Kalmarsund und Hanöbucht

Am 29.08.12 startet Arielle in Visby/Gotland bei günstigem Wind ganz frühmorgens Richtung Öland. Noch im Hafen geht dass Groß hoch und draußen auf See auch gleich die Genua. Es ist wieder Hochseefeeling angesagt mit Traumsegeln. 🙂

Nach 42 Meilen geht es an der Nordspitze von Öland in die Grankullavik-Bucht. Da ist um diese Jahreszeit bereits alles total verlassen und dicht. Arielle ist neben einem einheimischen, unbewohnten Dauerlieger, das einzige Gastschiff am Steg und ich genieße die Einsamkeit und Natur pur. Die Sonne scheint ins Cockpit und nur das Glucksen des Wassers am Rumpf ist zu hören. Sonst absolut nichts! Herrlich. 🙂

Morgens ist die Ruhe allerdings vorbei. Der Wind hat auf SE gedreht, deutlich aufgefrischt und kommt jetzt sehr ungünstig von der Seite. Durch die Größe der Bucht, die nur von flachem Land umgeben ist, kann der Wind jetzt voll reinblasen und es entsteht sogar etwas Schwell. Der Stegliegeplatz ist bei diesem Windeinfall keineswegs mehr angenehm! Arielle ruckt hart an den Leinen und will hier weg. Also gleich nach dem Frühstück ablegen.
Noch in der Bucht geht das Groß rauf und gleich ins erste Reff, denn in Böen sind draußen bis 25 Knoten angesagt. Mit ebenfalls gereffter Genua geht es mit 6-7 Knoten Fahrt Richtung schwedisches Festland. Ziel ist der Stadthafen von Oskarshamn, wo Arielle bereits von der Atair erwartet wird, die hier auf direktem Weg von Visby um Mitternacht eingelaufen ist. Ich kann bis kurz vor die Stege segeln und habe dort ausreichend Platz zum Segel bergen.

Der fast leere Stadt-Hafen „Badholmen“ hat schöne Stege zum Festmachen, saubere sanitäre Anlagen, kostenlose Waschmaschinen-Nutzung und günstige Hafengebühren.

Die City mit netter Fußgängerzone, Einkaufspassage und vielen Geschäften und Cafés ist ganz nah und attraktiver als in den Hafenbüchern beschrieben.

Bei super Wetterbedingungen geht es zwei Tage später weiter nach Kalmar im Kalmarsund. Die ersten 10 Meilen mit traumhaftem Schmetterling-Segeln bei genau achterlichem Wind und kaum Welle.

Dann nach vorübergehender Flaute mit stark böigem Wind unter Vollzeug mit teilweise über 7 Knoten dem Ziel entgegen. Unter der beeindruckenden Kalmarsund-Brücke hindurch und dann in den Hafen von Kalmar hinein.

Das war wieder ein super toller Segeltag. Ich sitze mit den Crews der Atair und der Bibo am Holzsteg und wir gönnen uns gemeinsam ein paar Dosen Bier als gelungenen Manöverschluck. 🙂

Der Hafen ist sehr schön angelegt hat ordentliche sanitäre Anlagen, eine gute Sauna und wirkt insgesamt sehr einladend. Hier liegen wieder deutlich mehr Schiffe und davon auch mehrere unter deutscher Flagge, die sich fast alle auf dem Heimweg befinden.

Fast, weil einige Eigner ihre Schiffe auch in Schweden ins Winterlager bringen, um die Anreise für die nächste Saison zu umgehen.

Kalmar ist ein Muss auf der Strecke. Hier gibt es auch zu dieser Jahreszeit noch „Leben“ im Hafen und in der City. Allem voran aber das sehr beeindruckende Schloß Kalmar.

Es ist der besterhaltenste Renaissance-Palast in Nordeuropa und seine Geschichte geht zurück bis zum Jahr 1180. Sehr beeindruckend, mächtig wirkend und sehr gut erhalten/restauriert. Auch der alte Dom und die Gambla Stan sind sehenswert. Die Gassen der City sind gesäumt von vielen Shops, Restaurants, Cafés, gemütlichen Kneipen und in den kleinen Seitengassen der Gambla Stan auch viele urarlte kleine bunte Holzhäuser.

Weiter geht es nach ein paar Tagen nach Kristianopel. Das sind nur rund 27 Meilen und ist schnell erreicht. Neben Arielle sind nur noch zwei weitere Gastyachten hier (im Juli sollen hier bis zu 82 Yachten in 12er-Päckchen gelegen haben!) und der Ort wirkt jetzt total ausgestorben.

Auch das Cafe hat leider schon Saisonschluss. Nur der kleine Supermarkt hat noch auf. Es ist jedoch eine ganz tolle Atmosphäre im Hafen. Die Sonne scheint, es ist recht still und nur die Vögel sind zu hören, die sich hier scheinbar für ihren Abflug in den Süden sammeln.

Das nächste Ziel heißt Karlskrona in der südschwedischen Provinz Blekinge, wozu Arielle den restlichen Kalmarsund  aufkreuzen muss.

