Galizien und seine Rias…

Die Region Galicien im Nordwesten von Spanien ist ein sehr abwechslungsreiches Revier… wilde Steilküsten, einsame Buchten, schöne Strände und viele Flüsse, die vom bergigen Innenland bis zur Küste die typischen „Rias“ bilden, an denen malerische Fischerdörfer liegen…

Man bräuchte wahrscheinlich ein paar Monate, um alles richtig kennen zu lernen… doch lieber einige Orte intensiver… dafür weniger Orte… so zumindest unsere Einstellung… also liegen wir immer noch in der Ria de Muros, vor dem Dorf Muros vor Anker… einer der Orte in Galizien, wo man auch gut überwintern kann… ein idyllischer Ort, geschützter Ankerplatz… und auch Delfine kommen uns ab und zu besuchen… wie schön…da kann man es gut aushalten…

Samstag, 14.08.21: Der Wind dreht von N auf NE und frischt auf über 20 Knoten auf… in der Bucht entsteht zunehmend ziemlich kabbeliges Wasser… die Ruhe ist fast vorbei… eigentlich kein Problem, der Anker hält gut und der Wind soll ab 20:00 wieder nachlassen… also wagen wir uns trotzdem noch mal an Land zum Bummeln und Tapas essen… kulinarisch einer der bisherigen Höhepunkte…

Um 21:00 Uhr wollen wir entspannt und rechtzeitig vor Sonnenuntergang wieder zurück und legen mit unserem Beiboot im geschützten Fischerhafen ab… Der Wind hat entgegen der Vorhersage aber nicht nachgelassen… ganz im Gegenteil… Wir tuckern um die schützende Mole und uns kommt eine kurze steile 0,5 Meter Welle entgegen… damit haben wir nicht gerechnet… für unser kleines Beiboot ist das ziemlich viel… Mist… doch was nutzt es jetzt… da müssen wir nun durch… also vorsichtig Gas geben und die angemessene Geschwindigkeit für diese Bedingungen finden… Die Wellen kommen schräg von vorn und jede zweite Welle klatscht über die Schlauchbootwülste und teilweise bis über unser Köpfe hinweg… nicht wirklich schön und von der Bordfrau wird das tapfer mit leisem Stöhnen quittiert… nutzt trotzdem nix… da müssen wir durch, also weiter… und so kommen wir klatschnass beim Schiff an… uahh…ächz… erstmal festmachen, hoch ins Cockpit, die nassen Klamotten ausziehen, duschen, was trockenes anziehen, dann einen großen Schluck aus der Rumbuddel…. ahhh… schon geht’s viel besser…  nun noch das Beiboot hochziehen… fertig… was für eine Action…

Alle anderen Yachten haben sich ans Nordende der Bucht verholt, wo es scheinbar ruhiger ist, nur unsere LADY BLUE trotzt mitten in der Bucht dieser Wetterlaune… Sollen wir jetzt auch noch verholen… grübelgrübel… doch jetzt wo wir fertig sind, lässt der Wind endlich nach und es wird wieder ruhiger in der Bucht… zwei Stunden zu spät, doch was soll’s… jetzt haben wir zumindest den Aufwand mit dem Ankerplatzwechsel nicht mehr…. Also bleiben wir und genießen den ruhiger werdenden Abend. Die Sonne geht hier erst 45 Minuten später unter als in Hamburg… und 1:45 Stunden später auf… ein ganz ordentlicher Unterschied…

Der nächste Tag beginnt fast windstill und wir beschließen spontan einen kleinen Arbeitstag einzulegen… wir wollen endlich unsere Sonnenschutzfolien auf unseren Decksluken aufbringen. Macht ja auch Sinn, wenn es bald immer wärmer werden soll… Das Ergebnis ist sensationell… die Wirkung der Sonneneinstrahlung wird gefühlt um mehr als die Hälfte reduziert… das hat sich also richtig gelohnt… yeahh… 🙂

Montag, 16.08.21: Jetzt geht’s weiter… wir beschließen die nächste Ria (Ria de Arousa) zu überspringen… die vielen dort vorgelagerten Untiefen bedeuten einen Umweg, wofür der Wind ungünstig steht… also gleich die Ria de Pontevedra ansteuern… Die Bilder aus unserem Imray-Revierführer (Atlantik Spain and Portugal) sind vielversprechend… doch Bilder und Realität passen manchmal nicht überein…

