Baioña und ab nach Portugal…

Die beiden Marinas von Baioña (Porto Deportivo und Monte-Real-Club) sind bekannt für teure Hafenplätze… aber auch für guten Service und große Hilfsbereitschaft… Wer unabhängig von Strom und Wasser ist, kann jedoch prima geschützt und kostenlos vor Baioña ankern und problemlos mit dem Dingi im Hafen anlanden.

Von unserem Ankerplatz aus ist die Marina Deportiva am nächsten gelegen und wir beschließen dort auch gleich vollzutanken. Der Diesel ist hier reiner Marinediesel (ohne Bio-Zusatz) und kostet derzeit 1,373 € pro Liter… das sind rund 30 Cent pro Liter weniger als in Portugal (das soll an den dort deutlich höheren Steuern liegen)… bei unserem großen Tank (1.000 Liter) lohnt es sich also für uns hier vor dem Törn nach Portugal noch vollzutanken, auch wenn er noch halbvoll ist…

Und wir fragen bei der Gelegenheit auch gleich nach einem Segelmacher, der einen defekten Reißverschluss unseres Bimini’s austauschen kann. Der Hafenmeister vom Porto Deportivo spricht sehr gut Englisch und sagt spontan zu uns einen Segelmacher aus Vigo zu vermitteln. Konkret ist das Angebot, das Bimini am Montag früh abzuholen und spätestens am Dienstag früh wieder repariert zurückzubringen. Klingt verlockend und wir lassen uns darauf ein… Ergebnis nach 3 Tagen und mehrfachem Nachfragen… er kann es nicht reparieren, da er keinen passenden Reißverschluss hat… (und eine fragwürdige Alternative zum YKK-Standard wollten wir nicht)…Tja, den Aufwand hätten wir uns also sparen können… und haben wieder was dazugelernt (Aufträge nur noch mit direkter und persönlicher Absprache…).

Die Zeit haben wir dennoch gut genutzt um den Ort besser zu erkunden… insbesondere sehr zu empfehlen ist eine Wanderung zur Burganlage „Castelo de Monte Real“ die heute als elegantes Parador-Hotel genutzt wird, bzw. dafür wieder aufgebaut wurde… Der schöne umlaufende Weg entlang der Küste hat einen tollen Weitblick über’s Meer und die Bucht… bis zu den vorgelagerten Inseln des Naturschutzgebietes… u.a. der Insel Cies…

Neben der davor liegenden Marina vom Monte Real Club liegt der Nachbau der legendären „Pinta“, einer spanischen Karavelle die unter dem Kommando von Martín Alonso Pinzón zusammen mit der „Niña“ und der „Santa Maria“ von Christopher Columbus 1492 „Amerika – Die Neue Welt“ entdeckte und im Februar 1493 hier als erstes der drei Schiffe wieder nach Spanien zurückfand und die neue Botschaft verkündete. Baiona war damals schon einer der größten und wichtigsten Häfen Galiciens und die neue Kunde machte es damals berühmt.

Auch das leckere Essen bei den diversen kleinen Restaurants in den verwinkelten schmalen Gassen ist ein tolles Erlebnis für Gaumen und Augen…

Auch mehrere gute sortierte Supermärkte gibt es, die ab 50,- € kostenlos bis an den Steg liefern… Wenn man es selbst mitnimmt packen die Kassiererinnen die Waren auch selbst ruckzuck in Taschen… ein super Service, den man aus Deutschland so nicht kennt… In den beiden großen Supermärkten „Eroski“ und “Carrefour“ gibt es auch große Fischtheken, wo es zu sehr günstigen Preisen frischen Fisch gibt, der nach der Auswahl vor unseren Augen geschuppt, ausgenommen und verpackt wird. Das gibt anschließend jeweils ein Festessen und so könnte man es hier auch noch länger aushalten…

Doch wir haben letztlich ein anderes und unerwartetes Problem… der Wind will für unsere weitere Reiseroute nicht mehr so recht passen… konkret hat sich der zu dieser Jahreszeit deutlich vorherrschende „Nordwind“ (Nortada) überraschend verabschiedet und soll auch für die nächsten 10 Tage nicht wiederkommen… hmm… solange wollen wir hier nicht bleiben und suchen nach einer passenden Möglichkeit… evtl. auch einem Mix aus segeln und motoren…

