt im Hafen und wir freuen uns endlich Barbara und Stefan von der NOVA zu treffen und auch Emma und Dietmar von der Cesarina wieder zu sehen. Im Hafen herrscht geschäftiges Treiben… wie in einem Bienenstock… man muss das mögen, dann ist es toll. 😉

Bei so einem Schiffsaufgebot gibt es natürlich auch Segelmacher, die hier viel Arbeit haben… und das ist eine gute Chance für unseren Parasail… vielleicht ist er noch zu retten. Wir treffen den Hafenkapitän Tuga, der auch der Segelmacher vor Ort ist und ein ganzes Team hinter sich hat. Er nimmt unser Segel an und will nächste Woche Bescheid geben, ob eine Reparatur möglich ist.

Die Zwischenzeit nutzen wir mit ausgiebigen Stadtbummeln, kleinen Einkäufen auf den Märkten und den zahlreichen Supermärkten und kleinen Restaurants mit leckerem Essen (u.a. dem kapverdischen Nationalgericht „Cachupa“). Auch eine 7 GB-SimCard für 10 € bekommen wir hier, um wieder online zu sein (mit der SimCard von Zuhause ist hier Schluss… die wäre viel zu teuer).

Der Ort ist sichtbar afrikanisch geprägt… die Leute sind arm, aber sehr freundlich und hilfsbereit. Doch Vorsicht ist hier auf alle Fälle geboten und man sollte nach Einbruch der Dunkelheit auch nicht in abgelegenen Straßen bummeln… Wir verschließen nachts auch Luken und Niedergang, da in der gleichen Bucht ein Schiff nachts, bei schlafender Crew, ausgeraubt wurde…

Am nächsten Tag kommt ein Fischer längsseits und bietet uns frischen Fisch und Hummer an. Einen 6 Kg Thunfisch nimmt er vor unseren Augen aus und wir bekommen zu einem günstigen Preis die Filetstücke… das reicht uns voraussichtlich die ganze Woche… sehr lecker… 🙂

Die Tage verrennen wie im Flug… und ein paar kleine Arbeiten am Schiff stehen auch an… ein bisschen Zeit braucht auch unseren Blog… Es bleibt trotzdem ausreichend Zeit zum Baden und mit dem Beiboot zum Hafen zu pendeln… Und neben uns geht ein ganz tolles Schiff vor Anker… die klassische 54-Meter lange Mega-Yacht „Chronos“… ein sehr schöner Anblick.

Freitag 19.11.21: Die ARC+Flotte verlässt den Hafen und nimmt Kurs auf die Karibik. Die Windprognosen sind nicht optimal aber machbar… Wir freuen uns, dass es hier jetzt ruhiger wird und wir bald Besuch von unserem Freund Sigmar bekommen.

Am nächsten Tag besuchen wir unseren Segelmacher und sind gespannt, ob er unser Parasegel reparieren konnte. Er sagt ja…!!! …allerdings soll es jetzt wie ein „Frankensteinsegel“ aussehen. Ok, die Optik ist nicht so wichtig, Hauptsache es ist wieder einsatzklar. Wir freuen uns riesig und wuchten den großen Sack wieder an Bord… das nächste Abenteuer damit kann beginnen… und die „Killer-Haken“ an den Salingen sind inzwischen abmontiert… 🙂

Teneriffa… und seine urige Natur…

Teneriffa ist eine der kanarischen Inseln auf der wir noch nie waren… also ist das Ziel klar… da müssen wir hin. Nur wohin dort? Der Süden ist sehr touristisch und damit für uns weniger attraktiv, doch der Norden soll sehr schön sein, insbesondere das Anaga-Gebirge… und natürlich der Teide in der Insel-Mitte.

Nachdem es nur wenige gute Ankerplätze gibt und wir dort länger bleiben wollen, waren wir seit Tagen auf der Suche nach einem Liegeplatz in einer Marina…. doch wir bekamen nur Absagen… alles voll… also werden wir es auf gut Glück versuchen und notfalls eben ankern…

21.10.21 kurz vorm Ablegen bekommen wir über Navily völlig überraschend doch noch eine Zusage für einen Liegeplatz ab 22.10.21 in Radazul. Das passt prima und ist eine wundersame Fügung… so soll es also sein und wir nehmen sofort an.

10:45 Ablegen… noch kurz längsseits am Welcome-Steg um Stromadapter und Duschkarte abzugeben, dann raus aus der Marina und vor der Marina noch ein kurzer Badestopp. Der Anker fällt um 11:30  und wir hüpfen ins 24° warme Wasser… herrlich. Bei der Gelegenheit noch das Unterwasserschiff inspizieren und die Logge freimachen …in der haben sich zwei kleine Seepocken eingenistet. Sonst ist das Unterwasserschiff, bis auf ein paar grüne Algenfäden frei von Bewuchs. Das ist super und war uns vom letzten Jahr in der Ostsee ganz anders in Erinnerung. Scheinbar wirkt das neue Antifouling besser…

12:50 Anker auf und Groß ins 2. Reff gesetzt. Bei raumem Wind sollte das i.V.m. der kleinen Genua gut zum angesagten Wind passen. Nach ein paar Minuten schauen wir verdutzt auf den Windanzeiger und den Kompass. Irgendwas läuft hier falsch!!!  Kurs West…. das stimmt… aber Wind aus SW…!? …das passt absolut nicht zu unserem Wetterbericht und so können wir auf direktem Kurs nicht segeln. Also erstmal unter Motor weiter und abwarten was passiert… Es kann ja wohl nicht sein, das sich drei Wetterberichte derart täuschen… grübelgrübel… Wie war das gleich mit den tückischen Windeffekten auf den Kanaren??? Düseneffekte…. ja aber hier und nicht so, das ist was anderes… Windturbulenzen auf der Insel-Leeseite..? vielleicht… also mal sehn wie es wird, wenn wir das Kap im SW der Insel passieren. Das Kap kommt in Sicht und langsam näher… mit gutem Abstand können wir bereits um die Ecke sehen. Ja, da sieht das Wasser anders aus… es ist dunkler und hat teilweise kleine Schaumkronen… da kommt gleich richtig Wind an… wir sind gespannt. Der Windanzeiger wird unruhig… dreht sich zweimal und dann kommen innerhalb 5 Minuten die vollen 20 Knoten aus NE an… genau wie angesagt. Hey super. Raus mit der kleinen Genua und Motor aus… hat da etwa wer gezweifelt…? 😉 Unsere LADY legt sich zur Seite und nimmt kräftig Fahrt auf… yeaah… so läuft‘s teilweise über 8 Knoten Speed… mal sehn wie lange das so anhält.

Es läuft lange gut, doch ab ca. 03:00 raumt der Wind immer mehr und lässt nach… also anluven damit die Genua weiter stehen bleibt. Schade, wir kommen vom Kurs ab… und steuerbord voraus fahren wir genau auf das einzige Segelboot zu, das hier weit und breit rumsegelt. Wie eng es doch manchmal auf dem riesigen Meer sein kann. Dem anderen Schiff geht es allerdings jedoch genauso wie uns und so segeln wir eine Weile mit ca. einer Meile Abstand parallel dahin. Dann dreht der Wind gegen 04:00 wieder auf seine alte Richtung zurück und frischt auf 20-22 Knoten auf. Prima, also nur eine kleine Störung… Zielkurs liegt wieder an und es rauscht weiter schnell dahin… so macht es Spaß.

Der Morgen graut langsam und am Horizont kommen die Lichter von Radazul in Sicht… das war eine schnelle Überfahrt…. 138 Seemeilen in knapp 20 Stunden… Prima gelaufen.

Um 08:40 bergen wir die Segel vor der Hafeneinfahrt und staunen, weil es hier kurz vorm Hafen noch über 100 Meter tief ist. Radazul liegt an einer hohen Steilküste und so setzt sich das auch unter Wasser fort. Ankern wäre hier in diesem Gebiet unmöglich gewesen. Kurz nach der schmalen Hafeneinfahrt machen am Welcome-Ponton fest und checken im Marina-Office ein. Wir bekommen einen schönen Platz am Kopf der zweiten Pier und verholen dahin. Das Personal ist sehr hilfsbereit und freundlich, nimmt die Leinen an und wartet bis wir gut fest sind. Ein toller Service, den wir von vielen Marinas in der Ostsee nicht kennen.

Jetzt erstmal frühstücken und dann unsere Freunde informieren, die hier gerade Urlaub machen. Stefanie, Dirk und Pia sind eine Woche auf der Insel und haben uns ein paar Ersatzteile mitgebracht… wunderbar… vielen Dank ihr Lieben… 🙂 Am späten Nachmittag stehen sie auf dem Steg und wir freuen uns riesig sie begrüßen zu können. Es wird ein langer Abend und ich versacke mit Dirk mal wieder bis tief in die Nacht im Cockpit… wie in alten Zeiten… 🙂

Am nächsten Tag heißt es schon wieder Abschied nehmen… und wir erkunden mal etwas näher unseren Ort. Radazul ist ein sehr kleiner und ruhiger Ort, an einem steilen Berghang. Vor der Marina stehen Hochhäuser, die parallel an der senkrecht hochsteigenden Bergwand genial integriert sind. Vom Dach aus kann man direkt auf die nächste Serpentinenstraße rausgehen kann… allerdings nur für diejenigen die dort wohnen. Uns bleibt nur der Weg über die teilweise sehr steilen Serpentinenstraßen nach oben, wo auch ein großer Supermarkt (SuperDino) ist. Alles ist aber auch gut mit dem Bus erreichbar, der direkt vor dem Hafen hält.

Und einen kleinen Strand zum Schwimmen und Schnorcheln gibt es auch…. 24° und mit glasklarem Wasser… zwei Tauchbasen gibt es auch hier und einen schönen Wanderweg zur Nachbarbucht… Na, da haben wir es doch ganz gut getroffen, zumal der Weg nach Santa Cruz, der Insel-Hauptstadt, mit dem Bus nur ca. 7 Kilometer entfernt ist.

Montag, 25.10.21… um 11:15 nehmen wir den Bus nach Santa Cruz und freuen uns, dort Antje und Ingo von der Amazone wieder zu treffen. Die beiden kennen sich inzwischen in Santa Cruz bestens aus und wir bekommen eine kleine Führung durch die wirklich sehr schöne Stadt… viele Bäume und Parks mit Blumen, Kräutern und diversen kulturellen Denkmälern… schöner als erwartet und absolut zu empfehlen… zumal man hier natürlich auch überall lecker Essen kann… Ein ganz besonderes Highlight mit tollem Ambiente ist hier der Marktplatz „Mercado de Nuestra Senora de Africa“… auch der Name ist interessant und verrät in welche Richtung wir uns bewegen… 🙂

Unsere Versuche einen Mietwagen zu organisieren scheitern diesmal allerdings… es ist alles ausgebucht und selbst unser Reisebüro in Deutschland kann uns nur einen extrem überteuerten Wagen anbieten… 534,- € für drei Tage… völlig verrückt, nein danke… das ist uns entschieden zu viel… also werden wir mal sehn was wir mit dem Bus so alles machen können…

Und auch am Schiff stehen ein paar Arbeiten an, die uns noch ein paar Tage beschäftigen werden… u.a. fordern die zahlreichen Edelstahl-Teile an Bord etwas Pflege. Sie haben an vielen Stellen leichten Flugrost angesetzt… unglaublich wie aggressiv die salzige Seeluft ist. Da ist also Arbeit angesagt, die wir nicht länger schieben wollen. Mit Oxalsäure (2 EL auf 1 Liter Wasser) ätzen wir den Rost weg… danach alles gut abspülen… und am nächsten Tag wird mit Autosol alles aufpoliert. Ganz schön anstrengend bei den warmen Temperaturen… doch das Ergebnis ist fantastisch… es glänzt und blitzt alles wieder wie neu… das soll jetzt aber hoffentlich mindestens wieder ein Jahr halten… wir werden sehen… 🙂 Zum Schluss noch ein Rigg-Check mit herrlichem Blick von oben…

Die Ausflüge mit dem Bus halten sich in Grenzen, obwohl die Verbindungen ganz gut sind. Die Reisezeiten können sich aber über diverse Umwege, Umsteigen und Wartezeiten ganz schön aufsummieren… und es gibt nicht nur Verspätungen, sondern es kann auch passieren, dass die Busse mal deutlich zu früh kommen und dann zu früh weiterfahren. Einen Besuch des eigentlichen Insel-Highlights, dem „Nationalpark El Teide“ mit seinem Gipfel von 3.718 Metern, lassen wir daher vorerst ausfallen… Vulkanlandschaften haben wir auf Lanzarote ja auch schon genug gesehen… Tipp: Für Busfahrten ist die Moovit-App zu empfehlen, mit der wir gut klar kamen.

Die ehemalige Hauptstadt von Teneriffa „La Laguna“  gehört seit 1999 zum UNESCO Weltkulturerbe und ist für uns von Santa Cruz aus gut mit der Straßenbahn erreichbar. Gemeinsam mit Antje und Ingo machen wir dort einen schönen Stadtbummel. Der Ort hat viel Charme und zahlreiche sehr gut erhaltene historische Häuser aus dem 17. Und 18. Jahrhundert prägen das Stadtbild.

