Frankreich… wir sind da…

Nach dem ungeplanten Arbeitseinsatz in Zeebrugge, haben wir von Belgien nicht mehr viel gesehen… Zeebrugge ist zwar nicht der Hingucker, doch die Leute hier sind alle supernett und hilfsbereit, die Marina ist sehr gepflegt und das Wlan-Netz top. Brugge soll sehr schön sein… vom Hafen aus einfach mit dem Zug zu erreichen und zur Besichtigung einen ganzen Tag einplanen… so der Tipp den wir bekamen. Die Versuchung war groß noch einen Tag zu bleiben, doch ein Blick in die Wetterprognose zeigte uns, dass der Wind nach Frankreich gut steht…. also entscheiden wir uns für den günstigen Wind…

Donnerstag, 15.07.21: Klar zum Ablegen… es ist 08:30… die Nachbarn wünschen gute Reise und der Hafenmeister hilft freundlich winkend die Leinen zu lösen. Wir fahren hinaus in den Vorhafen und merken schnell… der Wind hat bereits hier die angesagten 24 Knoten (in Böen sind bis 29 Knoten angesagt)… also Groß ins 2. Reff und mit Motor den Hafen hinaus… Der Wind kommt in der Einfahrt genau von vorn… begleitet von bis zu 1,5 Meter hohen Wellen, die kurz und steil sind… Der Bug taucht immer wieder kräftig ein… Gischt spritzt über das ganze Deck und salzt uns innerhalb weniger Minuten voll ein… dennoch taucht unsere Lady weich in die Wellen ein, so dass unter Deck nichts klirrt oder scheppert… das ist schon mal gut… trotzdem schaut die Bordfrau den Skipper zweifelnd an und hofft, dass es so nicht den ganzen Tag geht…

Es dauert ca. eine Stunde bis wir aus dem engen Fahrwasser mit dicken Pötten und nach einer langen Linkskurve raus sind … jetzt sind Wind und Welle günstiger und wir setzten die kleine Genua mit 2/3 dazu, Motor aus und so laufen wir stark gerefft schräg an den Wellen hinaus. Die Tide ist günstig und die SOG (speed over ground) geht teilweise auf bis zu 10 Knoten hoch… Das macht Laune und auch die über Deck wehende Gischt wird weniger… die Fahrt ruhiger und der Blick der Bordfrau entspannter…. Der Kurs führt weit backbord vom Hauptfahrwasser durch die Gassen mehrerer Sandbänke bis Calais… dann steuern wir auf‘s Kap zu und wie angekündigt lässt hier der Wind deutlich nach… wir können voll ausreffen und nach einem Winddreher auch das Vorsegel ausbaumen… so läuft es sehr ruhig und stabil dahin… ABER… die Tide macht die Nordsee sehr besonders… sie läuft leider nicht immer mit, sondern in Abständen von ca. 6 Stunden auch in die andere Richtung… ein ewiges hin und her… so tauschen wir langsam die 2 Knoten Schiebestrom gegen bis zu 3 Knoten Gegenstrom ein und die SOG sinkt bis auf teilweise unter 4 Knoten Fahrt… Tja, das macht die Berechnung der Ankunftszeit schwierig und wir haben uns um über 2 Stunden verrechnet… dennoch kommen wir noch bei Tageslicht um 22:00 in Bologne sur mer an. Anmeldung bei Port-Control auf CH12 und dann bei der Marina auf CH9. Einreise absolut easy… keinerlei Kontrollen… keine Tests…

Der Hafen ist ziemlich voll, doch der Skipper der Triton (eine deutsche HR38) winkt uns, neben ihm längsseits zu gehen und hat schon Fender ausgebracht. Sehr freundlich und prima Seemannschaft. Inzwischen ist es 22:30 und wir lassen den Tag etwas müde bei kühlen Drinks ausklingen…

Nächster Morgen… Anmeldung im Port-Office… dann geht‘s auf den genau gegenüberliegenden Fischmarkt. Hier wird von kleinen Fischerfamilien alles angeboten, was die Nordsee bietet… und wir decken uns für den Abend mit lecker frischen Fisch und Gambas ein… das wird ein Festessen…

Faszinierend ist der hier deutlich sichtbare Tidenhub… die Fischerboote liegen wie wir auch an Schwimmstegen, die alle 6 Stunden mehr als 6 Meter hoch und dann wieder nach unten gehen. Die Gangway am Stegende geht einmal ganz steil nach oben und nach der nächsten Tide ist sie wieder fast waagerecht… sehr beeindruckend…