Die Möglichkeit kommt… mit der Aussicht auf ca. 8-10 Knoten Wind von achtern und der Hoffnung das Thermik noch mithilft… evtl. können wir unser Parasail zum Einsatz bringen… das wäre super…

Freitag, 27.08.21 / 07:00 Uhr: Es ist noch dunkel… leichter Dunst hängt über der Bucht… der Horizont liegt leicht im Nebel… ringsum viele kleine Lichter von der fast umlaufenden Küste und diverse Leuchtfeuer blinken, blitzen und funkeln… ein inzwischen vertrauter und schöner Anblick…

Wir frühstücken gemütlich und machen uns startklar… langsam wird es hell, die Sicht besser und wir gehen Anker auf… mit uns noch ein paar andere Schiffe, u.a. auch die uns inzwischen bekannten deutschen Schiffe „Maupiti“ und „Sutje“… wir haben das gleiche Ziel… Kurs Süd und heute mindestens bis „Póvoa de Varzim“… einer kleinen portugiesische Hafenstadt nördlich von Porto.

Wir runden das vorgelagerte Kap und gehen auf Südkurs… der Wind pendelt zwischen 4 und 7 Knoten aus raumer Richtung … nichts Konstantes um Segel zu setzten… immerhin leichter Schiebewind und motoren… Nach ein paar Stunden endlich etwas mehr… wir machen unser Parasail klar… doch es kommt nicht zum Setzen… kurz davor lässt der Wind wieder nach und dreht nach Steuerbord auf fast halben Wind…. naja, immerhin eine Möglichkeit unsere große Genua als Unterstützung zu setzen… das klappt ganz gut… aber es ist mehr motorsegeln als segeln… immerhin besser als nix oder von ganz falscher Richtung…

Mittags überschreiten wir die seeseitige Grenze zwischen Spanien und Portugal…. und haben hier die erste Zeitumstellung unserer Reise… eine Stunde zurück… also UTC+1… :-)… und die Gastlandflagge wird natürlich auch sofort gewechselt… ein neues Land, ein neues Glück… oder so ähnlich… fühlt sich gut an… 🙂

Es bleibt beim Motorsegeln… und wir erreichen um 16:20 die Hafeneinfahrt von Póvoa de Varzim. Kurze Anmeldung über CH09 und wir erhalten als Info das es noch genug freie Plätze gibt. Um 16:40 machen wir an einem der Fingerstege des ersten Schwimmpontons fest. Wenige Minuten vorher haben hier auch schon die Maupiti und die Sutje festgemacht und empfangen uns winkend… 🙂

Hier im Hafen steht nun endlich ein ausführlichen Riggcheck an, der schon überfällig war… der Spiblock-Schäkel am Masttop hatte sich gelockert !!!… wird nun wieder festgezogen und zusätzlich mit zwei Kabelbindern gesichert (wie auch alle anderen Schäkel… gut von unten sichtbar, am nicht abgeschnittenen Ende)… das hat sich also mehr als gelohnt… und von hier oben gibt’s noch einen schönen Rundumblick gratis dazu…

Die Stadt war früher ein sehr bedeutendes Fischerdorf, das sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem bekannten Badeort mit großem Spielcasino gewandelt hat. Fischerei und Fremdenverkehr bestimmen auch heute noch die Szene… allerdings ist an vielen Häusern deutlicher Verfall und Renovierungsrücktand sichtbar… doch es wird auch viel gebaut und renoviert… Der Hafen ist zumindest relativ ruhig und der Hafenmeister sehr hilfsbereit und freundlich.

Wir nutzen die Nähe zu Porto und können von hier aus bequem mit der Metro in 50 Minuten nach Porto fahren… steigen mitten in der Stadt, an der Haltestelle Trinidade aus und von da geht es zu Fuß immer leicht abwärts zum Fluss Douro. Die Stadt ist ein bunter Traum… und sollte auf keinen Fall verpasst werden… sehr schön und anders als die bisherigen Orte… kleine verwinkelte Gassen wechseln sich mit großen Straßen ab… hier fahren Hopp on Hopp off Busse und Straßenbahnen (u.a. auch eine Oldtimer-Straßenbahn) und es ist ziemlich viel los… eben ein absoluter Touristen-Magnet… kein Wunder…

Wir schlängeln uns durch die vielen kleinen kopfsteingepfasterten Straßen und Gassen, lassen uns treiben und futtern bei einem kleinen Restaurant die hier so typischen Francesinha (Toastbrot mit Kochschinken, Chourico-Wurst und Beefsteak, das mit geschmolzenem Käse, sowie einer heißer dickflüssigen Sauce aus Tomaten, Bier und Senf übergossen)… ungewohnt, aber sehr lecker… 🙂

