Åland-Islands/Mariehamn – Ziel erreicht

Donnerstag, 19.07.12:
07:30, ich mache gerade klar Schiff und denke das Herry bald eintreffen wird…., da ruft auch schon vom Steg eine bekannte Stimme: „Ahoi und guten Morgen Arielle.“ Herry ist da und freudige Begrüßung.Es gibt viel zu erzählen und er richtet eine Menge an Grüßen aus. Danke und herzlichst an alle zurück. 🙂  Wir frühstücken ausgiebig und lassen den Vormittag relaxed ziehen. Dann geht es auf zur Stadttour: Markthalle, Marktplatz, Dom, alter Stadtkern, Flaniermeile, usw…

Auch ein gutes Kaffee mit lecker Kuchen haben wir hinter der riesigen Bibliothek entdeckt und getestet. 😉 In der Bibliothek gibt es alles zu lesen was man will, und zwar für alle kostenlos. Bücher, Zeitschriften, Internet und auch Nachschlagmöglichkeiten in historischen Archiven (habe ich so noch nicht gesehen – toll).
In der Markthalle und am Markt gibt es alles was wir brauchen, insbesondere frische Nahrungsmittel, Brot, Fleisch und Fisch. U.a. wandern leckere Rinder- und Rentier-Steaks in unsere Einkaufstüten. Zurück bei Arielle wird erstmal zünftig Brotzeit gemacht und dazu gibt es frisch aus Bayern angeschleptes Franziskaner Weißbier. Alles bei entspannter Gemütlichkeit im Cockpit, mit gleitendem Übergang in den Abend. 🙂

Freitag, 20.07.12:
Nach dem langen gestrigen Abend, lassen wir es langsam angehen und legen erst um 12:00 ab. Ziel ist eine nur 16 SM entfernte schöne Ankerbucht bei Soropohjanjävi. Wunderbar und Wassertemperatur 21,9 °. Spontan eröffnen wir hier endlich die Badesaison. Mit Kopfsprung rein ins kalte Nass. Gefühlt höchsten 19° und wir waren recht schnell wieder über die Heckleiter an Bord. Sehr erfrischend. Duschen am Vorschiff aus der Solardusche und dann Kaffee und Kuchen im Cockpit. So kann‘s weiter gehen. 🙂 Abends gibt es leckere Steaks und anschließend sitzen wir lange im Cockpit, bei schnell vedunstendem Wein. 😉

Samstag, 21.07.12:
Wir wollten eigentlich um 09:00 los, doch was ist das…? Wir sitzen beim Frühstück im Cockpit und es fängt an zu regnen! So war das nicht angesagt und bestellt schon gar nicht. Was soll dass denn? Hmm, lässt sich nicht ändern, also nach unten und Zeit lassen. Als es fast aufhört, gehen wir um 10:30 Anker auf. Ganz wenig Wind und wir motoren zum knapp 15 SM entfernten kleinen Hafenort „Verkan“. Eine super Wahl, bei den vielen sich bietenden Möglichkeiten, wie sich beim Anblick und nach der Ankunft rausstellt.

Wir sind um 13:30 im Hafen und bekommen einen der letzten freien Plätze. Anschließend wird der Hafen so voll, wie ich es noch nicht erlebt habe. Traubenartig hängen die Boote in unserer Nähe am Stegkopf, und zwar so, dass die Crew der hintersten Yacht über 2 Boote steigen muss um an den Steg zu kommen. Im Ring vor uns sind 7 Festmacherhaken eingehängt und wir legen zur Sicherheit unsere Leine um. Unglaublich, doch auch für die Finnen ist es so extrem dicht nicht normal.

Die Sonne kommt wieder raus und taucht den Hafen in tolles Licht. Ein wirklich schöner und schnuckeliger Hafen. Liegegeld 22,- €, inkl. Strom und der bis jetzt schönste nSauna (Ofen in der Mitte und 2 Fenstern, mit Blick auf den Hafen). Beim kleinen Kiosk bunkern wir noch etwas Proviant nach und genießen den tollen Tag mit Nickerchen am Nachmittag, Kaffee und Kuchen, Saunabesuch und abends lecker kochen an Bord. Dann Routenplanung und Wetterberichte sichten, bis die Entscheidung für das nächste Ziel steht. Gar nicht so einfach, da der Wind auf SW dreht, genau aus der Richtung in die wir weiter wollen und in den nächsten 2 Tagen ist auch recht viel Wind aus dieser Richtung angesagt. Mal sehn, wie das laufen wird…