Und da wir hier im Norden sind, dann machen wir auch einen Wander-Ausflug ins Anaga-Gebirge. Es ist einer der schönsten Ecken auf Teneriffa und bekannt für seine guten Wanderrouten durch urwaldähnliche Vegetation und mit guten Ausblicken aufs Meer und den Teide. Hier braucht man warme Kleidung und gute Schuhe (in der Höhe ist es deutlich kälter als an der Küste). Wir wählen nur eine der leichten Routen, haben aber leider kein gutes Wetter erwischt. Entgegen den Vorhersagen nieselt es ab und zu leicht, hat nur 13°  und die Aussicht ist teilweise diesig eingeschränkt. Es ist trotzdem sehr schön, auch wenn sich der Teide hinter Wolken versteckt hält. Und immerhin bekommen wir  einen schönen Ausblick auf die Küste und können am Horizont die Rauchsäule des derzeit aktiven Vulkans auf La Palma sehen. Beeindruckend. Der Rückweg dauert etwas länger, da wir 1,5 Stunden auf den Bus warten müssen… doch das überbrücken wir mit leckeren Tapas und mit einer heißen Suppe im Restaurant neben der Bushaltestelle. Das tut gut, da uns inzwischen doch etwas kühl geworden ist…. Und umso mehr genießen wir am Abend wieder die Wärme am Meer… 🙂

Unsere weitere Reiseplanung geht von hier aus über die Kapverden in die Karibik. Dafür heißt es jetzt noch mal richtig bunkern, bevor wir Europa verlassen. Wir werden zwar auch auf den Kapverden noch vieles bekommen, doch manches wohl nicht mehr oder nur deutlich teurer. Mit Trolly, Rucksäcken und Taschen schaffen wir es auch ohne Mietwagen unseren Einkauf für die nächsten Wochen zu besorgen. Es ist hier am Berg zwar schwieriger (der SuperDino ist weit oben), doch mit dem Bus als Unterstützung klappt es ganz gut…

Inzwischen haben wir den 05.11.21 und wollen bald in Richtung Kapverden aufbrechen, da wir dort am 22.11.21 zwei Freunde erwarten, die uns über den Atlantik begleiten werden. Unser Zeitplan ist darauf abgestimmt, nach der ARC+ (startet am 07.11.21) abzulegen, doch nun sehen wir mit etwas Sorge auf die Windprognosen. Es passt nicht so richtig, zumindest nicht durchgängig für 5-7 Tage… das wäre die Zeit die wir für den Weg zu den Kapverden einplanen müssen… Die Windrichtung passt, doch der Wind soll nächste Woche stark nachlassen und dann soll ein großes Flautenloch zwischen den Kanaren und den Kapverden entstehen… hmm, das ist sehr ungünstig und das Beste wäre noch zu warten, denn hier kommt bestimmt bald wieder guter Segelwind, so wie man das um diese Jahreszeit auch erwarten darf…. und so eine langen Strecke sollte primär gesegelt werden. Der eingeplante Puffer von einer Woche könnte jetzt schnell weg sein… hmm, das könnte eng werden… mal sehn wie sich das weiter entwickelt… drückt uns die Daumen für baldigen guten Wind… 😉

Kurs 220°… Richtung Kanaren…

Montag 04.10.21 …um 06:05 klingelt der Wecker… es ist noch dunkel… trotzdem raus aus der Koje, denn der neue Wetterbericht soll Gewissheit geben, ob wir heute zu den Kanaren auslaufen.

Viele Kleinigkeiten sind auch noch zu tun, Seewasserfilter säubern, Tagestank füllen, Bilge kontrollieren, Kühlschrank auffüllen, Kühlschrankabwasser leeren, Staufächer und Backskisten gegen Klappern und rumrutschen sichern und ausstopfen… usw…

Der Wetterbericht ist da und wir haben die Qual der Wahl… entweder heute starten und die erste Nacht in Böen bis 27 Knoten mit 2,5 Meter Welle haben oder am Dienstag starten, mit weniger Wind und weniger Welle… hmm … beiden Varianten gemeinsam ist das große Flautenloch am Anfang des Törns… das ist doof… doch irgendwie scheint es auch in den nächsten Tagen an der Küste vor Faro am Vormittag immer große Flautenlöcher zu geben… Nach einigem hin und her entscheiden wir gemeinsam, heute wie geplant soll es weiter gehen Richtung Kanaren, zur Insel La Graciosa…

Mit uns fährt auch die SY Cavalou los, ein 16 Meter langer Alu-Oneoff, der für die Arktis gebaut wurde (Heimathaven BVI’s). Ihr Skipper Henry hat uns am Vorabend sein Routing von seinem Meteologen gegeben… sieht ähnlich aus, wie unser Bericht von Wetterwelt…

Um 09:45 gehen wir Anker auf, fahren noch bei der Cavalou vorbei und wünschen einen schönen Törn. Dann geht’s weiter Richtung Lagunenausfahrt. Heute haben wir seit 08:00 auflaufendes Wasser, also gegen die Strömung raus. Etwas Vorsicht ist dabei wegen der Strömung und Eddis geboten, doch es klappt mit nur 1-1,5 Gegenströmung ganz gut und wir sind um 10:15 draußen…

Kein Wind und kaum Welle… also weiter motoren und die Bäume für den angesagten raumen Wind schon mal setzten… das geht ganz gut und schnell, da wir am Vorabend dafür schon alles vorbereitet haben… Nun sehen wir aus wie ein Krabbenkutter ohne Netze… so tuckern wir weiter dem endlosen Horizont entgegen…

Ein paar letzte Telefonate und Nachrichten noch übers Handy, dann ist das Mobilfunknetz weg… Jetzt haben wir nur noch unsere neue Funkanlage und das Kurzwellen-Netz und seit heute sind wir auch bei Iridium aufgeschaltet und können im Notfall über Satelliten telefonieren. Das gibt ein gutes Gefühl…  wir sind also bestens vorbereitet.

Eine Meile hinter uns folgt die Cavalou und holt langsam auf… wir fahren mit knapp 6 Knoten und 1.700 Umin…. das ist ein guter Kosten-Nutzen-Mix bzgl. Dieselverbrauch unserer LADY. Die größere Cavalou überholt uns ein paar Stunden später und wir tauschen uns über Funk noch kurz über das Wetter aus… der Wind wird kommen versichert uns Henry… trotzdem ist es nervig als Segelschiff zu motoren…. Geduld… hmm…

15:00 es schaukelt inzwischen immer mehr, doch Wind fehlt leider immer noch… tja, er wird schon noch kommen… zumindest haben wir durch das motoren wieder randvolle Batterien… auch gut.

Für den Notfall haben wir erstmals ein Grabbag gepackt, das auch schwimmt. Alles Wichtige für ein evtl. Verlassen des Schiffs auf See ist da drin. Sattelitentelefon, Handy, GPS, PLB, Geld, Kreditkarten, Ausweise und ein paar Müsliriegel… Seenotraketen, Proviant und Wasser haben wir extra griffbereit… und die Rettungsinsel ist ohnehin immer einsatzklar… Doch das wollen wir natürlich so alles nie brauchen müssen… aber auch das gibt ein gutes Gefühl für den Notfall vorbereitet zu sein.

Gerti hat vorgekocht und heißer Tee ist ebenfalls in der Thermoskanne bereit… Jetzt muss nur noch der passende Wind endlich kommen…

Als Wachsystem haben wir 4×3 Stunden nachts und 3×4 Stunden tagsüber abgesprochen… so bekommt jeder ausreichend Schlaf und hat nicht immer genau die gleiche Wachschicht… wer mag sonst schon jede Nacht freiwillig die Hundewache machen…

Und wieder ist eine Stunde rum…. und wir motoren immer noch und geigen in der Dünung…. arrghh… wann kommt der Wind…? …die Blicke gehen in die Runde und suchen das leicht gekräuselte Wasser ab. Keine Veränderung…. Doch da, da spritzt immer wieder was an der Wasseroberfläche… Delfine oder Orcas….? Her mit dem Fernglas, hier sollten keine Orcas mehr sein, die sind doch jetzt alle nach Norden Richtung Galizien abgezogen…. Und tatsächlich es sind zum Glück nur Delfine… und die sind immer willkommen… yeahh… mehrere immer wieder in Zweier- und Dreierformation aus dem Wasser kommend… sie scheinen schräg von hinten auf uns zuzukommen, gehen aber leider weit achteraus durch und sind wieder verschwunden. Schade aber immer wieder schön… J

Dann endlich… ausreichend Wind zum Segeln… aber aus Nordwest… das passt von der Richtung ja nun so gar nicht zu unseren so schön ausgebaumten Spibäumen… ahh… nunja… also BB-Baum weg und die kleine Genua auf Backbord gesetzt… der Wind soll ja wieder drehen und dann wollen wir entspannt mit Passatbesegelung dahinsurfen…. so der Plan… doch es sollte mal wieder ganz anders kommen…

Der Wind nimmt stetig zu und erreicht in Böen 31 Knoten… das ist mehr als angesagt, doch da er auf schräg von hinten dreht, ist das ohne reffen noch ok… Unsere LADY rauscht nur mit der kleinen Genua deutlich über 7 Knoten dahin… das ist super und hätten wir so nicht erwartet. Eine angenehme Nacht wird es trotzdem nicht, da uns die seitliche Welle ordentlich durchgeigt…. arrghh… naja… aber es läuft so immerhin 2 Tage lang schnell dahin und wir haben einen schönen Sonnenuntergang auf See… Dann dreht der Wind mehr auf achtern und lässt immer mehr nach… nur noch 15-17 Knoten… ok, wir baumen wieder aus und setzten die 2. Genua dazu… so läuft’s prima dahin. Die seitliche Welle macht uns allerdings weiter zu schaffen… es geigt kräftig und dadurch schlägt insbesondere das Luvsegel immer wieder deutlich… etwas eingerefft geht’s besser…. doch der Wind sinkt langsam weiter auf unter 10 Knoten… So geht das nicht… das Segelschlagen nimmt zu und auch die Windfahnensteuerung mag so den Kurs nicht mehr richtig halten…. sehr schade, verflixt… Das haben wir nach dem Wetterbericht so nicht erwartet und mögen das so gar nicht… hmm… also die Segel müssen weg und Motor und Autopilot an…. nutzt ja nix… die letzten Meilen geht es also unter Motorbrummen weiter.

08.10.21 / 08:10 Land in Sicht…. Gerti ist der beste Ausguck an Bord und hat es natürlich zuerst gesehen… Schnell kommt es näher und um 12:30 sind wir kurz vor der Passage zwischen Lanzarote und La Graciosa…. Und um 14:00 Uhr (nach rund 100 Stunden und 538 Seemeilen) fällt unser Anker in der Playa Francesa… auf der rechten Buchtseite auf 7 Meter Wassertiefe und hält sofort und ruckartig…. also irgendwo massiv im Felsgrund eingehakt. Weiter zur Buchtmitte ist besserer Ankergrund mit Sand… doch da ist alles voll ankernder Schiffe. Um gut schlafen zu können tauche ich den Anker kurz an und sehe ihn gut verkeilt in einer Felsspalte…. So das er später wahrscheinlich auch wieder gut hochkommt…. Das passt… jetzt erstmal baden und ausschlafen… Wassertemperatur hat hier herrliche 23-24 Grad und es ist schön klar und sauber…. einfach super….

Die nächsten zwei Tage vergehen wiedermal wie im Fluge und da es ziemlich viel Wind hat, verzichten wir auf eine nasse Dinghi-Fahrt an Land und wollen lieber weiter an die Südküste von Lanzarote…. Entweder vor der Marina Rubicon ankern… oder mit viel Glück einen Marinaplatz bekommen… mal sehn…

Montag 11.10.21 / 09:15… wir gehen ankerauf und setzten Segel…. Es wird ein gemischter Segel-/Motortag bei moderater aber seitlicher Dünung… nix wovon man schwärmen kann… aber das hört man von dieser Ecke hier öfter… Immerhin nahe an der Küste entlang mit gutem Blick auf die unwirkliche Mondlandschaft von Lanzarote… ein interessanter Anblick.

Um 15:30 passieren wir das Cap Punta Pechiguera und lassen um 16:00  vor der Marina Rubicon den Anker fallen. Nach einem Telefonat mit einer netten Mitarbeiterin der Marina Runicon, bekommen wir zu unserer großen Überraschung einen schönen Liegeplatz in der Marina… wiedermal Glück gehabt… und wirklich sehr freundliches und hilfsbereites Personal hier… Von der Marina sind wir insgesamt sehr positiv überrascht… alles sehr schön und sauber, mit vielen Restaurants und Shops… und sogar incl. kostenfreiem Pool… hier kann man es gerne auch länger aushalten. Und wir freuen uns sehr, hier Piet & Gitta von der SY Platypus wieder zu treffen…. ein schönes Wiedersehen… 🙂

Die nächste Herausforderung ist der Mietwagen…. Angeblich ist für die nächsten 2 Wochen hier nichts zu bekommen… nur vielleicht über einen Anbieter am Flughafen… Dann kommt uns eine sehr gute Idee… wir rufen unser Reisebüro in Deutschland an und fragen dort nach. Tatsächlich hat das super geklappt und nach 10 Minuten haben wir für 3 Tage einen Mietwagen. Toll. 🙂

Also auf zur Inseltour: Am ersten Tag (14.10.21) die Nordtour mit dem sensationellen Künstlerhaus von César Manrique und den Vulkanhöhlen von „Jameos del Agua“ und „Cueva de los Verdes“… sehr beeindruckend und empfehlenswert zur Besichtigung. Weiter über die Nordspitze der Insel mit einem tollen Ausblick vom „Mirador des Rio“ auf die gegenüberliegende Insel La Graciosa.

