Viva España… olé olé…

Zwei Tage vor der Abfahrt… wir sitzen entspannt im Cockpit bei Kaffee und Keksen und genießen den Ausblick. Sehen zu den anderen ankernden Schiffen und bemerken ein rotes Schlauchboot mit drei dunklen Gestalten, das langsam zwischen den Schiffen rumfährt… komisch… nun nimmt es Kurs auf uns und nähert sich langsam… hmm was können die wollen? Sie kommen tatsächlich längsseits und wir haben drei offizielle Beamte des französischen Zolls vor uns. Aha… darum geht’s also… sie bitten an Bord kommen zu dürfen und selbstverständlich gewähren wir… Im Cockpit nehmen alle Platz und der Chief erklärt uns freundlich worum es geht… reine Routinekontrolle, die sie bei ausländischen Schiffen machen. Ok, also die üblichen Standardfragen…. woher, wohin, gibt’s was zu verzollen, Waffen Bord, etc… und auch innen eine Besichtigung aller Kabinen und zumindest ein Blick in zwei Schapps. Alles sehr höflich und begleitet von erstaunlich vielen Detailfragen zum Schiff und wie wir es zu zweit handeln… Wir werden auch vor dem für heute Abend aufziehenden Sturmtief gewarnt und bekommen ein offizielles Protokoll, dass wir „clean“ sind. Fotos dürfen wir von den Beamten keine machen, nur bei Abfahrt wenn ihre Gesichter nicht erkennbar sind… Sie verabschieden sich freundlich und fahren zurück zu ihrem großen Marine-Schiff, das in der Bucht vor Anker liegt. Interessantes Erlebnis…

Samstag, .31.07.21: Ab 13:00 sagt unser Wetterbericht das für uns passende Wetterfenster voraus… doch ein paar andere Schiffe verlassen schon ein paar Stunden früher den Hafen oder den Ankerplatz und nehmen Kurs auf die Biskaya… hmm… sollen wir auch schon früher… der Herdentrieb ruft…

Also 11:30 Uhr Anker auf… ein bisschen Puffer schadet ja nicht… Kette und Anker kommen erstaunlich sauber hoch… kein Wunder bei dem tollen Sandgrund. Wir fahren um die Nordspitze der Halbinsel und setzen das Groß…. Der Wind fällt noch ziemlich weit von vorn ein… also unter 30 Grad und so müssen wir noch eine knappe Stunde motoren, bis wir nach der Passage des Kaps und einiger vorgelagerter Klippen den Kurs ändern, die Genua setzen und den Motor aus machen können. Es geht hart am Wind dahin… eigentlich ganz gut und auch mit prima Speed… doch mit raumen Wind wäre es entspannter … egal… wenn wir dieses Zeitfenster nicht nehmen, dann wird es mindestens eine Woche nichts mehr… also los und die Entscheidung dafür ist richtig… Das haben sich wohl auch mehrere andere Yachten gedacht, deren AIS-Signal wir empfangen… eine schöne Bestätigung…

Mit unserer Windfahnensteuerung haben wir noch wenig Erfahrung und wollen das jetzt in Ruhe angehen… sie ist einsatzklar nachdem wir das Beiboot aufs Vorschiff gelascht haben… UND wir haben die Original-Windfahne der berühmten JOSI aufgesteckt, die bereits alle Weltmeere gesehen hat (Dank an Jürgen & Ingrid)… das muss dann ja klappen… und tut es auch nachdem wir ein bisschen hin und her gestellt haben…. sie hält Kurs… juhuuu… dann wird es jetzt noch ruhiger an Bord… 🙂

Der Horizont wird endlos weit… das Land achteraus immer kleiner und nach ein paar weiteren Stunden gibt es ringsum nur noch Wasser… herrlich weit weg von allen Sorgen und Problemen, die es derzeit so an Land gibt… das interessiert alles nicht mehr… hier draußen gibt es andere Prioritäten…

Wer macht wann die erste Wache… wer geht wann in die Koje… Essenszeiten… Wachwechsel… Pausen… usw… Gerti hat lecker vorgekocht und so brauchen wir das Essen nur noch warm machen, was für einen 3-Tages-Törn auch easy machbar ist…

