Helsinki

Montag, 09.07.12:
Der erste große Einhandschlag steht bevor und ich bin ein bisschen aufgeregt. Der angekündigte Wind mit Spitzen bis zu 27 Knoten aus SW und die bald beginnende Schärenwelt machen die Sache zusätzlich spannend. Die Ansteuerung von Helsinki wird mir einiges abverlangen! Eine total unübersichtliche Vielzahl von Schären, Tonnen und Fahrwege. Welchen nehme ich da bloß und wo muss ich überhaupt hin, wenn ich zur Skifferholmen-Schäre will? Huch! Will ich da überhaupt hin? Finde ich durch dieses Dickicht sicher durch?

So begann gestern Abend das Gedanken-Vorspiel zum heutigen Tag. Nachdem ich mir das aber ausführlich angesehen und mich mit den finnischen Seekarten etwas angefreundet habe, war es dann nur noch halb so wild.

Aufstehen um 06:00 und dann läuft meine verinnerlichte Checkliste ab. Allein ist die Konzentration noch größer und so läuft es gefühlt wie bei einer Schweizer Uhr. Ablegen um 07:50 und super im Zeitplan. Noch im Hafenbecken setze ich das Groß, und zwar gleich ins 1. Reff, dann raus ins etwas aufgewühlte Wasser. Mit mir läuft noch eine finnische Yacht aus, die es auch so macht. Kurz drauf Genua setzen, ebenfalls ins 1. Reff. Aufklaren, Rundcheck und Kurs auf den schmalen Korridor zwischen Hauptverkehrsweg und den Untiefen steuerbords. Arielle legt sich auf die Seite, denn der Wind greift gleich mit 22 Knoten nach uns.

Die Logge zieht sofort auf 7,1 Knoten rauf und es kommt einem Raketenstart gleich. Trotzdem kaum Druck auf dem Ruder und es geht wie auf Schienen raus aus der Bucht. Entspannung tritt ein und ich bin begeistert. Was für ein geiles Gefühl. 🙂  Trotzdem heißt es aufpassen und nicht übermütig werden, denn hier ist viel Schiffsverkehr und es passieren auch drei Fähren, ein Kreuzfahrer und weiter draußen noch eine Schnellfähre. Wow war die schnell da, doch der Abstand war mehr als ausreichend (hier schaut die Crew auf der Brücke auch gut mit).

So sehen sie aus, wenn sie langsam unter Land fahren:

Etwas später ist alles Land verschwunden und nur noch einige Frachter und Fähren in der Ferne auszumachen. Der Wind kommt raum mit 120° Einfall, so dass das Vorsegel gerade noch auf Zielkurs stehen bleibt. Die Wellen haben sich ganz schön aufgebaut und kommen kurz und mit viel Druck. 2 Meter waren angesagt, einzelne erreichen auch 2,5 – 3 Meter und erschweren das Steuern. Zu ein paar besonders hohen Wellen kann ich achtern richtig aufblicken, ziehe dann schnell den Kopf ein, doch nichts passiert – sie gleiten alle wundersam unter Arielle durch und im Cockpit bleibt alles trocken. Faszinierend! Dann kommt die Ansteuerung und ich sehe die ersten Seezeichen. Mein Plan den direkten Weg durch das betonnte flache Fahrwasser zu nehmen ändere ich, da es dort eine Stelle mit nur 2,4 Meter gibt und die Welle mich immer noch begleitet. Das wäre zu riskant. Also Plan B und Kursänderung auf das linke Hauptfahrwasser. Besser die Nähe zu großen Schiffen als zu Riffen. Inzwischen habe ich die Inseln und Tonnen alle so oft auf Karte und Plotter angesehen, dass ich sie auswendig kenne (bringt die grauen Hirnzellen wieder auf Trab). Plötzlich ruft mich über Funk eine Stimme, die ich sofort erkenne. Es ist Peter von der Billabong. Er erkundigt sich, ob ich auf dem Weg bin. Freudig verkünde ich dass ich gerade mit 7 Knoten durch die Schären pflüge. 🙂  Eine knappe Stunde später liege ich neben Billabong an Heckboje und Schwimmsteg vor der Schäre Skifferholmen, 500 Meter gegenüber von Helsinki. Pos. 60° 09.202´ N, 024° 56.853´ E