Am zweiten Tag  (15.10.21) dann die Südtour zu den „Montañas del Fuego“…. Ebenfalls sehr beeindruckend und für uns der Höhepunkt bzgl. Sightseeing auf Lanzarote… Wer allerdings Angst vor schmalen Serpentinenstraßen mit steilen Abgründen ohne Leitplanken hat, soll sich das vorher gut überlegen… 😉

Der dritte Tag (16.10.21) zum Einkaufen und Proviant transportieren… wunderbar… wir können wieder gut nachbunkern… brauchen aber 3 Stunden zum Verstauen und Umräumen… ja das ist ganz anders als zuhause in Deutschland und immer noch ungewohnt für uns… aber es wird und es gibt hier auch beinahe alles was man braucht… 😉 

Heute wollen wir mal wieder kochen… die Kartoffeln treiben und müssen verarbeitet werden… und dann passiert mal wieder was Dummes… das Gas geht aus !!! Super dämlich, weil wir mit dem Mietwagen doch eine tolle Möglichkeit zum Transportieren gehabt hätten… und jetzt…??? Und wo…??? Zum Glück kennt die Platypus eine der wenigen Möglichkeiten, um auf Lanzarote deutsche Gasflaschen zu füllen. Die ist allerdings nordöstlich von Arrecife und nur mit dem Auto erreichbar… und füllt auch nur Mo-Fr vormittags. Heute ist Samstag und morgen früh soll das Auto zurück. Ohman, wie blöd ist das denn… Grübelgrübelundstudier… japp die Lösung naht… wir können den Mietwagen günstig auf Montag 11:00 verlängern und das reicht, um die Gasflasche gefüllt zu bekommen und das Auto noch rechtzeitig am Flughafen abzugeben…. Yeahhh… 🙂

Unsere gebuchte Zeit in der Marina ist eigentlich rum, doch es stehen noch Wartungsarbeiten am Schiff an und der Wind passt auch nicht gut nach Teneriffa. Also verlängern… und zum Glück können wir 3 Tage verlängern und haben so Zeit für die Arbeiten am Schiff, u.a. Ölwechsel bei Motor und Getriebe, Filter- und Impellerwechsel, usw… und natürlich immer wieder einen schönen Bummel durch den Hafen zum Shoppen und Tapas essen… 🙂

Und vor ein paar Tagen kam auch noch die Maupiti mit Tobias, Tina, Tim und Mia hier an… welch schöne Überraschung… da haben wir nun auch noch schön Zeit uns zu treffen und ausführlich zu quatschen… sehr schön… Wir haben bis zur Karibik die gleiche Route über die Kapverden vor uns… das passt prima und so werden wir uns bestimmt noch öfter treffen… 🙂

Interessant war auch noch, welches Schiff schräg hinter unserer LADY BLUE festgemacht hat. Es ist die Thalassa, der Katamaran und wahrscheinlich das letzte Schiff von Bobby Schenk. Sie wurde in Neuseeland vom neuen Skipper übernommen und hierher gesegelt.
Zur Info: Bobby Schenk ist ein deutscher Weltumsegler, dessen Buch „Blauwassersegeln“ vor vielen Jahren der Auslöser meiner Segelträume war… und toll das Gerti das alles mitmacht… 🙂

Für Donnertag soll der Wind gut nach Teneriffa passen. Der Wetterbericht sieht gut und konstant aus… raumer Wind um die 20 Knoten mit Böen bis 25 Knoten, bei max 2 Meter Welle…. Und der Wind soll diesmal nicht wieder raumen und nachlassen… so ist’s ok, also los und auf nach Teneriffa… 🙂

Algarve… mit Familie an Bord…

Mittwoch, 22.09.21… sie kommen… juhuu… und es steht die spannende Frage im Raum….“Wird uns unser Enkel noch erkennen“? 2,5 Monate haben wir ihn außer im Videocall nicht mehr live gesehen… gefühlt eine Ewigkeit, insbesondere für unseren Enkel… wir sind gespannt. Und dann ist es soweit… sie steigen aus dem Shuttle und die ersten Blicke treffen sich wieder… und?… jaaaah er hat uns sofort wieder erkannt… juhuuu… und wie er schon gewachsen ist und läuft… wow wir sind begeistert und freuen uns riesig…. 🙂

Bei der Gelegenheit bekommen wir auch wichtige Ersatzteile (quasi als VIP-Lieferung), u.a. ein neues UKW-Funkgerät (das Alte hatte seit Sines ein defektes Empfangsmodul). Einbau klappt gut und wir sind wieder auf Empfang… yeahh… 🙂

Die nächsten Tage sind spannend und aufregend für alle… ein Schiff ist ein richtiger Abenteuerspielplatz… jedoch nicht ganz ungefährlich, solange man noch etwas unsicher auf den Beinen ist…. und vor allem noch völlig sorglos, neugierig und risikofreudig alles entdecken will… spannend für Oma und Opa und noch spannender für die Eltern… 🙂 Es geht aber alles gut…. außer zwei kleinen Beulen aber dafür um viele Erfahrungen reicher… so vergehen die nächsten Tage wie im Fluge…

Schöne Ausflüge zur herrlichen Felsenküste, zur Shoppingmeile von Albufeira, in die Lagune bei Culatra und weiter nach Olhao, runden die nächsten Tage ab. Das Wasser ist herrlich warm zum baden… und das Beiboot fahren macht unserem Enkel auch sichtlich Spaß… obwohl er anfangs nur sehr skeptisch einsteigt. Erstaunlich auch, wie schnell seine Fortschritte bei allen Bewegungen an Bord sind… es wachsen ihm scheinbar schnell Seebeine… 🙂

Culatra ist ein netter kleiner Fischerort, der vom Ankerfeld gut mit dem Beiboot erreicht werden kann. Allerdings darf man nicht am farblich markierten Stegbereich festmachen, das ist für das Rettungsboot reserviert und kann bis zu 500,- € Strafe kosten.

Der Besuch von Olhao lohnt jedoch deutlich mehr und ist über ein schmales Fahrwasser von der Lagune aus zu erreichen…. viele kleine Restaurants… leckeres Essen und sehr gute Einkaufsmöglichkeiten (u.a. Fisch, Fleisch, Obst und Gemüse in den Markthallen oder in großen Supermärkten).

Nachdem woir nch kurz am Ankerplatz vor den Markthallen lagen, bekamen wir einen Platz in der Marina. Das war Glück, da der Hafen eigentlich ausgebucht ist. Die Anlagen drumrum sind neu und fast fertig. Duschen gibt es noch keine, doch die haben wir ja an Bord.

Donnerstag, 30.09.21… der Abschied naht und fällt uns schwer… doch es nutzt nix… unsere Reise geht weiter und für unsere Kinder folgen noch ein paar Tage Cluburlaub an Land… „zur Erholung“… 🙂

Am nächsten Tag gibt es eine böse Überraschung… ein Aufschrei von Gerti aus der Pantry schreckt mich hoch… und anschließend starren wir beide entsetzt ins Spülbecken, wo sich eine große schwarze Kakerlake seitlich unter dem schräg stehenden Gummiausfluss-Sieb versteckt. Uaahh… sowas auf unserem Schiff… wie kann das sein… iiihhh…  ein schneller Griff zum Hammer aus der Werkzeugkiste… und mit dem Holzstiel ein gezielter Stoß… und sie ist platt. Das Entsetzten bleibt… war das die Einzige… hat sie schon Eier gelegt… wo kommt sie her? Jedenfalls folgt eine umfangreiche Großreinigung der Pantry.  Und dann wird schnell klar, wie das wohl ablief…. Die Seitenluke oberhalb des Spülbeckens war über Nacht offen (ohne Mückengitter) und darunter war diverses duftendes Obst… das scheint sie angelockt zu haben (sie können ja auch fliegen) und so muss sie durch die Luke in der Spüle gelandet sein. Wir lernen draus… künftig nicht nur alles Obst und Gemüse abwaschen, sondern nachts auch alle Luken mit Gittern gegen Ungeziefer schützen…. Das ging also nochmal gut… und wie die nächsten Wochen zeigen werden… ohne Folgen… 🙂

Sonntag, 03.10.21:

Seit gestern sind wir wieder auf dem Ankerplatz vor Culatra… und seit Wochen regnet es mal wieder und es ist ziemlich windig. Egal, wir haben ohnehin jede Menge zu um unsere LADY BLUE klar für den nächsten längeren Schlag zu machen. Die Spibäume werden ausgebaumt und neue Achterholer angepasst. Anschließen lassen wir sie gleich auf halber Höhe nach vorn angeschlagen, damit wir sie am nächsten Tag auf See leichter setzen können.

Das Beiboot kommt auf Vorschiff, was bei dem Wind etwas anstrengend ist, der Außenborder an die Reeling und die Windfahnensteuerung wird auch einsatzklar gemacht…. Gerti kocht noch vor und macht unter Deck schon vieles seeklar. Der Tag geht ruckzuck vorbei und wir können noch die Tosimotu begrüßen, die nach langem Zwischenstopp in Cascais auch gut an der Algarve angekommen ist.

Videocall noch mit unseren Kindern und Enkel, die gerade im Packstress sind, weil am nächsten Tag ihr Rückflug geht….. zack, schon sind für sie die 2 Wochen wieder vorbei, doch wir hatten ein paar sehr schöne Tage an Bord der LADY BLUE verbracht… das war sehr schön, insbesondere weil unser Enkel Marlon sich schon so toll weiterentwickelt hat…. Aber auch anstrengend, weil der Abenteuerspielplatz Schiff für ihn noch ziemlich gefährlich ist… aber alles gut gegangen…

Wir studieren noch mal den Wetterbericht und freuen uns, dass uns Henry von der SY Cavalou sein Wetterrouting zusendet. Das ist von einem Meteologen speziell für die morgige Fahrt erstellt und sieht ähnlich aus wie unser Report von Wetterwelt. Gibt ein gutes Gefühl wenn es übereinstimmt.

Gegen 23:00 Uhr fallen wir müde in die Koje, noch leicht unsicher ob wir bei Wind bis 31 Knoten und Welle bis 2,8 Meter tatsächlich starten sollen oder lieber noch einen Tag warten wollen. Morgen früh soll der neue Wetterbericht die finale Entscheidung bringen.

„Algarve“… und den Orcas entwischt

Die Bucht von Sines sieht schön aus und ist eigentlich sehr gut geschützt … doch das täuscht… vom Westen kommt die lange Atlantikdünung an und schiebt sich auch in diese Bucht… nicht viel, doch das reicht um die ganze Nacht mehr als gewohnt durchzuschaukeln. So richtig guter Schlaf ist dabei nicht möglich… also verholen wir am nächsten Tag in die Marina Sines und liegen da deutlich ruhiger.Hier liegen auch zwei weitere deutsche Yachten, die Amazone mit Antje und Ingo und die Cesarina mit Emma und Dietmar. Gemeinsam verbringen wir hier ein paar schöne Tage und sitzen abends abwechselnd im Cockpit unserer Schiffe zusammen… sehr lustig und entspannt bis spät in die Nacht… Solche zufälligen Kontakte gehören mit zu den schönsten Seiten des Blauwasserlebens…

Und immer wieder Wetter… wir haben gerade mal wieder wenig Wind und der dreht die nächsten Tage auch noch auf Süd… ziemlich ungewöhnlich zu dieser Jahreszeit… so kommen wir nicht weiter, doch wir haben Zeit und wollen diese nun für ein ganz besonderes Thema nutzen. Alternativen zum Wetterempfang!!!

Unsere Wetterberichte haben wir bis jetzt immer übers Internet bezogen (Wetterwelt, Windy, Windfinder und XyGrib). Das ist in Küstennähe übers Handy-Datennetz auch sehr einfach. Wenn aber bald mal länger kein Land in Sicht ist… dann geht das nur noch über Kurzwelle oder Satelliten. Für beide Möglichkeiten haben wir Equipment an Bord aber bisher nicht im Einsatz… das ist noch „Neuland“ für uns und braucht erst noch das gewisse „technische reinfummeln“. Insbesondere über Kurzwelle und Pactormodem i.V.m. mit PC und der Wetterwelt-Software ist das anfangs ziemlich tricky… und über Satellit ist es sehr teuer. Also soll die KW-Anlage nun endlich liefern. Dietmar von der Cesarina ist da ein praxiserfahrener Anwender und bietet seine Hilfe an… wir freuen uns sehr und nehmen die Hilfe dankend an. Es dauert tatsächlich gar nicht lange und die Konfiguration ist einrichtet und die ersten Wetterdaten kommen über KW rein. Super und wir sind total begeistert. Der Empfang dauert zwar deutlich länger als zu den Anfangszeiten des Internets, doch so können wir nun überall… auch mitten auf dem Atlantik unsere Wetterdaten empfangen… und sogar kleine Text-Mails versenden… grandios… 🙂   Vielen Dank Dieter… das war eine ganz tolle Hilfe für uns…:-)

Viele Fragezeichen hatten wir auch noch zu unserer Angelausrüstung… aus vielen Jahren hat sich bei uns ein großes Zubehör angesammelt und Ingo von der Amazone erklärt uns, dass wir das meiste davon am Atlantik gar nicht gebrauchen können… Ha, wie lustig… na ja, wir haben es bisher auch noch gar nicht versucht… doch dank Ingo sind wir jetzt gut informiert und werden das demnächst auch mal probieren…

Während wir entspannt im Cockpit sitzen, entsteht plötzlich Aufregung im Hafen… das Rescueboot düst mit Vollgas aus dem Hafen und das Polizeiboot mit Vollgas hinterher… da muss was passiert sein… ohje… sofort fallen uns die Orcas ein…haben sie etwa wieder zugeschlagen? Es waren ein paar Tage trügerische Ruhe und wir dachten schon sie sind endlich nach Norden gezogen… doch falsch gedacht… drei Seemeilen vor der Marina attackieren sie gerade zwei Segelyachten… und von da kommt jetzt auch der Hilferuf. Echt übel…

Beide Yachten liegen später neben uns in der Marina und berichten vom Vorfall. Sie liefen beide unter Maschine und hatten den Eindruck, dass die Orcas nur mit ihnen spielen wollten. „Tolles Spiel“, mit dem Ergebnis, dass eine Yacht einen Schaden an der Welle und das andere einen Schaden am Ruder hat. Für beide Schiffe ist die Reise damit hier erst mal zu Ende und sie müssen aus dem Wasser. Gruselig was da abgeht, doch zumindest den Crews geht’s gut und sie nehmen es mit Humor.

