Kap Finisterre und die Todesküste…

A Coruña ist ein sehr schöner Ort, wenn man es etwas quirliger haben möchte…  gute Versorgungsmöglichkeiten, leckeres Essen, Shopping…  und an den Wochenenden sogar Open-Air-Rockfestivals… fast wie in alten Zeiten… die überall konsequent getragenen Masken zeigen jedoch den aktuellen Unterschied… Zu empfehlen ist die City Marina (Real Club Nautico), da man von dort die „heiße Meile“ sehr nah hat. Dennoch, nach ein paar Tagen reicht es langsam und wir wollen weiter und irgendwo schön ankern…

Montag, 09.08.21: Noch mal zum Supermarkt und dann ist es schon 14:30 als wir den Hafen verlassen… allerdings haben wir es nicht weit… nur 3 Sm schräg gegenüber in eine schöne und geschützte Ankerbucht. Unser Anker fällt auf 10 Meter Tiefe vor einer überwiegend felsigen Küsten mit Sandstrand. Zurück in der Natur… ein leichter Wind zieht übers Deck, ein Bierchen in der Hand und der Blick schweift über die Ufer und die anderen Schiffe. Eigentlich ganz schön… doch hier gibt es mehrere Ferienanlagen und daher auch viele dröhnenden Jetskis und natürlich auch diversen Motorbootverkehr von A Coruña… Naja… doch nicht ganz Natur… aber für einen Tagesstop mit einer Übernachtung ganz ok.

Der nächste Tag… es gibt weiterhin nur sehr wenig Wind zum Segeln… hier bleiben möchten wir aber auch nicht…. also unter Motor los, in der Hoffnung das noch Wind zum Segeln kommt. Am Ender der großen Bucht von A Coruña steht gut sichtbar und sehr beeindruckend das Wahrzeichen der Stadt. Der Herkulesturm. Ein römischer Leuchtturm aus dem 2. Jahrhundert… er ist noch im Betrieb und gilt daher als das ältestes aktive Sichtzeichen der Seeschiffahrt.

Kurs West liegt an und es geht an einer bizarr schönen Küste entlang… Doch so schön die Küste auch ist, sie trägt einen schaurigen Namen… „Costa de la Muerte“… die Todesküste !!! Zahlreiche Schiffe strandeten oder zerschellten hier schon an den steilen Felsen, diversen Untiefen und scharfen Klippen und viele Seeleute verloren dabei ihr Leben… die Vorstellung ist gruselig und passt heute gar nicht zu dem sanften und schönen Wetter, das wir hier haben… aber besser so als anders…

Der Wind lässt uns ziemlich im Stich (wie angesagt) und kommt erst, als wir schon fast an unserem Tagesziel sind… die geschützte Bucht von Camariñas. Sehr schön und ruhig. Unser Anker fällt bei 6,5 Meter Tiefe… das ist knapp wie sich noch zeigen wird…

Nur wenige Segelyachten liegen neben uns und wir genießen einen herrlichen Abend vor Anker… lecker Essen… lecker Wein… keine Wellen… wenig Wind… es wird eine sehr ruhige Nacht… 🙂

Länger bleiben wollen wir auch hier nicht, da ein Generator an Land doch ein wenig stört… und außerdem ist guter Wind aus der richtigen Richtung angesagt, um das berüchtigte Kap Finisterre zu runden… eine Wetterscheide mit oft rauher See, die wir auch gerne hinter uns lassen wollen… also auf auf und Anker klar machen… Es ist jetzt Ebbe und der Tiefenmesser zeigt nur noch 3 Meter… uups… das ist nicht mehr viel Wasser unter Kiel… so knapp wollen wir das künftig nicht mehr machen…

Die Ankerkette kommt langsam hoch und ist voller Seetang… also immer wieder mit dem Bootshaken abstreifen, was sich eine Weile hinzieht… dann macht es pffthh… pffthh… ich drehe mich herum und da sind doch tatsächlich 2 große Delfine neben unserem Schiff und sehen mir bei der Arbeit zu… unglaublich… sie schwimmen langsam weiter und ich sehe mindestens noch ein halbes Duzend weiterer Delfine… hier am Ankerplatz tief in der Bucht hätte ich das nicht erwartet, doch wie schön… Jetzt also schnell Anker hoch und hinterher… 😉

Am Ausgang der Bucht passieren wir das reizvolle Städtchen Muxía mit der Wallfahrtskirche „Santuario da Virxe da Barca“. 2002 war diese Gegend durch den Untergang des Öltankers Prestige sehr stark betroffen… eine Mega-Umweltkatastrophe… doch davon ist zum Glück nichts mehr zu sehen.