Nachts gehen wir 3-Stunden-Wachen… wobei bei guter Fitness Zugaben freiwillig möglich sind… also sehr individuell und nach persönlicher Verfassung… das hat sich gut bewährt… Die erste Nacht ist ruhig, nur der Amwindkurs und eine seitliche Welle stören ein wenig…. UND wir werden weiterhin beide von der Seekrankheit verschont… wie schön… 🙂

Dann plötzlich in der dahingleitenden Ruhe „Flachwasser-Alarm“…. uups… wie kann das sein…???   Wir haben hier mehrere hundert Meter Wasser unter uns und noch weiter draußen sind es ein paar tausend Meter…alles freies Wasser… hmm… dann müssen das wohl sehr große Fischschwärme oder Wale sein, die dicht unter unserem Schiff schwimmen… spannende Vorstellung… es dauert nicht lange und wiederholt sich noch ein paar mal. Für die großen Fischfangflotten hier also wohl noch ein lohnendes Revier…

Die erste Nacht vergeht schnell und ohne weitere Vorkommnisse. Schon ist der nächste Morgen da… etwas unausgeschlafen gibt’s Frühstück und wir spüren, an den Rhythmus müssen wir uns erst noch gewöhnen… wird schon werden…

Daa !!!… ein lauter Ruf von Gerti… „WAAALE“!!! … ich fahre erschrocken hoch und sehe noch den breiten/hohen Sprühnebel, den nur ein Wal so ausblasen kann… Es sind zwei Wale, nicht weit steuerbord voraus… die langen breiten Rücken kommen aus dem Wasser und tauchen geschmeidig wieder ab… dazwischen immer wieder das mächtige Ausblasen einer hohen Sprühnebel-Fontäne…. Faszinierend… Es dauert leider nur wenige Minuten bis diese tollen Tiere wieder weg sind… doch wir sind jetzt hellwach und begeistert. Ein paar Stunden später noch zwei weitere Walsichtungen, allerdings weiter weg und sie waren auch schnell wieder verschwunden…  Jetzt spüren sie wieder… diese besondere Magie… die von diesem endlos weiten Ozean, dem Atlantik auf uns über geht… 🙂

Am Nachmittag dreht der Wind langsam nördlicher und kommt halb bis raum… die Wellen werden ruhiger und wir können ausbaumen… In dieser neuen Segelstellung geht es sehr entspannt in den Abend und durch die zweite Nacht… es kommt schon fast Routine auf… wir sind mitten auf der Biskaya und haben nach 175 SM fast Halbzeit… 🙂 …gut werden über AIS zwei weitere deutsche Schiffe mitten auf der Biskaya sichtbar… wir sind nicht allein… 😉

Aber wir haben kein wirklich stabiles Wetterfenster… und wissen das der Wind weiter drehen und nachlassen wird… um dann einen weiteren Tag später auf SW umzuschlagen und deutlich aufzufrischen. Davor müssen wir unbedingt im Ziel sein… Wir ändern mehrmals die Segelstellung und hoffen auch den Rest noch (zumindest langsam) segeln zu können. Doch was ist das…??? …merkwürdige Wellen kommen im Laufe des Nachmittags auf … sie entwickeln sich trotz nachlassendem Wind chaotisch und kommen zunehmend von einer ganz anderen Richtung als die Windsee… Bei dem wenigen Wind und der miesen Welle, schlagen die Segel nun immer wieder herzzerreißend… uaahh…so kann das nicht bleiben… Also Segel weg und die restlichen 55 SM motoren. So geht es in die dritte Nacht… Keiner von uns kann wirklich schlafen… das Schiff rollt und geigt kräftig in alle Richtungen… was in den Schubladen und Schapps nicht festverstaut war, lässt das jetzt deutlich hören… eine ungewohnte „Musik“ und Deck… immerhin verhindern die Leesegel das wir nicht aus den Kojen fallen… Naja… das war so nicht auf dem Plan… doch das geht auch vorbei… Wach bleiben wir diese Nacht ohnehin auch durch die vielen Fischerboote, die uns teilweise sehr nah kommen… unglaublich was hier alles unterwegs ist und wir müssen gut aufpassen damit wir frei von ihnen bleiben.