SY Amazone und SY Cesarina beim Auslaufen vor Sines

Wir haben dafür weniger Humor, wo wir doch wissen, dass wir da noch durch müssen. Die Amazone und die Cesarina haben schon vor Tagen beschlossen, dass sie auf die Algarve verzichten und von hier aus gleich direkt zu den Kanaren auslaufen. Doch wir wollen an die Algarve, weil in ein paar Tagen unsere Kinder mit Enkel dort ankommen und darauf freuen wir uns schon sehr. Unserem Schiff können sie eigentlich nichts anhaben… es ist ein schwerer Langkieler mit dickem Aluminiumrumpf, Kielhacke und Ruderskeg. ABER, wir haben am Heck eine Windfahnensteuerung montiert, mit zusätzlichem Ruderblatt und das könnten sie bei einem „Angriff“ beschädigen. Das wäre schade, würde uns aber nicht in Gefahr bringen. Also halten wir am Plan fest…Es bleibt noch die Frage, was ist die beste Taktik um unbemerkt oder für den Fall der Fälle ohne Schaden durchzukommen…? Viele Theorien kreisen hierzu rum… z.B. Motor und Echolot ausschalten, Beidrehen oder Segel runter nehmen und treiben lassen….. Beiboot hinterher ziehen, damit sie lieber damit „spielen“…. bei Annäherung ein in Diesel getränktes Handtuch hinterher ziehen… usw…

Wir glauben, dass sie primär Segelyachten angreifen, die unter Motor laufen…, einfach deshalb, weil diese weit zu hören sind und sie so eher anlocken… es gibt natürlich keine Sicherheit, wenn man auch unter Segeln zufällig in ihre Nähe gerät… dann wären sie genauso da, um mit ihrem gefährlichen „Spiel“ Schaden anzurichten… Wir wollen also primär segeln, was ja ohnehin besser ist… NUR, der Nordwind lässt weiter auf sich warten…. und die Thermik kommt immer erst am Nachmittag und hält auch nur bis abends… hmm…

Mittwoch, 15.09.21: Ab Nachmittag soll wieder leichter Nordwind kommen, der mit etwas Glück die Nacht durchsteht… Wir haben rund 60 Seemeilen vor uns, da wir mindestens um das Cabo de Sao Vicente rum müssen, bevor wir wieder einen geschützten Ankerplatz oder Hafen finden… also Nachtfahrt und dafür besser erst abends los, damit wir erst dann am Ziel ankommen, wenn es wieder hell wird… ok, also los…

Wir laufen um 17:30 Uhr aus… der Wind kommt raum (schräg von hinten) und soll später sogar auf achtern (ganz von hinten) drehen… also ist unser Parasail wieder die beste Wahl und eine halbe Stunde später steht es wieder…. Diesmal nicht ganz optimal, da der Wind schwach und die Welle schauklig ist … aber es geht so mit durchschnittlich 4 Knoten weiter südwärts… Wir gleiten mitten durch das Gebiet wo am Vortag noch Orcas waren. Bange Fragen kreisen im Kopf… sind sie noch da… werden sie uns bemerken… kommen wir da gut durch… was ist wenn sie auftauchen… wie wollen wir reagieren…??? Wir wollen jedenfalls bei einem Angriff das Parasail stehen lassen und nur den Autopiloten ausschalten… dann gibt’s zumindest keine Steuerungs-Geräusche am Heck… mal sehn was passiert und ob das gut geht…

Angespannt gleiten unsere Blicke über das leicht aufgewühlte Meer… die Sonne steht bereits tief und ihr gleißendes Licht glitzert auf dem Wasser… eigentlich eine sehr schöne Szenerie… aber diesmal genießen wir es nicht so wie sonst… Daa…., was war das…. etwas hat backbords kurz die Wasseroberfläche geritzt… ein Delfin… ein Hai… oder ein Orca…???… nur eine Rückenflosse kann sowas erzeugen… unsere Blicke suchen das Wasser ab…. nichts mehr zu sehen… doch dann !!!… drei Rückenflossen parallel.. auf und weg… und dann kommen sie mit halben Körper aus dem Wasser und blicken uns an, bevor sie elegant wieder abtauchen…. DELFINE !!!….. yuhuuuu… wo Delfine sind sollen keine Orcas sein…. und es werden immer mehr…. yeahhh…. Backbord… Steuerbord… am Bug… schnaufend hinterm Heck… auch weiter weg… ringsum sind plötzlich überall Delfine…. sie schwimmen scheinbar kreuz und quer…

Es sind die ganz großen Tümmler die bis zu 7 Meter lang werden können… aber auch ganz kleine sind dabei, also auch Jungtiere die von den Großen beschützt werden…. Wir glauben unseren Augen nicht trauen zu können… das müssen ja mehrere hundert Delfine sein… wir sind mittendrin und wir haben quasi einen riesigen Schutzwall gegen alle Feinde um uns rum… wow, unglaublich… In diesem Umfang haben wir sowas noch nie erlebt…. Und jetzt springen sie auch noch aus dem Wasser… drehen sich teilweise und klatschen mit dem Rücken wieder auf… auch sowas haben wir noch nicht live gesehen… ich denke spontan an Flipper… eine Kindersendung die ich früher sehr gern angesehen habe…. Das hier ist jetzt eine echte und ganz private Live-Show für uns und unsere LADY BLUE… herrlich…. und das Spiel geht so fast eine Stunde lang… bis die Sonne schon kurz vorm Untergang steht…. Dann kehrt Ruhe ein und wir sind völlig verzaubert…. wow… was für ein tolles Erlebnis…

Die Sonne geht unter und taucht den Horizont in gelbrotes Licht, das in einer breiten glitzernden Bahn bis zu uns reicht… die Straße in die Unendlichkeit…. 🙂

Mit zunehmender Dämmerung fängt auf der anderen Seite das Meer an zu glitzern … das kann nur der Mond sein, der für uns unbemerkt hinter der großen Parasail-Blase aufgegangen ist… und so ist es auch…. Wir haben fast Vollmond und eine helle Nacht… gespenstisch leuchtet er durch das große weiße Segel und weist uns den Weg… toll… 🙂

Es bleibt aber leider nicht so toll…. das wäre ja auch zu schön… der Wind schläft ein und wir müssen das Segel leider um 02:00 nachts bergen. Was nun?… da bleibt nur der Motor, den wir widerwillig starten um wieder auf Zielkurs zu kommen. Wir sind jetzt fast 40 Seemeilen weg von Sines und die Hoffnung ist groß, dass wir das Orca-Gebiet bereits verlassen haben.

Unbehelligt passieren wir um 05:45 Cabo de Sao Vicente und biegen quasi um die Ecke zur portugiesischen Südküste… der Algarve. Ganz langsam kommt die Morgendämmerung und im ersten Morgenlicht fällt um 06:50 unser Anker in der Enseada de Sagres auf 9 Meter Tiefe. Geschafft… yeahh… wir sind den Orcas entwischt… 🙂   Ab in die Koje, noch ne Runde schlafen und dann das herrliche Panorama der steilen Felsenküste vor dem schönen klaren Wasser genießen… 🙂

Einen Tag relaxen und dann segeln wir weiter Richtung Lagos, vorbei an einer tollen, wild zerklüfteten Küste, mit kleinen Sandstränden dazwischen und einzelnen hohen Felsspitzen davor…. lauter Postkartenmotive. Die Stadt Lagos soll sehr schön sein aber auch sehr touristisch. Wir wollen gerne ankern und nicht in die teure Marina, doch vor Lagos steht eine starke Wind-Düse… also segeln wir noch ein paar Meilen weiter Richtung Portimão und ankern dort im Arade-Fluss vor Ferragudo… einem kleinen Fischerdorf gegenüber von Portimão. Hier hat man zwar ein bisschen Schwell von den vorbeifahrenden Ausflugsbooten und Fischern, doch abends und nachts ist es schön ruhig und geschützt.

Blick von Ferragudo auf das Ankerfeld vor Portimao

Spannend und unbedingt zu beachten ist hier jedoch die Tiden-Strömung, mit der sich die Schiffe mitdrehen… Anker also gut einfahren, ausreichend Kette geben und genügend Abstand zu anderen Schiffen halten, insbesondere zu Yachten die an Bojen liegen, da diese einen kleineren Schwojkreis haben. Eine andere große Yacht, die das nicht bedacht hat, geht auf Drift und kracht auf den Bug unserer LADY BLUE… Das ist bei unserem Schiff die stärkste Stelle, wo auch noch unser Zweitanker vorsteht und so entstand bei uns zum Glück kein Schaden…

Portimão hat sehr gute Versorgungsmöglichkeiten und wir haben das Glück hier Alf und Susi von der SY SUSE kennenzulernen. Sie ankern neben uns, haben ein Auto hier und wir dürfen zum Einkaufen mitfahren. Toll, vielen Dank ihr beiden… Alf zeigt mir auch, wo wir neue Zündkerzen für unseren Außenborder bekommen. Unser Außenborder will trotz Reinigung von Vergaser und Zündkerzen nicht mehr richtig laufen… Mit den neuen Zündkerzen läuft er jetzt wieder super…. yeahh….

Vergaser-Reinigung vom Außenborder

Ferragudo muss man unbedingt näher ansehen… sehr schön und es gibt nur wenig Touristen… alles sehr entspannt und gute Restaurants… Aber auch hier gibt’s noch eine Besonderheit zu beachten… Wir machen abends mit unserem Beiboot an der Pier bei den Fischern fest. Das sieht noch prima aus… und genießen nach einem ausgiebigen Rundgang ein leckeres Dinner auf dem großen Dorfplatz mit mehreren Restaurants… auch prima… Zurück zum Pier… es ist schon dunkel… ohh, was ist das?… unser Beiboot liegt fast auf dem Trockenen und bewegt sich nicht mehr…. ahrrgh… es ist gerade Springtide und jetzt Ebbe… das haben wir nicht bedacht… doof… und nun, hmm… 3 Stunden warten oder ins Wasser steigen und das Beiboot freiziehen…. Na also dann lieber letzteres… und auch klar wer das machen muss…. 😉

Dienstag, 21.09.21… auf zur letzten Etappe um unsere Kinder und Enkel zu treffen… Wir fahren weiter nach Albufeira, dem nächsten Hafen und auch hier vorbei an einer sensationell schönen Steilküste, mit bizarren Felsen und dazwischen kleinen Sandstränden… sehr schön- Und wir haben schon wieder Glück mit den Delfinen… ich erschrecke sogar richtig, wie plötzlich neben dem Schiff einer auftaucht und kräftig auspustet…. haah…., wie lustig und schön…

In Albufeira bekommen wir den „angeblich“ letzten freien Platz (wir haben uns telefonisch angemeldet) und manövrieren, unter Winken eines Marinieros, vorsichtig in den sehr engen Gassen in unsere Box. Das ging besser als erwartet und jetzt freuen wir uns auf unseren Besuch…. 🙂

Kurs Süd… der Sonne hinterher…

Ein schöner Tag auf See… der Nordwind fehlt zwar weiterhin, doch die Thermik schenkt uns eine angenehm gleichmäßige Brise, die uns mit durchschnittlich 5-6 Knoten Speed nach Süden schiebt…

Die Mündung vom Ria de Aveiro kommt langsam in Sicht und das wird auch Zeit, denn wir wollen dort noch vor Einbruch der Dunkelheit für einen Zwischenstopp ankern. Und wir haben die Info, dass dort eine starke Strömung herrscht und es besser ist, mit einlaufender Tide anzukommen… das passt auch prima in unser Timing und wir schaffen es mit 2 Knoten Strom-Unterstützung bis zu unserem Ankerplatz vor Sao Jacinto. Der Anker fällt um 20:10 auf 5 Meter Tiefe… und kurz drauf wird es sehr schnell dunkel… eine ungewohnt kurze Dämmerung… hmm da sollten wir in Zukunft etwas mehr Puffer einplanen… so die Forderung der Bordfrau… machen wir…;-)

Ein sicherer Ankerplatz, aber wegen pendelnder Fischer und Fähren nicht besonders ruhig… doch für eine Nacht völlig ok. Am nächsten Tag ist ab 13:00 wieder Thermik angesagt… perfekt für den weiteren Kurs nach Süden… das wollen wir nutzen und gehen um 12:00 Uhr ankerauf…

Schnell kommen wir mit ablaufender Tide an den vielen kleinen Fischerbooten vorbei, die hier im Fluss zu Dutzenden angeln. Noch vor der Mündung, setzen wir das Groß und erreichen kurz drauf die offene See… Ein Blick aufs AIS zeigt von Norden kommend eine zweite Lady Blue… hej was für ein Zufall… wir haben schon von ihr gehört, aber uns noch nicht getroffen…Da hören wir den Funk-Ruf „Lady Blue… Lady Blue“ für „Lady Blue bitte kommen“… das ist ja lustig und bzgl. der gleichen Schiffsnamen eine absolute Seltenheit. Kurzer Infoaustausch über Funk und irgendwann werden wir uns auch persönlich treffen… 🙂

Erst nach 14:00 Uhr ist die Thermik endlich stark genug, um die große Genua zu setzen und der Motor hat Pause… Ruhe… herrlich… das Wasser gurgelt an der Bordwand entlang und wir machen gute Fahrt. Nur 35 Meilen sind es heute… ein Klacks… und so kommt ein paar Stunden später schon die nächste Flussmündung in Sicht… der Rio Mondego mit seinem bekannten Badeort Figueira da Foz. Über Funk haben wir keine klare Antwort bekommen, wo wir anlegen dürfen… fahren dennoch in den Hafen vor den Arrival-Pier, der mit einem tankenden Schiff besetzt ist und warten… dann endlich eine klare Info über Funk… wir können uns einen Platz am ersten Pier aussuchen… prima… kurz vor 17:00 Uhr liegen wir dort fest.