Wir biegen um das letzte Kap der Ria und blicken in die sehr schöne Bucht von Punta Seame… allerdings ziemlich voll… doch wir wollen ja eh zur nächsten großen Sandbucht von Sanxenxo, wo auch schon ein bekanntes Schiff, die Tosimotu liegt… Wir nähern uns und schauen irritiert in die Bucht… ohh… da ist sehr viel los… die totale Ballermann-Location… laute Musik… Jetskis brausen dröhnend hin und her… nein, das geht ja gar nicht… zumindest nicht für uns… also 180 Grad kehrt und zurück zur ersten Bucht. Wir ankern ziemlich weit außen auf 11 Meter Tiefe und hier geht’s einigermaßen. Eigentlich liegen wir hier von Wind und Welle ganz gut geschützt…. aber die Dünung die in die Ria steht wird vom gegenüber liegenden Ufer reflektiert und schwappt seitlich in die Bucht… nicht stark aber es reicht für eine schauklige Nacht…. naja….

Das war also keine gute Wahl, deshalb beschließen wir am nächsten Morgen gleich weiter zu gehen… zur nächsten Ria, der Ria de Vigo welche die südlichste Ria ist… Dort steuern wir die Ensenada da Barra an….. und…. es ist ein Volltreffer…. die Bucht ist ein Traum… feinster Sandstrand und bester Sand-Ankergrund… keine Bebauung, kein Ballermann, keine Jetskis…. nur Natur pur… wir sind begeistert… yeahh…

Jetzt am besten gleich eine Runde schwimmen… wir sind ja schließlich wieder ein Stück südlicher gekommen und das Wasser ist bestimmt herrlich… mehr zufällig sehe ich aber vorher noch auf das Wasserthermomete rund traue meinen Augen nicht…. waas???… das kann doch nicht sein…. nur 16 Grad… ohh… das sind ja 5 Grad weniger als in Muros… brrr… das ist uns dann doch zu kalt… schade… aber schön ist es hier trotzdem…

Unser Beiboot ist schnell klar gemacht… Außenborder dran… und erstmals klinken wir auch unsere Slipräder an, um beim Beachen am Strand das Beiboot leichter den Strand hochzuziehen. Das wird jetzt eine Premiere und wir sind gespannt. Das Ufer nähert sich… ein skeptischer Blick trifft mich von der Seite… wird das klappen…. jaa tut es… wir landen easy mit hochgeklappten Außenborder und runtergeklappten Rädern…. ziehen/rollen das Beiboot ein paar Meter den Strand hoch und freuen uns, dass es mit den Rädern so gut klappt. Der Tidenunterschied ist hier noch 3 Meter und wenn das Beiboot nicht weit genug vom Wasser weg ist, kann es sein, das es beim Zurückkommen bereits schwimmt, bzw. weggeschwommen ist…. das können wir so prima verhindern…

Hier gibt es einen sehr schönen Wanderweg, mit ca. 1,5 Km Länge zu einer am Kap vorgelagerten kleinen Sandbucht mit einem kleinen Imbiss. Der Weg geht durch duftende Pinien- und Eukalyptus-Wälder, was mal eine sehr entspannte Abwechslung ist. Von weiter oben haben wir einen prima Ausblick auf die Ankerbucht… und beim Imbiss in der Nachbarbucht gibt es ein paar leckere Tapas und ein kühles Bierchen… Entspannt und beschwingt geht’s zurück zu unserer Bucht… ein sehr gelungener Ausflug.