Sonntag, 22.07.12
Noch ein paar ergänzende Navigationsvorbereitungen, da wir einen langen Weg durch Schärendickicht vor uns haben und dann legen wir um 10:30 ab. Unser Kurs wird uns nahtlos in die Åland-Schären führen. Die Åland-Inseln sind eine Inselgruppe von über 6.500 Inseln zwischen Finnland und Schweden, von denen nur ca. 60 bewohnt sind. Seit 90 Jahren sind die Ålands unabhängig, bzw. haben Autonomie in vielen wichtigen Bereichen. Sie gehören zwar zu Finnland, haben jedoch eine eigene Flagge und die Einwohner sprechen schwedisch.

Nach 1,5 Stunden engem Fahrwasser wird es etwas übersichtlicher und wir segeln weiter, obwohl der Wind genau aus der falschen Richtung kommt. Heißt also kreuzen, was uns trotzdem viel Spaß macht. Es sind zwar über 20 Knoten Wind angesagt, doch mit einem kleinen Reff kein Problem, da es wiedermal kaum Welle gibt.

Sagenhaft und das machen nur die Schären aus. Also durchaus einige Vorteile. Es ist irgendwie mit Alstersegeln in Hamburg vergleichbar. Wechselnde Winde und kaum Welle. Sehr vertraut. 😉
Bei Sottunga kommen uns gleich 3 große Fähren hintereinander entgehen und es wird etwas eng. Wir passieren die Fähren in sicherem Abstand und haben trotzdem dabei jeweils kurz Windstille. Unglaublich! Die Segeln fallen ein und Arielle richtet sich auf. Dann kommt der Wind wieder und Arielle legt sich stark auf die Seite, bis der Druck wieder richtig in Fahrt umgewandelt wird. Beeindruckend. Nördlich von Degerby warten nun die engsten Stellen auf uns. In diesem engen Fahrwasser aufkreuzen, wenn evtl. weitere Fähren entgegenkommen, behagt mir nicht. Also entscheide ich mich für ein noch engeres Nebenfahrwasser. Hier sind zwar keine anderen Schiffe mehr, doch überall schauen so dunkle Buckel aus dem Wasser. Schluck…, da heißt es besonders genau aufpassen. Der Weg ist, wie wirklich überall, klar betonnt und mit Peilmarken versehen. Nach ein paar engen Kreuzschlägen sind wir da durch. Sieht oft schlimmer aus, als es wirklich ist. Nun ist es nicht mehr weit zur ausgewählten Bucht und kurz darauf liegt sie eine Meile nördlich von Degerby vor uns. Wir fahren rein und stoppen dann recht schnell auf, denn was ist das denn…??? Da geht ja eine Hochspannungsleitung über die Bucht. Habe ich in der Karte gar nicht so wahrgenommen. Das geht also nicht, da kommen wir nicht durch. Also wieder mal Plan B. Weiter nach Degerby und dort evtl. in den Hafen wenn noch was frei ist. Ein weiterer Blick in die Karte zeigt jedoch südlich von Degerby zwei weitere interessante Buchten, die recht geschützt geschnitten sind. Das wollen wir uns doch mal ansehen! Die erste Bucht erweist sich als zu flach, doch die zweite Bucht ist perfekt. Viereinhalb Meter Wassertiefe und allein für uns. Gut nach SW geschützt durch hohe Felsen und Bäume. Da liegen wir sicher und der Wind kann drüberpfeifen wie er mag. 🙂  Durch das Aufkreuzen bedingt, sind es heute knapp 50 Meilen geworden und es ist auch bereits 20:00 als Arielle endlich wieder ruhig vor Anker liegt. Ein langer und anstrengender Segeltag. Doch recht beruhigend, denn morgen soll es bei mindestens gleicher Windstärke auch noch durchgehend regnen (wo hat sich nur der Sommer versteckt) und dafür haben wir jetzt einen Layday-Joker, weil wir nur noch zwei kurze Etappen von Mariehamn entfernt sind. 😉