Uns gefällt der Ort sehr gut und die Liegekosten sind günstig. Das Beste hier ist für uns die riesige Markthalle direkt vor der Marina… insbesondere für Obst, Gemüse und frischen Fisch… Prima und ganz unser Ding… 🙂

Schön ist auch, dass an den nächsten Tagen vier weitere deutsche Schiffe ankommen… alle mit Kindern in unterschiedlichem Alter an Bord… ein Highlight für die Kinder… dabei ist auch die zweite Lady Blue, die wir nun endlich auch persönlich kennen lernen… gemeinsam haben wir einen lustigen Abend im Cockpit der Big Bubble… 🙂  …und wir finden es ganz toll wie diese Familien-Crews die Herausforderungen (teilweise mit Schulunterricht an Bord) bewältigen… super!!!

Das Wetter sitzt uns im Nacken… der Wind soll auf Süd drehen und dann für ein paar Tage so bleiben… das passt so gar nicht in unsere Planung, also nutzen wir am 04.09. die Möglichkeit noch vor dem Winddreher weiter nach Süden in Richtung Lissabon zu kommen… und das bedeutet für uns, Nazaré und Peniche auslassen und einen Nachtschlag mit rund 100 Meilen… machen wir… was soll’s… Hauptsache weiter „Kurs Süd“…

Leinen los um 12:45… und 40 Minuten später steht unser Parasail wieder und schiebt uns mit der inzwischen zuverlässigen Thermik vorbei an Nazarè in Richtung Peniche… Bis 19:30 sind rund 40 Meilen geschafft, doch dann schläft der Wind ein und der Motor muss wieder ran…

Nachts mit Motor… das ist in Küstennähe immer so eine ungewisse Sache, da es hier viele Fischernetzte, Reusen oder Ähnliches gibt, was man im Dunkeln nicht sieht und im Propeller einfangen kann… unsere Lady hat dafür zwar einen starken Leinenabschneider am Prob montiert, doch Probleme kann sowas trotzdem machen… also halten wir großen Abstand zur Küste…. und wir haben Glück…es läuft alles gut… eine klare Nacht die gar nicht so wirklich dunkel wird… der Mond zeigt sich zwar nicht, aber die Sterne leuchten auf uns herab… soweit also alles prima…

Um 05:00 Uhr runden wir Cabo Rosa und nähern uns von Westen Cascais… Es ist nicht mehr weit, doch jetzt wird es unerwartet spannend… Der leichte Schiebe-Wind hat auf Süd gedreht und es zieht langsam Nebel auf… immer dichter… hmm… gar nicht gut… das hatten wir nicht auf dem Schirm und wir sehen zunehmend immer weniger und dann gar nichts mehr… puhh…fühlt sich ganz doof an… Also Geschwindigkeit reduzieren, Bordfrau als zweiten Ausguck wecken und genau Radar und AIS beobachten… so schleichen wir eine halbe Stunde dahin… nur noch wenige Meilen bis Cascais und wir beschließen dort zu ankern. Vor Cascais gibt es eine schöne große Ankerbucht und bestimmt können wir uns da auch bei Nebel reintasten…

Mit zunehmender Nähe zum Land lichtet sich der Nebel etwas und auf der davorliegenden Reede schälen sich gespenstisch zwei große Rahsegler aus dem Nebel… (u.a. die „FRYDERYK CHOPIN“)… dahinter erkennen wir schemenhaft mehrere Schiffe vor Anker und nutzen den Moment, um in das überraschend dichte Ankerfeld einzutauchen und um 06:30 Uhr den Anker fallen zu lassen. Es wird langsam hell… wir sind froh und erleichtert hier zu sein, insbesondere weil sich der Nebel jetzt auch hier wieder so zuzieht, das wir auch die Nachbarschiffe plötzlich nicht mehr sehen. Yeahh… das ist also ganz gut für uns gelaufen… jetzt erst mal ab in die Koje und ausschlafen… 🙂

Um 11:00 ist immer noch dichter Nebel… doch ganz langsam fängt er an zu weichen und die Sonne bemüht sich kräftig, bis er sich dann mittags endlich auflöst und die Sicht auf die Küste und dass gesamte Ankerfeld freigibt. Sehr schön hier zu liegen… zumindest solange der Wind aus Süd nicht zunimmt. Ein uns bekanntes Schiff liegt auch hier… die Tosimotu, die jetzt ankerauf geht, um nach Lissabon zu fahren… kurze Begrüßung beim Vorbeifahren und dann tuckert sie davon… Wir wollen hier noch einen Tag bleiben und genießen den schönen Ankerplatz…

Montag, 06.09.21: Wieder gibt es Nebel… nicht so dicht wie am Vortag… wir warten bis 12:00 Uhr und holen dann den Anker hoch. Unser Ziel ist die Marina Oeiras, die nur 5 Meilen entfernt ist… ein kleiner Geheimtipp, doch man sollte vorher unbedingt einen Platz reservieren, da es ein sehr kleiner Hafen mit nur wenigen freien Plätzen ist. Das haben wir getan und bekommen einen schönen Platz am zweiten Steg…

Von hier aus ist es nicht weit nach Lissabon… 10-15 Minuten zu Fuß am Ufer des Rio Tejo entlang bis zur nächsten Bucht… vor dem Mc Donald die Unterführung unter der Straße durch und dann nach rechts zur Haltestelle „Santo Amaro“… ca. 20 Minuten Fahrtzeit bis zur Endstation… und wir steigen in der Nähe der Altstadt aus… Die Hauptstadt Portugals präsentiert sich hier mit einem großen eindrucksvollen Platz, dem „Praça do Comércio“, der sich zum Fluss hin öffnet… und in die andere Richtung in eine breite Fußgängerzone mündet…

viele Geschäfte und buntes Treiben. In einer der Querstraßen ist auch eine Haltestelle der alten Straßenbahn „Elétrico“ (Linie 28 ist besonders zu empfehlen)… aber sie ist rappelvoll… und so erkunden wir zu Fuß die Stadt… insbesondere die Altstadt mit ihren überwiegend gut erhaltenen alten Bauwerken, Kirchen und der Burg „Castelo de São Jorge“. Es gibt hier auch viele Tuktuks… fast so wie in Thailand… lustig… nur die Preise dafür sind etwas überzogen und die relativ kleinen Runden kann man auch gut zu Fuß machen…

Wir lassen uns treiben… das ist für Lissabon ohnehin die beste Strategie… und die Portugiesen sind sehr nett und hilfsbereit… erklären uns auch, wie wir am besten zum höchsten und für uns schönsten Aussichtspunkt von Lissabon kommen… dem „Miradouro Nossa Senhora do Monte“… die Aussicht ist der Hammer… über die Dächer der Stadt und die historischen Bauwerke hinweg… mit Blick auf den Fluss Tejo mit einer sehr imposanten Brücke, die Ponte 25 de Abril… ein 3,2 km langer Brückenzug, der Ähnlichkeiten mit der Golden Gate Bridge in San Francisco hat.

Wie im Flug vergeht der Tag und wir schlendern bergab über diverse Treppen, kleine und große Straßen, bis hin zum Stadtteil Bairro Alto, wo wir ein sehr schönes Straßen-Restaurant finden… nach einer leckeren Stärkung geht’s dann durch schön beleuchtete Straßen und Gassen zurück zum Bahnhof und nach Oeiras…. ein gelungener Ausflug, der bei uns einen tollen Eindruck hinterlassen hat.

Donnerstag, 09.09.21: Wir wollen weiter nach Süden und legen bereits um 09:00 ab. Im Hafen ist es ruhig… kaum Bewegung und wenig Wind… draußen ist noch für eine Stunde ablaufendes Wasser und der Plan ist, damit entspannt rauszufahren, bevor wir wieder auf Südkurs gehen… Wir schlängeln uns durch die enge Ausfahrt… die Strömung ist sofort gut sichtbar und wir biegen zügig in den Tejo-Strom ein… eieiei… 3 Knoten Strömung… stärker als erwartet… und was ist da voraus???… da kocht das Wasser… die Dünung prallt dort kräftig mit der Strömung zusammen…. das wird interessant… und verflixt ausgerechnet diesmal sind die Fender noch draußen und die Leinen nicht weggeräumt… das rächt sich nun… der kurze steile Seegang nimmt schlagartig deutlich zu… geradeso schaffe ich es noch die Fender zumindest innenbords zu holen und die Leinen zu sichern… und dann geht’s richtig ab…. Der Bug unserer Lady taucht massiv in eine Welle ein… und erste wirklich große Brecher geht voll übers Deck…. Kopf einziehen… wir werden voll überspült und das Wasser rauscht übers Deck. Zum Glück sind alle Luken zu, sonst hätten wir jetzt bestimmt ein paar hundert Liter Wasser im Schiff… jetzt sind wir auf Deck wieder voll eingesalzen… äähh das war nicht so toll… Handsteuerung… aufpassen was noch so anrollt und raus aus der Fahrrinne…. übers Flach nach Süden hinweg und dann nimmt der Spuk langsam ab. Als wir die 20-Meterlinie erreichen ist es wieder ruhig und friedlich… tja so schnell kann‘s gehen mit Tide/Strom gegen Welle/Dünung. Doch unsere Lady ist ein richtiges Seeschiff und kann das schon ab. Nun aber hoch mit dem Parasail, das inzwischen unser Lieblingssegel ist… und weiter Kurs Süd…

12:30… wir passieren gerade das Kap „Cabo Espichel“ als uns ein anderes Schiff auf Funk anruft. Eine Warnung für uns !!!  …genau auf unserem Kurs in Richtung Sines gab es gestern zwei Orca-Angriffe auf Segelyachten… uuhh… sie sind jetzt also in der Nähe… kein gutes Gefühl. Wir entscheiden uns weiter zu segeln… die meisten Angriffe gab es bisher auf Segelyachten die unter Motor fuhren… vielleicht hören sie uns unter Segeln nicht… falls doch, so dürfte unsere Lady mit ihrem Langkiel und gut geschützten Ruder einem Angriff sicher standhalten… ein blödes Gefühl bleibt aber trotzdem… und wir halten scharf Ausschau… ob evtl. eine lange Rückenflosse eines Schwertwals auftaucht…

Da genau voraus… was ist da auf dem Wasser???… Vögel/Möwen???… es sind Basstölpel… ein großer Schwarm… Wir haben gehört, wo Basstölpel sind, sind sehr wahrscheinlich auch Delfine und wo Delfine sind, sind keine Orcas… sehr beruhigend… Der Wind nimmt auf über 14 Knoten zu und unsere Lady fliegt mit dem riesen Parasail mit 7-8 Knoten übers Wasser. Im Spaß denken wir dabei… wenn uns jetzt Orcas sehen, dann denken sie bestimmt, wir sind auf der Flucht… und dann brauchen sie uns ja auch nicht mehr angreifen… ha… aber bisher weiß noch niemand wie diese tonnenschweren Tiere wirklich wirklich ticken… vielleicht wollen sie ja auch nur spielen…

Wir haben Glück… alles läuft prima und wir bergen kurz vor der Hafeneinfahrt von Sines unseren Parasail und gehen vor der Marina vor Anker. Prima, das wäre geschafft. Von der Amazone, die im Hafen liegt, erfahren wir, dass heute etwas weiter südlich 2 weitere Orca-Angriffe stattfanden… oh wie crazy… auf sowas musste man früher nicht auch noch achten… das ist echt doof und wir hoffen das die Orca’s so wie im letzten Jahr bald nach Norden ziehen… dann wäre das südliche Revier, wo wir hinwollen, wieder safe… wir werden sehen…

Die Orca-Angriffe (zumindest die offiziell gemeldeten Fälle) sind über folgenden Link zu sehen: https://www.orcaiberica.org/last-interactions 

Baioña und ab nach Portugal…

Die beiden Marinas von Baioña (Porto Deportivo und Monte-Real-Club) sind bekannt für teure Hafenplätze… aber auch für guten Service und große Hilfsbereitschaft… Wer unabhängig von Strom und Wasser ist, kann jedoch prima geschützt und kostenlos vor Baioña ankern und problemlos mit dem Dingi im Hafen anlanden.