Im Morgengrauen nähern wir uns der spanischen Küste, deren östlicheren Bereich wir am Vortag schon am Horizont gesichtet haben… ein paar Fischerboote ziehen an uns vorbei, begleitet von zahlreichen Möwen. Zeitlich haben wir unsere Geschwindigkeit so reduziert, dass wir nicht im Dunkeln ankommen und so passieren wir um 06:30 Cabo Prior und die Hafenmole von A Coruña um 08:00 Uhr. Anmeldung bei Port Control (der in einem hohen Doppelturm auf der Mole sitzt) und der Marina. Wir bekommen einen schönen Platz am ersten Steg in der City-Marina (Marina Real) zugewiesen. Auch hier hilft ein sehr freundlicher Mariniero beim Anlegen und nimmt die Leinen an. Toller Service, den wir so aus deutschen Häfen nicht kennen… Bravo…

Yeahh… wir haben also die Biskaya geschafft… sie liegt hinter uns… war gar nicht schlimm… Wichtig ist einfach ein guter Wetterbericht und Geduld… dann ist alles ziemlich easy… 🙂

Nun erstmal ausgiebig Frühstücken, beim Hafenmeister anmelden, ein kurzes Nickerchen… und dann freuen wir uns schon riesig auf die vielen leckeren Tapas… leckeren Wein… usw… UND es ist hier deutlich wärmer als in Frankreich… herrlich… richtiges Urlaubsfeeling kommt auf und so werden wir erst mal ein paar Tage relaxen und ins spanische Flair eintauchen…

Alle (fast alle) tragen hier auch im Freien Masken… eine unglaubliche Disziplin… und mit Blick auf die hohen Coronazahlen ist das auch offiziell so vorgeschrieben, wenn nicht ein Mindestabstand von 1,5 Meter eingehalten werden kann. Wir halten uns an diese „Spielregeln“ und können es trotzdem genießen, da scheinbar deutlich weniger los ist, als vor Corona… ein für uns zumindest kleiner Vorteil.

Zahlreiche kleine verwinkelte Gassen… alte bunte Häuser… viele kleine Tapas-Tabernas… beste Einkaufsmöglichkeiten… sehr liebenswerte und hilfsbereite Menschen… wunderbar… hier lässt es sich aushalten…

…und der August ist in A Coruña ein ganz besonderer Feiermonat, zu Ehren der Heldin María Pita. Sie gilt als Heldin im Kampf gegen Francis Drake, der im Dienst der englischen Krone im Jahr 1589 mit mehreren Schiffen A Coruña attackierte, jedoch nicht einnehmen konnte.

Da feiern wir mit… da sind wir dabei… Yeahh…

4 Gedanken zu „Viva España… olé olé…

  1. Hallo Ihr beiden Weltenbummler 😃
    An Dir Horst ist wahrlich ein Buchautor verloren gegangen😉
    Wieder ein toller und spanender Bericht Euer Törn durch die Biskaja
    Erlebnisse die man nie vergisst. Nur habt Ihr Euch eine kleine Erholungspause verdient.
    Genießt die Zeit an Land und das leckere Essen und schlaft Euch gut aus um wieder Kraft zu tanken, bevor es wieder auf zu neuen Ufern geht.
    Freue mich schon auf Euere nächsten Erlebnisse die Ihr so gut in Zeilen verpackt das man das Gefühl hat mitzusegeln.
    Viel Spaß und Erfolg für die nächste Etappe 👍
    Bis bald und liebe Grüße aus dem schauerrigen ☔️Hamburg
    Wünscht Euch Mario 😎👍

    • Hallo Mario, danke für deine lobende Rückmeldung und guten Wünsche… bis jetzt gefällt es uns sehr gut in A Coruña…. leckeres Essen, guter Wein und gestern sogar ein cooles Open-air-Rockkonzert… wir genießen es…😁😎👍

  2. Hallo Gerti und Horst, schon wieder (!) ein sehr interessanter Bericht. Man lebt so richtig mit euch an Bord. Wir wünschen euch weiterhin viel Glück und reichlich schöne Erlebnisse auf eurer Reise.
    Liebe Grüße Karin und Wilfried, La Surprise

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