Montag, 23.07.12:
Der Wetterbericht hat leider Recht. Es regnet und pfeift. Wir nutzen das zum langen Ausschlafen und ausgiebig frühstücken. Dann ziehen wir unseren Layday-Joker, verholen uns eineinhalb Meilen um die Ecke nach Degerby-Hamn und ergatten dort einen der wenigen freien Plätze. Besonders einladend sieht der Ort nicht aus, was auch am Regenwetter liegen kann. Er ist jedoch ein idealer Versorgungsort, denn ein großer Supermarkt liegt nur 50 Meter vom Steg entfernt und hat alles was wir zum Nachbunkern brauchen. 🙂

Und ihn haben wir hier auch getroffen – sah nur etwas hölzern aus. 😉

Dienstag, 24.07.12:
Der Regen hat aufgehört, doch von der Sonne ist noch nichts zu sehen. Na immerhin. Also legen wir um 11:00 ab, denn wir haben nur max. 3 Stunden bis zum nächsten Ziel. Die erste Hälfte „dürfen“ wir wieder kreuzen und ausgerechnet an der engsten Stelle (Südspitze von Lemland) kommt mal wieder eine Fähre entgegen. Wir ziehen mit maximal gekniffener Höhe bis kurz vor eine Schäre und kommen dann hinter der Fähre rum. Wird schon fast zur Tagesübung, doch könnte ich darauf gerne verzichten. Anschließend geht es zur Belohnung mit Halbwind und knapp 7 Knoten genau auf unser Ziel zu. „Rödhamn“ –  eine Insel mit auffallend roten Felsen und super geschützter Bucht. An die Felsen sind dort wunderbar Holzstege gebaut und man kann an Heckbojen anlegen (Achtung: Die Heckleinen sollten mindestens 20 Meter haben, sonst reicht es nicht).

Alternativ ist auch ankern möglich, da die Bucht groß und geschützt ist. Wir wollen an den Steg und bereiten alles zum Anlegen vor. Da tönt eine bekannte Stimme aus der Funke „Arielle, Arielle, Arielle…..“ ich traue meine Ohren nicht, das kann nicht sein…., doch dann weiter „Billabong ist auch schon da“! Haaah…! Ein Blick zu den Stegen und tatsächlich, da liegt sie und Peter und Sibylle winken uns zu. 🙂  So eine schöne Überraschung, damit habe ich nicht gerechnet. Wir legen neben Billabong an und erhalten mal wieder den gewohnten „Leinen-Annahme-Service“. 😉  Dann zum Willkommens-Apero zur Billabong und nach dem Abendessen Cocktails bei Arielle. Obwohl wir völlig unterschiedliche Kurse gefahren sind, haben wir uns hier zufällig wieder getroffen. Die Welt ist manchmal kleiner als man denkt.

Die Insel ist wirklich traumhaft schön. Das Rot der Felsen leuchtet (auch ohne Sonne) und die Insel wirkt dadurch ganz besonders interessant. Über kleine Wege ist die Insel schnell erkundet. Es gibt ein Inselmuseum, eine Sauna die man selbst mit Holz anfeuern muss (die Insel hat keinen Strom) und einen Brunnen in der Inselmitte, aus der man sich aus großer Tiefe eiskaltes Wasser selbst hochpumpen kann. Das hat was… 😉 Im Hafenkontor gibt es Kaffee und Kuchen und ganz hervorragenden geräucherten Lachs (!).  Sehr empfehlenswert!

Mittwoch, 25.07.12:
Um 08:00 legt Billabong ab, mit Kurs nach Schweden. Mal sehn, ob und wo wir uns das nächste Mal zufällig treffen. Wird jedoch immer unwahrscheinlicher, denn Arielle hat 3 Wochen mehr Zeit für den Rückweg und der hat noch nicht begonnen. Wir winken kräftig zum erneuten Abschied und legen 2 Stunden später auch ab. Unser Ziel ist diesmal „Mariehamn“, die Seefahrerstadt und das Ziel schlechthin in den Ålands und auch das Hauptziel meiner Ostsee-Rund-Reise! Mariehamn ist Hauptstadt und einzige Stadt der Aland-Inseln (ca. 11.000 der rund 28.000 Ålandern, leben hier).
Wir haben heute nur wenige Engpässe zu passieren und dazu raumen Wind mit 11 Knoten. Ideal um wieder den blauen Blister hochzuziehen. Zusammen mit dem Groß steht er zwar nicht so gut, dennoch ziehen wir so bis kurz vor den Westhafen, bergen dann die Segel und legen über Heckboje am Steg nicht weit vom Restaurant an. Von weitem schon sahen wir die Masten der „Pommern“, die hier als Museumsschiff gleich vor dem Westhafen fest liegt. Die Pommern ist ein ehemals deutscher „Flying P-Liner“ und der einzige Viermast-Frachtsegler der Welt, der sich noch im ursprünglichen Zustand befindet. Sie liegt direkt hinter dem Westhafen. 106,5 Meter lang und 13,2 Meter breit – ein imposanter schöner Anblick.