Von unserem Ankerplatz aus ist die Marina Deportiva am nächsten gelegen und wir beschließen dort auch gleich vollzutanken. Der Diesel ist hier reiner Marinediesel (ohne Bio-Zusatz) und kostet derzeit 1,373 € pro Liter… das sind rund 30 Cent pro Liter weniger als in Portugal (das soll an den dort deutlich höheren Steuern liegen)… bei unserem großen Tank (1.000 Liter) lohnt es sich also für uns hier vor dem Törn nach Portugal noch vollzutanken, auch wenn er noch halbvoll ist…

Und wir fragen bei der Gelegenheit auch gleich nach einem Segelmacher, der einen defekten Reißverschluss unseres Bimini’s austauschen kann. Der Hafenmeister vom Porto Deportivo spricht sehr gut Englisch und sagt spontan zu uns einen Segelmacher aus Vigo zu vermitteln. Konkret ist das Angebot, das Bimini am Montag früh abzuholen und spätestens am Dienstag früh wieder repariert zurückzubringen. Klingt verlockend und wir lassen uns darauf ein… Ergebnis nach 3 Tagen und mehrfachem Nachfragen… er kann es nicht reparieren, da er keinen passenden Reißverschluss hat… (und eine fragwürdige Alternative zum YKK-Standard wollten wir nicht)…Tja, den Aufwand hätten wir uns also sparen können… und haben wieder was dazugelernt (Aufträge nur noch mit direkter und persönlicher Absprache…).

Die Zeit haben wir dennoch gut genutzt um den Ort besser zu erkunden… insbesondere sehr zu empfehlen ist eine Wanderung zur Burganlage „Castelo de Monte Real“ die heute als elegantes Parador-Hotel genutzt wird, bzw. dafür wieder aufgebaut wurde… Der schöne umlaufende Weg entlang der Küste hat einen tollen Weitblick über’s Meer und die Bucht… bis zu den vorgelagerten Inseln des Naturschutzgebietes… u.a. der Insel Cies…

Neben der davor liegenden Marina vom Monte Real Club liegt der Nachbau der legendären „Pinta“, einer spanischen Karavelle die unter dem Kommando von Martín Alonso Pinzón zusammen mit der „Niña“ und der „Santa Maria“ von Christopher Columbus 1492 „Amerika – Die Neue Welt“ entdeckte und im Februar 1493 hier als erstes der drei Schiffe wieder nach Spanien zurückfand und die neue Botschaft verkündete. Baiona war damals schon einer der größten und wichtigsten Häfen Galiciens und die neue Kunde machte es damals berühmt.

Auch das leckere Essen bei den diversen kleinen Restaurants in den verwinkelten schmalen Gassen ist ein tolles Erlebnis für Gaumen und Augen…

Auch mehrere gute sortierte Supermärkte gibt es, die ab 50,- € kostenlos bis an den Steg liefern… Wenn man es selbst mitnimmt packen die Kassiererinnen die Waren auch selbst ruckzuck in Taschen… ein super Service, den man aus Deutschland so nicht kennt… In den beiden großen Supermärkten „Eroski“ und “Carrefour“ gibt es auch große Fischtheken, wo es zu sehr günstigen Preisen frischen Fisch gibt, der nach der Auswahl vor unseren Augen geschuppt, ausgenommen und verpackt wird. Das gibt anschließend jeweils ein Festessen und so könnte man es hier auch noch länger aushalten…

Doch wir haben letztlich ein anderes und unerwartetes Problem… der Wind will für unsere weitere Reiseroute nicht mehr so recht passen… konkret hat sich der zu dieser Jahreszeit deutlich vorherrschende „Nordwind“ (Nortada) überraschend verabschiedet und soll auch für die nächsten 10 Tage nicht wiederkommen… hmm… solange wollen wir hier nicht bleiben und suchen nach einer passenden Möglichkeit… evtl. auch einem Mix aus segeln und motoren…

Die Möglichkeit kommt… mit der Aussicht auf ca. 8-10 Knoten Wind von achtern und der Hoffnung das Thermik noch mithilft… evtl. können wir unser Parasail zum Einsatz bringen… das wäre super…

Freitag, 27.08.21 / 07:00 Uhr: Es ist noch dunkel… leichter Dunst hängt über der Bucht… der Horizont liegt leicht im Nebel… ringsum viele kleine Lichter von der fast umlaufenden Küste und diverse Leuchtfeuer blinken, blitzen und funkeln… ein inzwischen vertrauter und schöner Anblick…

Wir frühstücken gemütlich und machen uns startklar… langsam wird es hell, die Sicht besser und wir gehen Anker auf… mit uns noch ein paar andere Schiffe, u.a. auch die uns inzwischen bekannten deutschen Schiffe „Maupiti“ und „Sutje“… wir haben das gleiche Ziel… Kurs Süd und heute mindestens bis „Póvoa de Varzim“… einer kleinen portugiesische Hafenstadt nördlich von Porto.

Wir runden das vorgelagerte Kap und gehen auf Südkurs… der Wind pendelt zwischen 4 und 7 Knoten aus raumer Richtung … nichts Konstantes um Segel zu setzten… immerhin leichter Schiebewind und motoren… Nach ein paar Stunden endlich etwas mehr… wir machen unser Parasail klar… doch es kommt nicht zum Setzen… kurz davor lässt der Wind wieder nach und dreht nach Steuerbord auf fast halben Wind…. naja, immerhin eine Möglichkeit unsere große Genua als Unterstützung zu setzen… das klappt ganz gut… aber es ist mehr motorsegeln als segeln… immerhin besser als nix oder von ganz falscher Richtung…

Mittags überschreiten wir die seeseitige Grenze zwischen Spanien und Portugal…. und haben hier die erste Zeitumstellung unserer Reise… eine Stunde zurück… also UTC+1… :-)… und die Gastlandflagge wird natürlich auch sofort gewechselt… ein neues Land, ein neues Glück… oder so ähnlich… fühlt sich gut an… 🙂

Es bleibt beim Motorsegeln… und wir erreichen um 16:20 die Hafeneinfahrt von Póvoa de Varzim. Kurze Anmeldung über CH09 und wir erhalten als Info das es noch genug freie Plätze gibt. Um 16:40 machen wir an einem der Fingerstege des ersten Schwimmpontons fest. Wenige Minuten vorher haben hier auch schon die Maupiti und die Sutje festgemacht und empfangen uns winkend… 🙂

Hier im Hafen steht nun endlich ein ausführlichen Riggcheck an, der schon überfällig war… der Spiblock-Schäkel am Masttop hatte sich gelockert !!!… wird nun wieder festgezogen und zusätzlich mit zwei Kabelbindern gesichert (wie auch alle anderen Schäkel… gut von unten sichtbar, am nicht abgeschnittenen Ende)… das hat sich also mehr als gelohnt… und von hier oben gibt’s noch einen schönen Rundumblick gratis dazu…

Die Stadt war früher ein sehr bedeutendes Fischerdorf, das sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem bekannten Badeort mit großem Spielcasino gewandelt hat. Fischerei und Fremdenverkehr bestimmen auch heute noch die Szene… allerdings ist an vielen Häusern deutlicher Verfall und Renovierungsrücktand sichtbar… doch es wird auch viel gebaut und renoviert… Der Hafen ist zumindest relativ ruhig und der Hafenmeister sehr hilfsbereit und freundlich.

Wir nutzen die Nähe zu Porto und können von hier aus bequem mit der Metro in 50 Minuten nach Porto fahren… steigen mitten in der Stadt, an der Haltestelle Trinidade aus und von da geht es zu Fuß immer leicht abwärts zum Fluss Douro. Die Stadt ist ein bunter Traum… und sollte auf keinen Fall verpasst werden… sehr schön und anders als die bisherigen Orte… kleine verwinkelte Gassen wechseln sich mit großen Straßen ab… hier fahren Hopp on Hopp off Busse und Straßenbahnen (u.a. auch eine Oldtimer-Straßenbahn) und es ist ziemlich viel los… eben ein absoluter Touristen-Magnet… kein Wunder…

Wir schlängeln uns durch die vielen kleinen kopfsteingepfasterten Straßen und Gassen, lassen uns treiben und futtern bei einem kleinen Restaurant die hier so typischen Francesinha (Toastbrot mit Kochschinken, Chourico-Wurst und Beefsteak, das mit geschmolzenem Käse, sowie einer heißer dickflüssigen Sauce aus Tomaten, Bier und Senf übergossen)… ungewohnt, aber sehr lecker… 🙂

Riesige monumentale Bauten, prächtige Brücken und natürlich auch der hier hergestellte Portwein locken viele Touristen in diese geschichtsträchtige Stadt. Alles sehr sehenswert und genug zu sehen, um einen tollen 3-Tages-Tripp hier zu verbringen. Das mittelalterlichen Viertel Ribeira am Flussufer fanden wir besonders schön…

Von hier geht es über eine Brücke auf die andere Flussseite des Douro…. und gefühlt ist hier die absolute Touristenmeile, da es hier einen Portweinkeller nach dem anderen gibt… Alle bekannten Marken… wir machen natürlich auch eine Portweinprobe mit und sind begeistert… sehr lecker und wirkungsvoll… 🙂 Anschließend noch was Leckers essen und dann geht’s bestens gelaunt auf den Rückweg… Dafür laufen wir nicht mehr den ganzen Berg hoch, sondern können eine andere Metro nutzen, mit Umstieg in Trinidade und von da zurück zum Schiff…

ein sehr lohnender Ausflug, den man gerne wiederholen könnte… doch wir wollen lieber weiter in den Süden…

Verschiedene Wetterberichte und alle sagen weiterhin nur sehr wenig Wind an… hmm… aber zumindest aus der richtigen Richtung… und Dienstag der 31.08.21 scheint für mehrere Tage noch die beste Option zu sein… also aufauf… weiter Kurs Süd… und wir werden mit herrlichem raumen Segel-Wetter bei wenig Welle belohnt… Endlich können wir unseren 168 m² großen Parasail setzen und dann rauscht es nur noch so dahin… viel besser als erwartet…. bei 7-10 Knoten Wind machen wir 5-7 Knoten Speed…traumhaft, wir sind begeistert…:-)

Und dann wird unsere LADY BLUE unverhofft noch ein kleines Rettungsschiff. Auf unserem Achterdeck landet plötzlich eine kleine junge Möwe… völlig erschöpft, mit einer Bauchlandung… sie rappelt sich wieder auf und steht da erstmal 10 Minuten, bis die ersten Schritte wieder gelingen… Ein paar Brotkrümel und etwas Wasser rührt sie nicht an, marschiert aber nach 30 Minuten schon wieder deutlich erholt übers Achterdeck… hinterlässt 4 kleine Häufchen und setzt nach einer knappen Stunde ihren Flug wieder fort… mit einer Ehrenrunde um ihr Rettungsschiff… eine schöne Abwechslung auf See…

Galizien und seine Rias…

Die Region Galicien im Nordwesten von Spanien ist ein sehr abwechslungsreiches Revier… wilde Steilküsten, einsame Buchten, schöne Strände und viele Flüsse, die vom bergigen Innenland bis zur Küste die typischen „Rias“ bilden, an denen malerische Fischerdörfer liegen…

Man bräuchte wahrscheinlich ein paar Monate, um alles richtig kennen zu lernen… doch lieber einige Orte intensiver… dafür weniger Orte… so zumindest unsere Einstellung… also liegen wir immer noch in der Ria de Muros, vor dem Dorf Muros vor Anker… einer der Orte in Galizien, wo man auch gut überwintern kann… ein idyllischer Ort, geschützter Ankerplatz… und auch Delfine kommen uns ab und zu besuchen… wie schön…da kann man es gut aushalten…

Samstag, 14.08.21: Der Wind dreht von N auf NE und frischt auf über 20 Knoten auf… in der Bucht entsteht zunehmend ziemlich kabbeliges Wasser… die Ruhe ist fast vorbei… eigentlich kein Problem, der Anker hält gut und der Wind soll ab 20:00 wieder nachlassen… also wagen wir uns trotzdem noch mal an Land zum Bummeln und Tapas essen… kulinarisch einer der bisherigen Höhepunkte…

Um 21:00 Uhr wollen wir entspannt und rechtzeitig vor Sonnenuntergang wieder zurück und legen mit unserem Beiboot im geschützten Fischerhafen ab… Der Wind hat entgegen der Vorhersage aber nicht nachgelassen… ganz im Gegenteil… Wir tuckern um die schützende Mole und uns kommt eine kurze steile 0,5 Meter Welle entgegen… damit haben wir nicht gerechnet… für unser kleines Beiboot ist das ziemlich viel… Mist… doch was nutzt es jetzt… da müssen wir nun durch… also vorsichtig Gas geben und die angemessene Geschwindigkeit für diese Bedingungen finden… Die Wellen kommen schräg von vorn und jede zweite Welle klatscht über die Schlauchbootwülste und teilweise bis über unser Köpfe hinweg… nicht wirklich schön und von der Bordfrau wird das tapfer mit leisem Stöhnen quittiert… nutzt trotzdem nix… da müssen wir durch, also weiter… und so kommen wir klatschnass beim Schiff an… uahh…ächz… erstmal festmachen, hoch ins Cockpit, die nassen Klamotten ausziehen, duschen, was trockenes anziehen, dann einen großen Schluck aus der Rumbuddel…. ahhh… schon geht’s viel besser…  nun noch das Beiboot hochziehen… fertig… was für eine Action…