Geschafft und etwas müde. Eine tolle Erfahrung und eine Rekordzeit für die Überfahrt. Sibylle und Peter laden mich abends zum Fischessen auf die Billabong ein und das Angebot nehme ich gerne und dankend an. Noch ein kleines Nickerchen und duschen, dann an den gedeckten Tisch. Herrlich und es hat wieder super lecker geschmeckt und war ein schöner Abend. 🙂

Dienstag, 10.07.12:
Ich wache um 06:30 auf und kann nicht mehr einschlafen. Also nutze ich die frühen Stunden und schleppe meine Wäsche zum Waschraum. Um diese Zeit ist kein Mensch zu sehen und alles frei. So gehen 2 Ladungen durch Waschmaschine und Trockner. Nebenbei frühstücken und die Billabong verabschieden, die hier schon 4 Tage lag und jetzt in eine Ankerbucht will. Für mich ist Landtag mit Stadtbesichtigung angesagt. Also Fahrrad aus der Backskiste raus und auf in die Stadt. Ich radle gefühlt 20 Kilometer kreuz und quer durch die Stadt und es gibt viel zu sehen. Helsinki ist zwar eine schöne Stadt, jedoch ganz anders als Tallinn, Riga oder Danzig. Es ist eine moderne und quirlige Metropole.

Man muss sie auf alle Fälle mal gesehen haben, auch wenn sie auf mich nicht so aufregend wirkt, wie die o.g. Städte. Immerhin ist dieses Jahr ein besonders Jahr für Helsinki, denn zum 200. Mal jährt sich die Erhebung Helsinkis zur Hauptstadt Finnlands und zugleich ist Helsinki dieses Jahr die Welthauptstadt des Designs („World Design Capital Helsinki 2012“).

Es sind viele Veranstaltungen das ganze Jahr über geplant. Im Esplanade-Park spielt eine Jazz-Band und alle die frei haben, sonnen sich in der Anlage und lauschen der Musik. Zurück an Bord fühle ich, dass ich mit Stadtbesichtigungen jetzt erst mal  genug habe und mich nach einem ruhigen Ort sehne. Also werde ich mich morgen in eine ruhige Ankerbucht verholen und Natur pur genießen.   🙂

Kennt jemand diese Vögel/Enten???

Und wer mag das wohl sein?

Sieht aus wie Alf, der sich verkleidet hat. 😉

5 Gedanken zu „Helsinki

  1. Hallo Horst!
    wie immer sind wir fasziniert von deinen erlebnissen und reiseberichten. wir schauen jeden abend mit spannung nach ob es etwas neues von dir gibt. mach weiter so. bei den vögeln handelt es sich um weißwangengänse die auch nonnengänse genannt werden. weiterhin viel spaß und viele liebe grüße von silke und michi

    • Ein arktischer Zugvogel also. Interessant, wusste gar nicht, dass ich schon so weit nördlich bin. 😉

  2. Klasse ! …Horst, hast Du denn auch wieder einen so schönen Seebärenbart, wie auf dem Atlantik-Törn? Vielleicht kann Peter Dich nächstes Mal knipsen 😉 Weiter alles Gute Björn

  3. Hallo Horst,

    hier ein paar Grüße von einer Landratte. Es ist toll, deine Reise so verfolgen zu können. Die Bilder machen auch Spaß. Alles Gute weiterhin. Liebe Grüße Ulli

  4. Hallo Horst, habe Deinen Bericht zum ersten mal gelesen und finde Deine Schilderungen locker, informativ und inspirierend. Für kommendes Jahr habe ich genau diesen Törn geplant, deshalb werde ich heuer zu Deinem Stammleser werden. Den Link zu Deiner Website habe ich von Herbert. Seemannsgrüße aus München Thomas

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