Das Seefahrtsmuseum ist gleich gegenüber und ist im Eintrittspreis der Pommern (10,- €) enthalten. Es bietet maritime Geschichte und das Kulturerbe Ålands. Dort gibt es viele interessante und originelle Dinge der Seefahrt zu bestaunen, u.a. auch zwei edle Salon’s von großen Segelschiffen, mit Kapitäns- und Offiziers-Kabinen (so wie diese vor über 100 Jahren aussahen) und eine der wenigen echten Piratenflaggen, die es weltweit gibt. Sehenswert!

Wir starten anschließend zu einem ausgiebigen Rundgang durch Mariehamn. Schöne kleine Fußgängerzone, mit vielen kleinen Geschäften zum Shoppen und sehr originellen Restaurant und Bars zum chillen. Überall sehr entspannte Atmosphäre und die Sonne scheint auch.

Wir besichtigen auch den Osthafen, finden jedoch den Westhafen klar schöner.

Dann liegen wir also genau richtig, zumal Herry morgen schon wieder nach Hause muss und von hier aus die Fähren besser zu erreichen sind. Zur Zeit läuft hier ein Rockfestival und es rockt in der Tat ganz schön (ist in weitem Umkreis nicht zu überhören). Wir schauen uns das Abends noch kurz an, gehen lecker essen und dann um Mitternacht in die Kojen. Es wird eine sehr kurze Nacht.

Donnerstag, 26.07.12:
Um 03:15 klingeln mehrere Wecker, damit wir ja nicht verschlafen, denn um 04:00 ist Check-in bei der Fähre. Nach dem Abschied verschwinde ich schnell wieder in der Koje. Erstmal richtig ausschlafen frühstücken, Schiffsgroßputz, einkaufen, lecker kochen und den Hafentag genießen. Auch endlich mal wieder mein Tagebuch nachtragen und einen Artikel für den Blog schreiben. Der Tag geht dabei sehr schnell rum und ich wundere mich immer wieder, wo nur die Zeit bleibt. Das ist auch der Grund, warum ich selten über Skype erreichbar bin. So merkwürdig es klingt, bleibt dafür wenig Zeit, denn im Vordergrund steht natürlich das Erleben des täglich Neuem. Außerdem sind die W–Lan-Verbindungen oft sehr schwach (Hinweis: W-Lan-Verstärker-Antenne ist unbedingt zu empfehlen). An der Stelle auch mal Danke an alle, die ein Feedback auf meinen Blog eingestellt haben. Freut mich sehr, dass es euch bis hier gefallen hat.
Jedenfalls bin ich jetzt, nach 1.318,33 SM an meinem Hauptziel angekommen. Die Alands und Mariehamn (Pos. 60° 05,946‘ N, 019° 55,399’ E). Ich bin happy und geniese es. 🙂
Jetzt geht es wieder allein weiter. Ob ich noch den Bottnischen Meerbusen zu den“ Höger Kusten“ raufgehe oder mich langsam auf den Rückweg über die schwedischen Küste mache oder hier bleibe, entscheidet sich nächste Woche.

Hinweis: Meinen Blog werde ich an dieser Stelle vorläufig beenden um die Zeit besser für die vielen neue Erlebnisse und Endeckungen nutzen zu können. Ich bitte dafür um Verständnis und werde wenn ich wieder zurück bin einen Nachtrag schreiben. Für alle die mit mir weiter in Kontakt bleiben wollen, ist dies gerne weiter über meine Mailadresse möglich. mail@blauwassersegeln.de

Ein Gedanke zu „Åland-Islands/Mariehamn – Ziel erreicht

  1. Mensch Horst
    Wie soll ich diese Saison ohne deine fantastischen Reiseberichte überleben?

    Noch mal vielen Dank für Deine Gastfreundschaft

    Liebe Grüße
    Gerd

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