Alle anderen Yachten haben sich ans Nordende der Bucht verholt, wo es scheinbar ruhiger ist, nur unsere LADY BLUE trotzt mitten in der Bucht dieser Wetterlaune… Sollen wir jetzt auch noch verholen… grübelgrübel… doch jetzt wo wir fertig sind, lässt der Wind endlich nach und es wird wieder ruhiger in der Bucht… zwei Stunden zu spät, doch was soll’s… jetzt haben wir zumindest den Aufwand mit dem Ankerplatzwechsel nicht mehr…. Also bleiben wir und genießen den ruhiger werdenden Abend. Die Sonne geht hier erst 45 Minuten später unter als in Hamburg… und 1:45 Stunden später auf… ein ganz ordentlicher Unterschied…

Der nächste Tag beginnt fast windstill und wir beschließen spontan einen kleinen Arbeitstag einzulegen… wir wollen endlich unsere Sonnenschutzfolien auf unseren Decksluken aufbringen. Macht ja auch Sinn, wenn es bald immer wärmer werden soll… Das Ergebnis ist sensationell… die Wirkung der Sonneneinstrahlung wird gefühlt um mehr als die Hälfte reduziert… das hat sich also richtig gelohnt… yeahh… 🙂

Montag, 16.08.21: Jetzt geht’s weiter… wir beschließen die nächste Ria (Ria de Arousa) zu überspringen… die vielen dort vorgelagerten Untiefen bedeuten einen Umweg, wofür der Wind ungünstig steht… also gleich die Ria de Pontevedra ansteuern… Die Bilder aus unserem Imray-Revierführer (Atlantik Spain and Portugal) sind vielversprechend… doch Bilder und Realität passen manchmal nicht überein…

Wir biegen um das letzte Kap der Ria und blicken in die sehr schöne Bucht von Punta Seame… allerdings ziemlich voll… doch wir wollen ja eh zur nächsten großen Sandbucht von Sanxenxo, wo auch schon ein bekanntes Schiff, die Tosimotu liegt… Wir nähern uns und schauen irritiert in die Bucht… ohh… da ist sehr viel los… die totale Ballermann-Location… laute Musik… Jetskis brausen dröhnend hin und her… nein, das geht ja gar nicht… zumindest nicht für uns… also 180 Grad kehrt und zurück zur ersten Bucht. Wir ankern ziemlich weit außen auf 11 Meter Tiefe und hier geht’s einigermaßen. Eigentlich liegen wir hier von Wind und Welle ganz gut geschützt…. aber die Dünung die in die Ria steht wird vom gegenüber liegenden Ufer reflektiert und schwappt seitlich in die Bucht… nicht stark aber es reicht für eine schauklige Nacht…. naja….

Das war also keine gute Wahl, deshalb beschließen wir am nächsten Morgen gleich weiter zu gehen… zur nächsten Ria, der Ria de Vigo welche die südlichste Ria ist… Dort steuern wir die Ensenada da Barra an….. und…. es ist ein Volltreffer…. die Bucht ist ein Traum… feinster Sandstrand und bester Sand-Ankergrund… keine Bebauung, kein Ballermann, keine Jetskis…. nur Natur pur… wir sind begeistert… yeahh…

Jetzt am besten gleich eine Runde schwimmen… wir sind ja schließlich wieder ein Stück südlicher gekommen und das Wasser ist bestimmt herrlich… mehr zufällig sehe ich aber vorher noch auf das Wasserthermomete rund traue meinen Augen nicht…. waas???… das kann doch nicht sein…. nur 16 Grad… ohh… das sind ja 5 Grad weniger als in Muros… brrr… das ist uns dann doch zu kalt… schade… aber schön ist es hier trotzdem…

Unser Beiboot ist schnell klar gemacht… Außenborder dran… und erstmals klinken wir auch unsere Slipräder an, um beim Beachen am Strand das Beiboot leichter den Strand hochzuziehen. Das wird jetzt eine Premiere und wir sind gespannt. Das Ufer nähert sich… ein skeptischer Blick trifft mich von der Seite… wird das klappen…. jaa tut es… wir landen easy mit hochgeklappten Außenborder und runtergeklappten Rädern…. ziehen/rollen das Beiboot ein paar Meter den Strand hoch und freuen uns, dass es mit den Rädern so gut klappt. Der Tidenunterschied ist hier noch 3 Meter und wenn das Beiboot nicht weit genug vom Wasser weg ist, kann es sein, das es beim Zurückkommen bereits schwimmt, bzw. weggeschwommen ist…. das können wir so prima verhindern…

Hier gibt es einen sehr schönen Wanderweg, mit ca. 1,5 Km Länge zu einer am Kap vorgelagerten kleinen Sandbucht mit einem kleinen Imbiss. Der Weg geht durch duftende Pinien- und Eukalyptus-Wälder, was mal eine sehr entspannte Abwechslung ist. Von weiter oben haben wir einen prima Ausblick auf die Ankerbucht… und beim Imbiss in der Nachbarbucht gibt es ein paar leckere Tapas und ein kühles Bierchen… Entspannt und beschwingt geht’s zurück zu unserer Bucht… ein sehr gelungener Ausflug.

Der Strand wird hier primär von Nudisten bevölkert… sehr lustig dabei ist, dass ein Großteil mit strammen Schritten den Strand auf und ab läuft… richtig sportlich… na ja zum Schwimmen trauen sich bei den Temperaturen ja auch nur wenige Mutige ins Wasser…

Nach und nach kommen mehrere deutsche Yachten an, u.a. auch die Colette, die mit uns in Lübeck im gleichen Hafen lag und 3 Wochen früher gestartet ist. Wir sagten damals noch, das wir uns sicher irgendwann, irgendwo treffen werden… und jetzt ist es soweit… sehr schön… wir freuen uns und darauf wird auch gleich im Cockpit mit ein paar Bierchen angestoßen und im regen Gespräch ausgetauscht, was jeder bisher schon so erlebt hat… immer wieder sehr interessant…

Freitag, 20.08.21: Am Morgen liegt dichter Nebel über der Bucht… der Wind hat gedreht und kommt nun aus südlicher Richtung über Land als warmer feuchter Wind, der auf dem kalten Wasser kondensiert… der erste Nebel den wir hier haben… doch am späten Vormittag mit zunehmender Sonne lichtet sich der Nebel wieder und wir gehen Anker auf… Kurs auf Baiona… einer der schönsten Städte Galiziens… wir sind gespannt.

Es sind nur 9 Sm und wir tuckern bei wenig Wind gemütlich nach Süden… vorbei an den vorgelagerten Untiefen und der großen Burganlage von Baiona und schon nach knapp 2 Stunden fällt der Anker wieder, direkt vor der langgezogenen Bucht von Baiona… und neben der Marina Deportiva Baiona. Eine prima Ausgangslage, um schnell mit dem Dingi an Land zu kommen. Gesagt, getan… und ruckzuck sitzen wir im Dingi und sausen an Land. Der erste Eindruck von Baiona ist, dass die halbe Stadt eine Fressmeile sein muss… ein Lokal nach dem anderen, enge verwinkelte Gassen… irgendwie ein Mix von Coruña und Muros… mit sehr viel Flair und freundlichen Menschen… hier wollen wir ein paar Tage bleiben… das gefällt uns… 🙂

Tipp zur Anmeldung für die Nationalpark-Inseln:
Der Nationalpark Islas Atlánticas de Galicia (in galicischer Sprache Parque Nacional das Illas Atlánticas de Galicia = „Atlantikinseln Galiciens“).
Man benötigt als erstes die allgemeine Verkehrs- und Durchfahrtserlaubnis (kann man online selbst beantragen oder den Service vieler Marinas dafür nutzen… wir hatten das über die Marina in A Coruña gemacht). Wenn man die Erlaubnis dann per Mail bekommen hat (das kann in der Hochsaison mehrere Tage dauern), dann kann man sich konkret für bestimmte Termine online einbuchen (gültig für bis zu 3 Tage).
– Internet-Seite: https://www.iatlanticas.es/
– Mailadresse: fondeos.iatlanticas@xunta.gal

Wir hatten letztlich auf einen Besuch verzichtet, da die Besuchstermine ziemlich ausgebucht waren und weil wir davon hörten, dass dorthin viele Touristenfähren pendeln und deutlich Schwell in der Ankerbucht verursachen. Außerdem gibt es ja auch noch genug andere schöne Plätze in Galizien ohne Formalitäten. 🙂

Kap Finisterre und die Todesküste…

A Coruña ist ein sehr schöner Ort, wenn man es etwas quirliger haben möchte…  gute Versorgungsmöglichkeiten, leckeres Essen, Shopping…  und an den Wochenenden sogar Open-Air-Rockfestivals… fast wie in alten Zeiten… die überall konsequent getragenen Masken zeigen jedoch den aktuellen Unterschied… Zu empfehlen ist die City Marina (Real Club Nautico), da man von dort die „heiße Meile“ sehr nah hat. Dennoch, nach ein paar Tagen reicht es langsam und wir wollen weiter und irgendwo schön ankern…

Montag, 09.08.21: Noch mal zum Supermarkt und dann ist es schon 14:30 als wir den Hafen verlassen… allerdings haben wir es nicht weit… nur 3 Sm schräg gegenüber in eine schöne und geschützte Ankerbucht. Unser Anker fällt auf 10 Meter Tiefe vor einer überwiegend felsigen Küsten mit Sandstrand. Zurück in der Natur… ein leichter Wind zieht übers Deck, ein Bierchen in der Hand und der Blick schweift über die Ufer und die anderen Schiffe. Eigentlich ganz schön… doch hier gibt es mehrere Ferienanlagen und daher auch viele dröhnenden Jetskis und natürlich auch diversen Motorbootverkehr von A Coruña… Naja… doch nicht ganz Natur… aber für einen Tagesstop mit einer Übernachtung ganz ok.

Der nächste Tag… es gibt weiterhin nur sehr wenig Wind zum Segeln… hier bleiben möchten wir aber auch nicht…. also unter Motor los, in der Hoffnung das noch Wind zum Segeln kommt. Am Ender der großen Bucht von A Coruña steht gut sichtbar und sehr beeindruckend das Wahrzeichen der Stadt. Der Herkulesturm. Ein römischer Leuchtturm aus dem 2. Jahrhundert… er ist noch im Betrieb und gilt daher als das ältestes aktive Sichtzeichen der Seeschiffahrt.

Kurs West liegt an und es geht an einer bizarr schönen Küste entlang… Doch so schön die Küste auch ist, sie trägt einen schaurigen Namen… „Costa de la Muerte“… die Todesküste !!! Zahlreiche Schiffe strandeten oder zerschellten hier schon an den steilen Felsen, diversen Untiefen und scharfen Klippen und viele Seeleute verloren dabei ihr Leben… die Vorstellung ist gruselig und passt heute gar nicht zu dem sanften und schönen Wetter, das wir hier haben… aber besser so als anders…

Der Wind lässt uns ziemlich im Stich (wie angesagt) und kommt erst, als wir schon fast an unserem Tagesziel sind… die geschützte Bucht von Camariñas. Sehr schön und ruhig. Unser Anker fällt bei 6,5 Meter Tiefe… das ist knapp wie sich noch zeigen wird…

Nur wenige Segelyachten liegen neben uns und wir genießen einen herrlichen Abend vor Anker… lecker Essen… lecker Wein… keine Wellen… wenig Wind… es wird eine sehr ruhige Nacht… 🙂

Länger bleiben wollen wir auch hier nicht, da ein Generator an Land doch ein wenig stört… und außerdem ist guter Wind aus der richtigen Richtung angesagt, um das berüchtigte Kap Finisterre zu runden… eine Wetterscheide mit oft rauher See, die wir auch gerne hinter uns lassen wollen… also auf auf und Anker klar machen… Es ist jetzt Ebbe und der Tiefenmesser zeigt nur noch 3 Meter… uups… das ist nicht mehr viel Wasser unter Kiel… so knapp wollen wir das künftig nicht mehr machen…

Die Ankerkette kommt langsam hoch und ist voller Seetang… also immer wieder mit dem Bootshaken abstreifen, was sich eine Weile hinzieht… dann macht es pffthh… pffthh… ich drehe mich herum und da sind doch tatsächlich 2 große Delfine neben unserem Schiff und sehen mir bei der Arbeit zu… unglaublich… sie schwimmen langsam weiter und ich sehe mindestens noch ein halbes Duzend weiterer Delfine… hier am Ankerplatz tief in der Bucht hätte ich das nicht erwartet, doch wie schön… Jetzt also schnell Anker hoch und hinterher… 😉

Am Ausgang der Bucht passieren wir das reizvolle Städtchen Muxía mit der Wallfahrtskirche „Santuario da Virxe da Barca“. 2002 war diese Gegend durch den Untergang des Öltankers Prestige sehr stark betroffen… eine Mega-Umweltkatastrophe… doch davon ist zum Glück nichts mehr zu sehen.