Der Strand wird hier primär von Nudisten bevölkert… sehr lustig dabei ist, dass ein Großteil mit strammen Schritten den Strand auf und ab läuft… richtig sportlich… na ja zum Schwimmen trauen sich bei den Temperaturen ja auch nur wenige Mutige ins Wasser…

Nach und nach kommen mehrere deutsche Yachten an, u.a. auch die Colette, die mit uns in Lübeck im gleichen Hafen lag und 3 Wochen früher gestartet ist. Wir sagten damals noch, das wir uns sicher irgendwann, irgendwo treffen werden… und jetzt ist es soweit… sehr schön… wir freuen uns und darauf wird auch gleich im Cockpit mit ein paar Bierchen angestoßen und im regen Gespräch ausgetauscht, was jeder bisher schon so erlebt hat… immer wieder sehr interessant…

Freitag, 20.08.21: Am Morgen liegt dichter Nebel über der Bucht… der Wind hat gedreht und kommt nun aus südlicher Richtung über Land als warmer feuchter Wind, der auf dem kalten Wasser kondensiert… der erste Nebel den wir hier haben… doch am späten Vormittag mit zunehmender Sonne lichtet sich der Nebel wieder und wir gehen Anker auf… Kurs auf Baiona… einer der schönsten Städte Galiziens… wir sind gespannt.

Es sind nur 9 Sm und wir tuckern bei wenig Wind gemütlich nach Süden… vorbei an den vorgelagerten Untiefen und der großen Burganlage von Baiona und schon nach knapp 2 Stunden fällt der Anker wieder, direkt vor der langgezogenen Bucht von Baiona… und neben der Marina Deportiva Baiona. Eine prima Ausgangslage, um schnell mit dem Dingi an Land zu kommen. Gesagt, getan… und ruckzuck sitzen wir im Dingi und sausen an Land. Der erste Eindruck von Baiona ist, dass die halbe Stadt eine Fressmeile sein muss… ein Lokal nach dem anderen, enge verwinkelte Gassen… irgendwie ein Mix von Coruña und Muros… mit sehr viel Flair und freundlichen Menschen… hier wollen wir ein paar Tage bleiben… das gefällt uns… 🙂

Tipp zur Anmeldung für die Nationalpark-Inseln:
Der Nationalpark Islas Atlánticas de Galicia (in galicischer Sprache Parque Nacional das Illas Atlánticas de Galicia = „Atlantikinseln Galiciens“).
Man benötigt als erstes die allgemeine Verkehrs- und Durchfahrtserlaubnis (kann man online selbst beantragen oder den Service vieler Marinas dafür nutzen… wir hatten das über die Marina in A Coruña gemacht). Wenn man die Erlaubnis dann per Mail bekommen hat (das kann in der Hochsaison mehrere Tage dauern), dann kann man sich konkret für bestimmte Termine online einbuchen (gültig für bis zu 3 Tage).
– Internet-Seite: https://www.iatlanticas.es/
– Mailadresse: fondeos.iatlanticas@xunta.gal

Wir hatten letztlich auf einen Besuch verzichtet, da die Besuchstermine ziemlich ausgebucht waren und weil wir davon hörten, dass dorthin viele Touristenfähren pendeln und deutlich Schwell in der Ankerbucht verursachen. Außerdem gibt es ja auch noch genug andere schöne Plätze in Galizien ohne Formalitäten. 🙂

4 Gedanken zu „Galizien und seine Rias…

  1. Hallo ihr zwei. Einfach schön eure Beiträge zu lesen.. Man spürt die Schönheit des Segelns und Blauwasserfeeling. Wir sitzen gerade auf der Lobster in Zingst und warten auf die Wärme, Sonne und den passenden Wind um gen Westen zu segeln. Leider können wir noch nicht es einfach aussitzen. 🙂Ganz liebe Grüße von der windigen Ostsee. Doris und Holger

  2. Hallo ihr zwei und danke für eure Grüße aus der Ostsee…
    das mit dem Wind ist ja oft so… entweder zu wenig oder zu viel oder von der falschen Seite… 😉
    Wir haben gerade zu wenig und abwechselnd von allen Seiten… wird sich aber bestimmt bald ändern und dann geht’s weiter Richtung Süden… 🙂 Euch noch einen guten Törn in der Ostsee… und vielleicht folgt ihr uns ja bald nicht nur virtuell… 🙂

  3. Hallo ihr zwei,
    mal wieder herzlichen Dank für euren schönen und lebhaften Bericht mit den hübschen Fotos. Wir kommen gerade zurück von unserer Weltreise zwischen Warnemünde und Heiligenhafen (zumindest der Wind scheint hier aber so zu sein wie bei euch). Weiter viel Glück und schöne Erlebnisse!
    Karin und Wilfried, La Surprise

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