Der angesagte Wind kommt aus ca. 150-160 Grad und so ziehen wir nur die große Genua raus und lassen uns bei rund 20 Knoten Wind ziehen… das ist es… „easy sailing“…. es läuft und rauscht einfach so dahin und auch die 1,5 Meter hohe Wellen sind sehr lang und daher kaum spürbar…

Die Küste zieht an uns vorbei und Kap Finisterre nähert sich… Für viele Jakobspilger gilt das Kap als das Ende des Jakobswegs und früher galt es auch als das Ende der Welt (lateinisch „finis terrae“ = übersetzt Ende der Erde). Wir runden es mit Respekt und in guter Sichtweite… besser könnte es gar nicht laufen, denn von dieser Ecke haben wir schon andere Geschichten gehört, wo es bzgl. Wind und Welle wesentlich unangenehmer war… Neptun ist also mit uns… wie schön… 🙂

Weiter geht es mit südöstlichem Kurs in Richtung der ersten großen galizischen Ria, der Ria de Muros. Nach dem Runden von Pta. Carreiro, mit ein paar gefährlich vorgelagerten Untiefen, erreichen wir den ausgesuchten Ankerplatz, die Ensenada de San Francisco… lustig… wir gehen also vor San Francisco vor Anker… 🙂

Neben uns liegt bereits die Tosimotu vor Anker…. wir hatten schon Kontakt, uns jedoch noch nie persönlich getroffen… das wird jetzt nachgeholt… Susi und Thomas paddeln auf Ihrem Standupboard heran und es gibt eine feuchtfröhliche Begrüßung… sehr schön… 🙂

Die Bucht liegt gut geschützt und lädt zum Baden ein… immerhin 20° Wassertemperatur, was beim offenen Atlantik schon ganz ok ist… noch wärmer wäre natürlich besser, doch das kommt noch… 🙂

Zum Anlanden mit dem Dingi ist es hier nicht so toll (außer beachen)… und so verholen wir uns zwei Tage später in die nächste Bucht und ankern in gutem Abstand zur Marina Muros. Der kleine Ort Muros ist mit einem Wort gesagt… „bezaubernd“… uralte kleine Häuser und schmale Gassen, verwinkelt und urig… noch sehr viel ursprünglicher als A Coruña… die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein. Und natürlich gibt’s viele leckere Tapas-Restaurants…. ein absolutes Muss… und wir schlagen kräftig zu … sehr lecker. 🙂

Die Bucht ist ein schöner und ruhiger Ankerplatz, allerdings sollte man nicht zu nah am Ufer ankern, da dort oft Taucher aktiv sind (sh. blauweiße Fähnchen). Wer in die Marina will, bekommt laut Freunden besten Service von den beiden deutsch sprechenden Hafenmeistern Klaus und Pedro. Wir bleiben aber lieber am Ankerplatz und verlängern noch einen Tag… relaxen ist angesagt… 🙂

4 Gedanken zu „Kap Finisterre und die Todesküste…

  1. Hallo ihr beiden,
    das ist wieder ein sehr schöner Bericht, der uns mitnimmt auf eurer Reise. Genießt das Leben, es gibt nur eins.

  2. Hallo Gerti, hallo Horst,
    voller Begeisterung habe ich heute endlich einmal alle eure tollen Berichte gelesen. Wie schön aber auch aufregend was ihr schon alles erlebt habt. Bei vielen der von euch angelaufenen Häfen und besuchten Städte kommen Erinnerungen an das Jahr 2014 hoch, in dem Wolfgang und ich -genau wie ihr jetzt- auf dieser Route unterwegs waren. Genießt die Rias in denen ihr gerade seid, auf unserem Rückweg haben wir uns vorgenommen dort mehr Zeit einzuplanen.
    Vielen Dank für eure interessanten Berichte eure tollen Fotos und wir freuen uns, dass wir euch auf eurer Reise begleiten dürfen. Habt stets die nötige Handbreit Wasser unter dem Kiel und bleibt gesund. Fair winds eure Wolfgang und Waltraud

    • Hallo ihr zwei, danke für eure schöne Rückmeldung… ja in der Tat gab es schon viele interessante Erlebnisse und viele nette neue Bekanntschaften… und es gefällt uns gut… bald geht’s weiter nach Süden… sobald der Wind wieder passt…

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