Der angesagte Wind kommt aus ca. 150-160 Grad und so ziehen wir nur die große Genua raus und lassen uns bei rund 20 Knoten Wind ziehen… das ist es… „easy sailing“…. es läuft und rauscht einfach so dahin und auch die 1,5 Meter hohe Wellen sind sehr lang und daher kaum spürbar…

Die Küste zieht an uns vorbei und Kap Finisterre nähert sich… Für viele Jakobspilger gilt das Kap als das Ende des Jakobswegs und früher galt es auch als das Ende der Welt (lateinisch „finis terrae“ = übersetzt Ende der Erde). Wir runden es mit Respekt und in guter Sichtweite… besser könnte es gar nicht laufen, denn von dieser Ecke haben wir schon andere Geschichten gehört, wo es bzgl. Wind und Welle wesentlich unangenehmer war… Neptun ist also mit uns… wie schön… 🙂

Weiter geht es mit südöstlichem Kurs in Richtung der ersten großen galizischen Ria, der Ria de Muros. Nach dem Runden von Pta. Carreiro, mit ein paar gefährlich vorgelagerten Untiefen, erreichen wir den ausgesuchten Ankerplatz, die Ensenada de San Francisco… lustig… wir gehen also vor San Francisco vor Anker… 🙂

Neben uns liegt bereits die Tosimotu vor Anker…. wir hatten schon Kontakt, uns jedoch noch nie persönlich getroffen… das wird jetzt nachgeholt… Susi und Thomas paddeln auf Ihrem Standupboard heran und es gibt eine feuchtfröhliche Begrüßung… sehr schön… 🙂

Die Bucht liegt gut geschützt und lädt zum Baden ein… immerhin 20° Wassertemperatur, was beim offenen Atlantik schon ganz ok ist… noch wärmer wäre natürlich besser, doch das kommt noch… 🙂

Zum Anlanden mit dem Dingi ist es hier nicht so toll (außer beachen)… und so verholen wir uns zwei Tage später in die nächste Bucht und ankern in gutem Abstand zur Marina Muros. Der kleine Ort Muros ist mit einem Wort gesagt… „bezaubernd“… uralte kleine Häuser und schmale Gassen, verwinkelt und urig… noch sehr viel ursprünglicher als A Coruña… die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein. Und natürlich gibt’s viele leckere Tapas-Restaurants…. ein absolutes Muss… und wir schlagen kräftig zu … sehr lecker. 🙂

Die Bucht ist ein schöner und ruhiger Ankerplatz, allerdings sollte man nicht zu nah am Ufer ankern, da dort oft Taucher aktiv sind (sh. blauweiße Fähnchen). Wer in die Marina will, bekommt laut Freunden besten Service von den beiden deutsch sprechenden Hafenmeistern Klaus und Pedro. Wir bleiben aber lieber am Ankerplatz und verlängern noch einen Tag… relaxen ist angesagt… 🙂

Viva España… olé olé…

Zwei Tage vor der Abfahrt… wir sitzen entspannt im Cockpit bei Kaffee und Keksen und genießen den Ausblick. Sehen zu den anderen ankernden Schiffen und bemerken ein rotes Schlauchboot mit drei dunklen Gestalten, das langsam zwischen den Schiffen rumfährt… komisch… nun nimmt es Kurs auf uns und nähert sich langsam… hmm was können die wollen? Sie kommen tatsächlich längsseits und wir haben drei offizielle Beamte des französischen Zolls vor uns. Aha… darum geht’s also… sie bitten an Bord kommen zu dürfen und selbstverständlich gewähren wir… Im Cockpit nehmen alle Platz und der Chief erklärt uns freundlich worum es geht… reine Routinekontrolle, die sie bei ausländischen Schiffen machen. Ok, also die üblichen Standardfragen…. woher, wohin, gibt’s was zu verzollen, Waffen Bord, etc… und auch innen eine Besichtigung aller Kabinen und zumindest ein Blick in zwei Schapps. Alles sehr höflich und begleitet von erstaunlich vielen Detailfragen zum Schiff und wie wir es zu zweit handeln… Wir werden auch vor dem für heute Abend aufziehenden Sturmtief gewarnt und bekommen ein offizielles Protokoll, dass wir „clean“ sind. Fotos dürfen wir von den Beamten keine machen, nur bei Abfahrt wenn ihre Gesichter nicht erkennbar sind… Sie verabschieden sich freundlich und fahren zurück zu ihrem großen Marine-Schiff, das in der Bucht vor Anker liegt. Interessantes Erlebnis…

Samstag, .31.07.21: Ab 13:00 sagt unser Wetterbericht das für uns passende Wetterfenster voraus… doch ein paar andere Schiffe verlassen schon ein paar Stunden früher den Hafen oder den Ankerplatz und nehmen Kurs auf die Biskaya… hmm… sollen wir auch schon früher… der Herdentrieb ruft…

Also 11:30 Uhr Anker auf… ein bisschen Puffer schadet ja nicht… Kette und Anker kommen erstaunlich sauber hoch… kein Wunder bei dem tollen Sandgrund. Wir fahren um die Nordspitze der Halbinsel und setzen das Groß…. Der Wind fällt noch ziemlich weit von vorn ein… also unter 30 Grad und so müssen wir noch eine knappe Stunde motoren, bis wir nach der Passage des Kaps und einiger vorgelagerter Klippen den Kurs ändern, die Genua setzen und den Motor aus machen können. Es geht hart am Wind dahin… eigentlich ganz gut und auch mit prima Speed… doch mit raumen Wind wäre es entspannter … egal… wenn wir dieses Zeitfenster nicht nehmen, dann wird es mindestens eine Woche nichts mehr… also los und die Entscheidung dafür ist richtig… Das haben sich wohl auch mehrere andere Yachten gedacht, deren AIS-Signal wir empfangen… eine schöne Bestätigung…

Mit unserer Windfahnensteuerung haben wir noch wenig Erfahrung und wollen das jetzt in Ruhe angehen… sie ist einsatzklar nachdem wir das Beiboot aufs Vorschiff gelascht haben… UND wir haben die Original-Windfahne der berühmten JOSI aufgesteckt, die bereits alle Weltmeere gesehen hat (Dank an Jürgen & Ingrid)… das muss dann ja klappen… und tut es auch nachdem wir ein bisschen hin und her gestellt haben…. sie hält Kurs… juhuuu… dann wird es jetzt noch ruhiger an Bord… 🙂

Der Horizont wird endlos weit… das Land achteraus immer kleiner und nach ein paar weiteren Stunden gibt es ringsum nur noch Wasser… herrlich weit weg von allen Sorgen und Problemen, die es derzeit so an Land gibt… das interessiert alles nicht mehr… hier draußen gibt es andere Prioritäten…

Wer macht wann die erste Wache… wer geht wann in die Koje… Essenszeiten… Wachwechsel… Pausen… usw… Gerti hat lecker vorgekocht und so brauchen wir das Essen nur noch warm machen, was für einen 3-Tages-Törn auch easy machbar ist…

Nachts gehen wir 3-Stunden-Wachen… wobei bei guter Fitness Zugaben freiwillig möglich sind… also sehr individuell und nach persönlicher Verfassung… das hat sich gut bewährt… Die erste Nacht ist ruhig, nur der Amwindkurs und eine seitliche Welle stören ein wenig…. UND wir werden weiterhin beide von der Seekrankheit verschont… wie schön… 🙂

Dann plötzlich in der dahingleitenden Ruhe „Flachwasser-Alarm“…. uups… wie kann das sein…???   Wir haben hier mehrere hundert Meter Wasser unter uns und noch weiter draußen sind es ein paar tausend Meter…alles freies Wasser… hmm… dann müssen das wohl sehr große Fischschwärme oder Wale sein, die dicht unter unserem Schiff schwimmen… spannende Vorstellung… es dauert nicht lange und wiederholt sich noch ein paar mal. Für die großen Fischfangflotten hier also wohl noch ein lohnendes Revier…

Die erste Nacht vergeht schnell und ohne weitere Vorkommnisse. Schon ist der nächste Morgen da… etwas unausgeschlafen gibt’s Frühstück und wir spüren, an den Rhythmus müssen wir uns erst noch gewöhnen… wird schon werden…

Daa !!!… ein lauter Ruf von Gerti… „WAAALE“!!! … ich fahre erschrocken hoch und sehe noch den breiten/hohen Sprühnebel, den nur ein Wal so ausblasen kann… Es sind zwei Wale, nicht weit steuerbord voraus… die langen breiten Rücken kommen aus dem Wasser und tauchen geschmeidig wieder ab… dazwischen immer wieder das mächtige Ausblasen einer hohen Sprühnebel-Fontäne…. Faszinierend… Es dauert leider nur wenige Minuten bis diese tollen Tiere wieder weg sind… doch wir sind jetzt hellwach und begeistert. Ein paar Stunden später noch zwei weitere Walsichtungen, allerdings weiter weg und sie waren auch schnell wieder verschwunden…  Jetzt spüren sie wieder… diese besondere Magie… die von diesem endlos weiten Ozean, dem Atlantik auf uns über geht… 🙂

Am Nachmittag dreht der Wind langsam nördlicher und kommt halb bis raum… die Wellen werden ruhiger und wir können ausbaumen… In dieser neuen Segelstellung geht es sehr entspannt in den Abend und durch die zweite Nacht… es kommt schon fast Routine auf… wir sind mitten auf der Biskaya und haben nach 175 SM fast Halbzeit… 🙂 …gut werden über AIS zwei weitere deutsche Schiffe mitten auf der Biskaya sichtbar… wir sind nicht allein… 😉

Aber wir haben kein wirklich stabiles Wetterfenster… und wissen das der Wind weiter drehen und nachlassen wird… um dann einen weiteren Tag später auf SW umzuschlagen und deutlich aufzufrischen. Davor müssen wir unbedingt im Ziel sein… Wir ändern mehrmals die Segelstellung und hoffen auch den Rest noch (zumindest langsam) segeln zu können. Doch was ist das…??? …merkwürdige Wellen kommen im Laufe des Nachmittags auf … sie entwickeln sich trotz nachlassendem Wind chaotisch und kommen zunehmend von einer ganz anderen Richtung als die Windsee… Bei dem wenigen Wind und der miesen Welle, schlagen die Segel nun immer wieder herzzerreißend… uaahh…so kann das nicht bleiben… Also Segel weg und die restlichen 55 SM motoren. So geht es in die dritte Nacht… Keiner von uns kann wirklich schlafen… das Schiff rollt und geigt kräftig in alle Richtungen… was in den Schubladen und Schapps nicht festverstaut war, lässt das jetzt deutlich hören… eine ungewohnte „Musik“ und Deck… immerhin verhindern die Leesegel das wir nicht aus den Kojen fallen… Naja… das war so nicht auf dem Plan… doch das geht auch vorbei… Wach bleiben wir diese Nacht ohnehin auch durch die vielen Fischerboote, die uns teilweise sehr nah kommen… unglaublich was hier alles unterwegs ist und wir müssen gut aufpassen damit wir frei von ihnen bleiben.

Im Morgengrauen nähern wir uns der spanischen Küste, deren östlicheren Bereich wir am Vortag schon am Horizont gesichtet haben… ein paar Fischerboote ziehen an uns vorbei, begleitet von zahlreichen Möwen. Zeitlich haben wir unsere Geschwindigkeit so reduziert, dass wir nicht im Dunkeln ankommen und so passieren wir um 06:30 Cabo Prior und die Hafenmole von A Coruña um 08:00 Uhr. Anmeldung bei Port Control (der in einem hohen Doppelturm auf der Mole sitzt) und der Marina. Wir bekommen einen schönen Platz am ersten Steg in der City-Marina (Marina Real) zugewiesen. Auch hier hilft ein sehr freundlicher Mariniero beim Anlegen und nimmt die Leinen an. Toller Service, den wir so aus deutschen Häfen nicht kennen… Bravo…

Yeahh… wir haben also die Biskaya geschafft… sie liegt hinter uns… war gar nicht schlimm… Wichtig ist einfach ein guter Wetterbericht und Geduld… dann ist alles ziemlich easy… 🙂

Nun erstmal ausgiebig Frühstücken, beim Hafenmeister anmelden, ein kurzes Nickerchen… und dann freuen wir uns schon riesig auf die vielen leckeren Tapas… leckeren Wein… usw… UND es ist hier deutlich wärmer als in Frankreich… herrlich… richtiges Urlaubsfeeling kommt auf und so werden wir erst mal ein paar Tage relaxen und ins spanische Flair eintauchen…

Alle (fast alle) tragen hier auch im Freien Masken… eine unglaubliche Disziplin… und mit Blick auf die hohen Coronazahlen ist das auch offiziell so vorgeschrieben, wenn nicht ein Mindestabstand von 1,5 Meter eingehalten werden kann. Wir halten uns an diese „Spielregeln“ und können es trotzdem genießen, da scheinbar deutlich weniger los ist, als vor Corona… ein für uns zumindest kleiner Vorteil.

Zahlreiche kleine verwinkelte Gassen… alte bunte Häuser… viele kleine Tapas-Tabernas… beste Einkaufsmöglichkeiten… sehr liebenswerte und hilfsbereite Menschen… wunderbar… hier lässt es sich aushalten…

…und der August ist in A Coruña ein ganz besonderer Feiermonat, zu Ehren der Heldin María Pita. Sie gilt als Heldin im Kampf gegen Francis Drake, der im Dienst der englischen Krone im Jahr 1589 mit mehreren Schiffen A Coruña attackierte, jedoch nicht einnehmen konnte.

Da feiern wir mit… da sind wir dabei… Yeahh…