Mit dem freundlichen Skipperpaar der Triton gibt es einen interessanten Infoaustausch… sie waren mit ihrer HR38 schon mal 2 Jahre auf Langfahrt und haben viele Tipps und Hinweise… Wir vereinbaren am nächsten Morgen um 08:00 gemeinsam auszulaufen und als nächsten Hafen Dieppe anzusteuern… der Wind soll gut werden und das sieht nach einem schönen Segeltag aus…

Samstag, 17.07.21: Pünktlich um 08:00 startet der Motor… wir sind klar zum Ablegen. Auch die Triton ist startklar… Leinen los und mit langsamer Fahrt geht’s Richtung Vorhafen… das Groß geht hoch und wir verlassen den Hafen. Heute haben wir das genaue Gegenteil der letzten Hafenausfahrt… sehr entspannt und der Wind kommt schräg von achtern… da bleibt alles trocken und die Crew freut sich. Der Wind hat heute nur 12 Knoten aus NNE und wir können unsere große Genua ausbaumen. Wie ein großer weißer Schmetterling gleitet LadyBlue nun dahin und macht gute Fahrt… völlig entspanntes Segeln… und auch die Temperaturen sind sehr angenehm…

Den Kurs nach Dieppe nehmen wir als leichten Bogen, fahren weit auf See raus und bekommen den angekündigten Winddreher so mit, das wir bis vor Dieppe die Segelstellung nicht mehr ändern müssen. Das ist prima… auch wenn der Wind ein paar Meilen vorm Hafen fast einschläft und wir die letzte Stunde motoren müssen.

Vor der Hafeneinfahrt sehen wir 3 roten Lichter(!) und bitten Port Control auf CH12 um Einfahrtserlaubnis, doch wir werden gebeten zu warten… Eine große Fähre macht sich gerade zum Auslaufen klar und die sollen wir westlich der Ausfahrt abwarten… aufgestoppt dümpeln wir vor der Hafeneinfahrt und der jetzt stärker zu spürende Seegang klatscht die Wellen spritzend unters Heck… doch es dauert nur 10 Minuten bis sich die dicke Fähre durch die Einfahrt schiebt und wir grünes Licht und über Funk das „go“ bekommen… Wir melden uns über CH09 auch bei der Marina an und werden an den Stegen von einem Marinero im Dinghi erwartet, der uns zu unserem Platz eskortiert… prima Einweisung ohne langem suchen und anschließend noch persönliche Begrüßung an Steg… toller Empfang…

Dieppe ist bis jetzt zwar der teuerste Hafen (47,- € pro Nach) und das Wlan-Netz funktioniert leider nicht… doch es ist dafür sehr schön… eine alte eingewachsene Stadt an der Alabasterküste (das erste Seebad Frankreichs) mit einer erhöht liegenden sehr schönen Burganlage und einlaufend Backbord thront auffallend die Chapelle Notre-Dame-de-Bonsecours, eine schöne kleine Kirche die für Seeleute und Fischer errichtet wurde, die ihr Leben auf dem Meer verloren haben.

Im Hafen und und den vielen kleinen Gassen der Stadt pulsiert das Leben und ein Restaurant neben dem anderen lädt an der Promenade zum Verweilen ein und lecker essen ein… hier kann man es auch ein paar Tage mehr aushalten… und auch einen tollen Fischmarkt gibt es genau gegenüber mit allen Leckereien des Meeres… 🙂

6 Gedanken zu „Frankreich… wir sind da…

  1. Hallo Gerti und Horst, ein sehr schöner Bericht. Wir haben ihn mit großem Interesse gelesen. Fast glaubt man bei euch zu sein. Wir wünschen euch eine angenehme Weiterreise.
    Ganz liebe Grüße
    Karin und Wilfried
    La Surprise

    • Hallo Klaus,
      danke machen wir… z.Zt. warten wir in Camet sur mer auf passenden Wind über die Biskaya… Facebook nutzen wir bis jetzt nicht, doch wir haben diverse Kontakte zu anderen Seglern auf dieser Route… 🙂
      LG Gerti & Horst

  2. Liebe Gerti und Horst, wir wünschen euch eine gute Reise. Hoffen, dass eure Instrumente alle funktionieren, denn das ist der Horror alles Segler. Ihr habt das aber super gemeistert.
    Liebe Grüsse
    Sibylle und Peter
    Von der Billabong

    • Hallo liebe Billabongs,
      vielen Dank für eure guten Wünsche… Instrumente funktionieren alle wieder prima… 🙂 …nur die Toilette hat heute gestreikt… auch ein kleiner Horror der Segler… doch ist auch wieder repariert. Jetzt warten wir auf den passenden Wind für die Biskaya…. 🙂
      LG Gerti & Horst

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