Riesige monumentale Bauten, prächtige Brücken und natürlich auch der hier hergestellte Portwein locken viele Touristen in diese geschichtsträchtige Stadt. Alles sehr sehenswert und genug zu sehen, um einen tollen 3-Tages-Tripp hier zu verbringen. Das mittelalterlichen Viertel Ribeira am Flussufer fanden wir besonders schön…

Von hier geht es über eine Brücke auf die andere Flussseite des Douro…. und gefühlt ist hier die absolute Touristenmeile, da es hier einen Portweinkeller nach dem anderen gibt… Alle bekannten Marken… wir machen natürlich auch eine Portweinprobe mit und sind begeistert… sehr lecker und wirkungsvoll… 🙂 Anschließend noch was Leckers essen und dann geht’s bestens gelaunt auf den Rückweg… Dafür laufen wir nicht mehr den ganzen Berg hoch, sondern können eine andere Metro nutzen, mit Umstieg in Trinidade und von da zurück zum Schiff…

ein sehr lohnender Ausflug, den man gerne wiederholen könnte… doch wir wollen lieber weiter in den Süden…

Verschiedene Wetterberichte und alle sagen weiterhin nur sehr wenig Wind an… hmm… aber zumindest aus der richtigen Richtung… und Dienstag der 31.08.21 scheint für mehrere Tage noch die beste Option zu sein… also aufauf… weiter Kurs Süd… und wir werden mit herrlichem raumen Segel-Wetter bei wenig Welle belohnt… Endlich können wir unseren 168 m² großen Parasail setzen und dann rauscht es nur noch so dahin… viel besser als erwartet…. bei 7-10 Knoten Wind machen wir 5-7 Knoten Speed…traumhaft, wir sind begeistert…:-)

Und dann wird unsere LADY BLUE unverhofft noch ein kleines Rettungsschiff. Auf unserem Achterdeck landet plötzlich eine kleine junge Möwe… völlig erschöpft, mit einer Bauchlandung… sie rappelt sich wieder auf und steht da erstmal 10 Minuten, bis die ersten Schritte wieder gelingen… Ein paar Brotkrümel und etwas Wasser rührt sie nicht an, marschiert aber nach 30 Minuten schon wieder deutlich erholt übers Achterdeck… hinterlässt 4 kleine Häufchen und setzt nach einer knappen Stunde ihren Flug wieder fort… mit einer Ehrenrunde um ihr Rettungsschiff… eine schöne Abwechslung auf See…

8 Gedanken zu „Baioña und ab nach Portugal…

  1. Hallo ihr Beiden, vielen Dank für den wieder spannend zu lesenden neuen Bericht! Und ganz besonders für die tollen Bilder!
    Wie gut dass ihr euch dort die Zeit für den Riggcheck genommen habt, der Blick von dort oben ist besonders schön😊. Euer Parasail ist ganz schön groß und die Fahrt die ihr macht trotz wenig Wind klasse! Ich freue mich schon wieder auf euren nächsten Bericht mit wieder schönen Fotos…😘.
    Fair Winds und paßt auf euch auf. LG⛵️

  2. Vielen Dank, machen wir…. und unser Parasail hat gestern auch wieder kräftig geholfen, bei dem derzeit sehr wenigen Wind weiter nach Süden zu kommen… doch abends ging der Wind dann total aus uns wir mussten den Rest motoren… liegen jetzt in Cascais und hier ist es richtig schön warm… 🙂

  3. Danke, weiter so, ihr beiden! Wir hatten nochmal ein schönes Wochenende mit optimalem Segeln nach Nysted und zurück und jetzt wird der Krantermin geplant. Business as usual 🙂

  4. Ja das kennen wir gut von den letzten Jahren und hoffen nun so bald nicht mehr einwintern zu müssen… viel Erfolg dabei.
    Für uns geht’s heute weiter in eine Marina bei Lissabon, da der Südwind hier für Schwell und Nebel sorgt… 😉

  5. Hallo Gerti und Klaus, erneut herzlichen Dank für euren Bericht, der uns gedanklich mitgenommen hat auf eure Reise. Wir wünschen euch weiterhin viel Glück!
    Karin und Wilfried, La Surprise

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