Dann bei „Torhamns udde“ unter Segeln in die spannende Einfahrt der Karlskrona-Schären. Das ist hoch am Wind unter Segeln im schmalen Fahrwasser anspruchsvoll, doch die Tonnen sind gut zu erkennen. Vor dem schmalen Stichkanal nehme ich die Genua jedoch weg und passiere danach auch die 18 Meter hohe Möcklö-Brücke unter Motor. Danach kann Arielle wieder bis vor die Untiefen der Hafeneinfahrt segeln. In Karlskrona wird Arielle von der Atair und der Bibo bereits erwartet. Arielle’s Leinen werden freudig angenommen. Genialer Service. 🙂  Es wird ein langer feuchtfröhlicher Abend!

Karlskrona’s spannende Geschichte geht bis zum Jahr 1679 zurück. Der Marinehafen mit seinen ehemaligen Werften und Verteidigungsanlagen und ausgewählte Gebäude der Stadt wurde von der Unesco zum Welterbe erklärt. Da gibt es einige interessante Ecken, die die Geschichte der über 300 Jahre alten militärisch geprägten Stadt noch deutlich zeigen. Und es gibt eine schöne Fußgängerzone mit netten Geschäften, mehreren toll überdachen Einkaufspassagen und einen hervorragenden Bootszubehörladen.

Ein Besuch des Marine-Museums ist unbedingt zu empfehlen. Sehr beeindruckend und super gemacht. Sogar mit Kopfhörer und deutschsprachigem elektronischen Führer. Daneben wird gerade ein zusätzliches U-Boot-Museum gebaut, dass 2014 eröffnet wird. Auch das Blekinge-Museum ist einen Besuch wert und zeigt das Kulturerbe dieser Region dekorativ darstellt und gut erläutert.

Dann treffe ich hier endlich die Caddy mit ihrem Skipper Jörg. Wir stehen schon seit Monaten in Mailkontakt und ich freue mich, ihn endlich zu treffen. Jörg macht bereits seine zweite große Ostseerunde, mit zu bestimmten Terminen wechselnden Crews und kennt das Revier bestens. Viele gute Tipps habe ich von ihm erhalten. Danke Jörg.

Die Wetterprognosen sagen über 30 Knoten Wind aus SW bis W an und so bleibt Arielle ein paar Tage länger als geplant hier im geschützten Hafen. Insgesamt stehen die Langzeitprognosen jetzt auf deutlich mehr Wind aus W-SW, was die Planung für die Heimfahrt noch mal vor eine weitere spannende Herausforderung stellt und gut überdacht sein will. Es ist deutlich kälter geworden und die Heizung läuft jetzt jeden Tag.

Aufgrund der Wetterlage und weil ich allein segle wird Hanö von meiner Route gestrichen. Schade, doch dafür geht es am 09.09.12 weiter nach Utklippan. Vorbei an den U-Bootsperren nach Süden, bei spiegelglatter See unter Motor. Von hier aus hat Arielle dann entsprechend der Wetterprognosen einen guten Absprungplatz nach Simrishamn auf die andere Seite der berüchtigten Hanöbucht. Utklippan liegt sehr exponiert und außer Steine und Brombeerren gibt es hier nicht mehr viel.

Eigentlich ist Saisonschluss und zu dieser Jahreszeit ist es hier recht einsam, doch heute kommen zusmamen mit Arielle 11 Yachten an, davon 7 deutsche Schiffe, die alle das morgige Wetterfenster über die Hanöbucht nutzen wollen. Dabei treffe ich hier endlich auch die SY Mentor mit Waltraud und Wolfgang, mit denen ich ebenfalls schon seit Monaten in Mailkontakt bin und es wird ein langer schöner Abend. Wunderbar wie sich die Wege vieler Yachten auf dem Rückweg dann doch noch kreuzen. 🙂

Am nächsten Morgen gleitet Arielle als eines der ersten Schiffe um 06:30 durch die enge Ausfahrt raus aufs offene Meer und zieht bei aufgehender Sonne unter Vollzeug eine herrliche Bahn ins glitzernde Wasser. Nach rund 9 Stunden ist die Überfahrt geschafft und Arielle liegt fest an einem Schlengelsteg in Simrishamn. Auch ein sehr netter Ort, mit vielen Geschäften und ansprechender Atmosphäre. Hier gibt es auch das schwedische Volvo-Service-Zentrum Süd, wo ein telefonisch bestelltes Ersatzteil für Arielle bereit liegt.

Caddy und Mentor gehen am nächsten Tag weiter nach Ystad, weil es der einzige Tag ist, wo das Sperrgebiet diese Woche offen ist, doch ich lasse mir hier einen Tag mehr Zeit, sehe mir die Stadt in Ruhe an und lerne so auch die Crew der Asienaka kennen. Ein nettes bayrisches Pärchen, das wegen einer Reparatur ebenfalls da geblieben ist und wir verbringen gemeinsam einen schönen Abend. 🙂

2 Gedanken zu „Kalmarsund und Hanöbucht

  1. Lieber Horst, nun sind es nur noch ein paar Tage, dann auch die lange zu Ende. Leider bin ich am 22.09 in Großenbrode um dort die letzte Regatta zu segeln. Danach ist aber Schluss mit der Segelei. Ich glaube viele Club- mitglieder sind in Heiligenhafen, weil wir ja auch noch unsere Hauptversammlung um 11:00 haben. Die wird wohl nicht lange dauern!! Ich freue mich jedesmal wenn ich auf Deiner Seite bin über die wunderbarenArtikel und Bilder, die Du ins Netz gestellt hast. Ganz toll. viele Grüße von Peter/Désirée

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